Studie zu Büroarbeit Lass uns endlich aufstehen

Sitzen, sitzen, sitzen: Im Alltag kommen viele Angestellte kaum vom Platz. Klar, das schadet der Gesundheit - längst bekannt. Also erhebt euch!
Stühle rücken: Wie lassen sich Büroarbeit und Bewegung in Einklang bringen?

Stühle rücken: Wie lassen sich Büroarbeit und Bewegung in Einklang bringen?

Foto: Corbis

Morgens den Rechner einschalten, dann den ganzen Tag davorhocken. Kurz einen Kaffee holen, mittags in die Kantine gehen - das war's meist schon mit Bewegung während der Arbeit.

Weil immer deutlicher wird, dass langes Sitzen ungesund ist, fordern Experten im "British Journal of Sports Medicine"  jetzt ein Umdenken bei Arbeitgebern: Sie sollten Büroangestellten ermöglichen, mindestens zwei Stunden ihrer täglichen Arbeitszeit nicht im Sitzen zu verbringen, sondern stehend oder gehend. Noch besser wären vier Stunden, schreibt das Team um John Buckey von der University of Chester in einer wissenschaftlichen Stellungnahme.

Dauersitzen begünstigt nicht nur Rückenschmerzen. Wer die meiste Zeit im Sitzen verbringt, hat ein höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes oder bestimmten Krebsformen zu erkranken und frühzeitig zu sterben - das zeigten verschiedene Studien, in denen Menschen über einen längeren Zeitraum begleitet wurden. (Zum Beispiel diese  und diese .) Kleinere Untersuchungen belegen, wie sich zum Beispiel der Zuckerstoffwechsel verändert, wenn jemand nicht stundenlang sitzt, sondern zwischendurch steht oder geht. (Etwa diese  und diese .)

Mindestens zwei, besser vier Stunden täglich im Büro stehen oder gehen: Wie soll das funktionieren?

Die Forscher empfehlen eindringlich höhenverstellbare Tische, an denen man im Wechsel stehend und sitzend arbeiten kann. Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) rät seit Jahren zu diesen Büromöbeln. Eine günstigere Alternative dazu kann ein Stehpult am Tisch sein.

Aber: "Den ganzen Tag nur zu stehen, ist auch nicht gut. Wichtig sind Wechsel", betonte Sascha Wischniewski in einen Interview mit SPIEGEL ONLINE. Das schreiben auch die britischen Wissenschaftler.

In Skandinavien, so heißt es im Fachartikel, hätten rund 90 Prozent der Büroangestellten einen höhenverstellbaren Tisch. Anders sieht es in Deutschland aus: In einer 2013 durchgeführten Umfrage  gaben 37 Prozent der befragten Unternehmen an, solche Tische seien in ihrem Betrieb nicht vorhanden. 31 Prozent sagten, es gebe sie selten, bei 32 Prozent wurden sie überwiegend eingesetzt.

Arbeitgeber sollten prüfen, mit welchen Maßnahmen sie Angestellten mehr Bewegung ermöglichen, fordern die Experten. Sie nennen folgende Ideen:

  • Pausen, in denen man steht oder sich bewegt
  • entsprechendes Büromobiliar, wie etwa höhenverstellbare Tische
  • technische Maßnahmen, etwa wiederkehrende Alarme, die darauf hinweisen, dass jetzt mal Aufstehen angesagt ist
  • das Verlegen von Konferenzräumen, Küchen und Toiletten auf andere Etagen als die Arbeitsplätze
  • Konferenzen im Stehen abhalten.

wbr

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