Baden-Württemberg Schulen wegen Eichenprozessionsspinner geräumt

Vierzig verletzte Schüler, vier ohnmächtig: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben in Baden-Württemberg einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst.
Nest des Eichenprozessionsspinners: Die Brennhaare der Raupen sind giftig

Nest des Eichenprozessionsspinners: Die Brennhaare der Raupen sind giftig

Foto: Bodo Marks/ DPA

Sie sehen flauschig aus, doch ihre Brennhaare können gefährlich werden: Raupen des Eichenprozessionsspinners haben an zwei Schulen in Bretten bei Karlsruhe einen Polizeieinsatz ausgelöst, nachdem mehrere Kinder über Atemnot und Hautrötungen klagten. Vier Schüler sollen vorübergehend bewusstlos geworden sein, vermutlich weil sie vor Aufregung hyperventilierten. Auch Hubschrauber seien im Einsatz, berichten die "Brettener Nachrichten" .

Eichenprozessionsspinner breiten sich seit Jahren in ganz Deutschland aus und können für Baum und Mensch gefährlich werden. Denn die Raupen fressen nicht nur ganze Gehölze kahl, ihre Härchen enthalten auch Thaumetopoein - ein hartnäckiges Nesselgift, das auf Eiweiß basiert. Ähnlich wie bei Brennnesseln reagieren Menschen auf die toxischen Härchen, das Gift der Raupen wirkt jedoch deutlich stärker. Betroffene leiden meist unter einem juckenden, brennenden Hautausschlag oder schmerzhaftem Husten, wenn sie die Brennhaare einatmen.

Zwei Einsätze innerhalb weniger Tage

Im Extremfall kann ein Kontakt einen allergischen Schock auslösen. So eine heftige Reaktion ist jedoch sehr selten. Jede Raupe hat Hunderte Brennhaare, sie brechen leicht ab und können sich bis zu mehrere hundert Meter durch die Luft verbreiten. Außerdem bleibt das Nesselgift jahrelang erhalten. Die Eichenprozessionsspinner werden deshalb bundesweit bekämpft.

Etwa 40 Schüler wurden in Bretten durch die Raupen verletzt, 700 Schüler mussten die Gebäude verlassen. Schon am Freitag mussten die Schulen wegen der Raupen geräumt werden. Einige Teile des Schulhofs wurden abgesperrt.

Der Unterricht fällt an beiden Schulen vorerst aus. Wie lange ist unklar. Bevor die Schulen wieder öffnen können, müssen die Nester des Eichenprozessionsspinners professionell entfernt werden. Vermutlich sind die Brennhaare der Raupen durch Wind in die Gebäude getragen worden. Betroffene sollten ihre Kleidung waschen. Auf dem Schulgelände selbst wurden nur zwei Raupen entdeckt, aber keine Nester.

Die Raupen sind nachtaktiv und wandern dicht hintereinander her, ähnlich wie bei einer Prozession - daher auch der Name. Ab dem fünften Larvenstadium leben sie in größeren Nestern zusammen, sogenannten Gespinsten. In dieser Zeit bilden sie auch die gefährlichen Härchen.

Wie viele Eichenprozessionsspinner es in Deutschland gibt, ist unklar. Pflanzenschutz ist Ländersache, und eine Meldepflicht gibt es nicht. Bis 2012 trug das Julius-Kühn-Institut mühevoll alle bekannten Fälle aus den einzelnen Forstämtern zusammen. Mittlerweile gehen die Forscher jedoch davon aus, dass der Eichenprozessionsspinner in ganz Deutschland vorkommt.

koe
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