Bremen Mann stirbt nach Infektion durch seinen Hund

In Bremen hat sich ein Mann beim Kuscheln mit seinem Hund mit Bakterien infiziert und ist gestorben. So ein Fall sei extrem selten, heißt es aus der Klinik.

Hunde können gefährliche Bakterien im Speichel haben, die allerdings fast nur bei Bissen übertragen werden (Symbolbild)
Philippe TURPIN/ Photononstop/ Getty Images

Hunde können gefährliche Bakterien im Speichel haben, die allerdings fast nur bei Bissen übertragen werden (Symbolbild)


In einem medizinischen Ausnahmefall ist ein Mann in Bremen an einer Infektion gestorben, die er sich beim Schmusen mit seinem Hund zugezogen hatte. Bei dem 63-jährigen Patienten sei das Bakterium Capnocytophaga canimorsus nachgewiesen worden, berichten die behandelnden Ärzte des Rotes-Kreuz-Krankenhaus RKK. Der Erreger kommt in Hundespeichel vor.

Der Mann kam im August 2018 mit Anzeichen einer Sepsis, vielen besser bekannt als Blutvergiftung, ins Krankenhaus. Er starb trotz Behandlung mit Antibiotika rund zwei Wochen später an multiplem Organversagen, schreiben die Ärzte im "European Journal of Case Reports in Internal Medicine". Der Mann sei zwar zuvor von seinem Hund abgeleckt, aber nicht gebissen worden.


Eine Sepsis ist extrem gefährlich und sollte möglichst schnell behandelt werden. Die Sepsis-Stiftung rät, 112 zu rufen oder direkt ins Krankenhaus zu gehen, wenn mindestens zwei dieser Symptome auftreten:

  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Verwirrtheit
  • schnelle Atmung
  • extremes Krankheitsgefühl
  • verfärbte Arme und Beine

Dass sich Menschen durch Tierbisse infizieren können, ist bekannt. Infektionen können aber auch durch Lecken erfolgen, wenn Erreger in kleine Hautdefekte eindringen, berichtet das RKK. Bei einem schweren Krankheitsverlauf spielten meist Risikofaktoren wie ein geschwächtes Immunsystem, Alkoholkrankheit oder eine Milzentfernung eine Rolle, sagt Martin Langenbeck, Chefarzt der Notaufnahme am RKK. Der Bremer Patient gehörte jedoch zu keiner dieser Risikogruppen.

Das RKK betont, wie selten dieser Fall ist. Weltweit sei bislang nur ein weiterer Patient mit einem so schweren Krankheitsverlauf bekannt, der weder gebissen wurde noch ein geschwächtes Immunsystem hatte. Das Krankenhaus will deshalb auch keine Verhaltensregeln aufstellen, wer will, solle weiter mit seinen Haustieren schmusen. "Wenn man aber Symptome bekommt, die sehr merkwürdig sind, und man hat ein Haustier, dann sollte man das dem Arzt mitteilen", sagt eine Sprecherin.

Hund, Katze, sehr selten auch Kaninchen

Der Erreger Capnocytophaga canimorsus findet sich häufig in der Mundschleimhaut von Hunden und in der Mundhöhle von Katzen, erklärt Lisa Sprague vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena. In ganz seltenen Fälle sei er auch bei Kaninchen gefunden worden.

"Humane Infektionen sind in den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa, Australien und Südafrika aufgetreten", sagt Sprague, die zu Zoonosen forscht - also Erkrankungen, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Eine Infektion mit Capnocytophaga canimorsus sei nach allen Studien extrem selten, verursache aber schwere Krankheitsverläufe, erklärt Sprague.

"Lassen Sie Tierbisse immer vom Arzt reinigen und versorgen, damit möglichst wenig Keime in die Wunde gelangen und die Gefahr schwerer septischer Verläufe reduziert wird", ist das Fazit des Bremer Chefarzts Langenbeck. Bei Tierbissen sollten Menschen mit hohem Infektionsrisiko Antibiotika erhalten.

Neben Bissen und Schlecken können sich Menschen auch durch den Kontakt mit Kot bei ihrem Haustier infizieren. Vor allem Schwangere sollten beim Kontakt mit Katzen vorsichtig sein, da diese Toxoplasmose übertragen können.

Tipps für den Umgang mit Tieren
    Um sich bei seinem Tier nicht mit Krankheiten anzustecken, empfiehlt ein Experte vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, sich an folgende Regeln zu halten:
  • - Nicht im Gesicht ablecken lassen und Wunden vor dem Kontakt mit Tieren schützen.
  • - Tiere nicht im Bett schlafen und nicht am Tisch mitessen lassen.
  • - Beim Reinigen von Katzenklos oder Tierkäfigen Handschuhe tragen und möglichst vermeiden, den Staub einzuatmen. Verunreinigte Streu oder Späne kann man gegebenenfalls etwas befeuchten, damit sie weniger stauben.
  • - Die Hände beim Kontakt zu Tieren regelmäßig und nach dem Kontakt mit Reptilien jedes Mal gründlich waschen.
  • - Exotische Reptilien sollten nicht in Haushalten mit Säuglingen gehalten werden. Kinder im Vorschulalter, immunsupprimierte und alte Menschen sollten möglichst keinen Kontakt zu Reptilien haben.
- Biss- und Kratzwunden, die von Haustieren stammen und anschwellen oder sich entzünden, sollte ein Arzt untersuchen.

irb/dpa



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