Möglicher Verzicht auf Chemotherapie Krankenkassen sollen Biomarker-Test bei Brustkrebs bezahlen

Brauche ich eine Chemotherapie oder nicht? Die Antwort auf diese Frage ist nicht immer eindeutig. Krankenkassen sollen in Zukunft die Kosten für einen Test übernehmen, der bei Brustkrebs im Frühstadium weiterhilft.

Röntgenbild zeigt das Gewebe einer Brust
photovideostock/ Getty Images

Röntgenbild zeigt das Gewebe einer Brust


Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium bekommen in Zukunft voraussichtlich die Kosten für einen Biomarker-Test von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Diese Entscheidung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag getroffen.

Der Test soll bei unklaren Fällen die Entscheidung erleichtern, ob eine Chemotherapie sinnvoll ist oder nicht. Er kommt in Deutschland schätzungsweise für 20.000 Frauen pro Jahr infrage. Zum Vergleich: Jährlich erkranken etwa 70.000 Frauen an einer frühen Form von Brustkrebs, bei der sich der Tumor noch auf einen bestimmten Bereich der Brust beschränkt und keine Metastasen gebildet hat.

Der Beschluss betrifft ausschließlich den Biomarker-Test Oncotype DX Breast Recurrence Score, der in einer Gewebeprobe die Aktivität von 21 Genen in Krebszellen untersucht und daraus das Risiko für eine Rückkehr des Tumors ableitet. Voraussetzung ist, dass der Tumor bestimmte Eigenschaften hat: Er muss empfindlich für Hormone wie Östrogen und Progesteron sein, darf aber keine Andockstellen für Wachstumsfaktoren aufweisen. Bei dieser Brustkrebsform lässt sich das Risiko für einen Rückfall oft besonders schwer abschätzen.

OP, Bestrahlung - und dann Chemo?

Bevor Patientinnen von der Entscheidung profitieren, muss der Beschluss allerdings noch vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft werden. Außerdem muss ein Ausschuss die Höhe der ärztlichen Vergütung festlegen. Das wird voraussichtlich einige Monate in Anspruch nehmen.

Leiden Frauen unter einer frühen Form von Brustkrebs, kann der Tumor häufig vollständig entfernt werden. Oft wird zusätzlich bestrahlt. Dennoch ist es möglich, dass Krebszellen unentdeckt im Körper bleiben und Jahre später erneut einen Tumor hervorrufen. Eine Chemotherapie kann diese Gefahr um etwa ein Drittel verringern, birgt aber das Risiko für erhebliche Nebenwirkungen.

In der Regel wird die Gefahr für einen Rückfall auf Basis verschiedener Kriterien bestimmt, darunter die Größe des Tumors, seine Wachstumsgeschwindigkeit sowie das Alter der Patientin. Nur, wenn sich daraus keine sichere Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie ableiten lasse, komme der Test infrage, schreibt der G-BA.

Der Oncotype DX Breast Recurrence Score Test ist in Deutschland seit 2009 erhältlich, die Kosten belaufen sich auf rund 3000 Euro pro Stück. In anderen Ländern wie Spanien, Großbritannien und Frankreich werden die Kosten schon seit Längerem erstattet.

irb/dpa



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