Brustkrebs im Frühstadium Kassen zahlen ab sofort für Biomarker-Test

Chemotherapie nach einer Brustkrebs-OP - Ja oder Nein? Bisher mussten Patientinnen den Biomarker-Test, der diese Entscheidung erleichtert, selbst zahlen. Nun ist er eine Kassenleistung.

Arzt schaut auf Röntgenbilder einer Brust (Symbolbild)
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Arzt schaut auf Röntgenbilder einer Brust (Symbolbild)


Frauen mit einer bestimmten Form von Brustkrebs im Frühstadium bekommen künftig einen Biomarker-Test von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von Juni dazu trat am Freitag in Kraft, wie das Entscheidungsgremium von Ärzten, Kassen und Kliniken in Berlin mitteilte.

Der Test kann bei der Entscheidung helfen, ob eine Chemotherapie nach einer Operation sinnvoll ist oder nicht. Der Biomarker-Test Oncotype DX Breast Recurrence Score untersucht die Aktivität verschiedener Gene in Krebszellen und leitet daraus das Risiko für eine Rückkehr des Tumors ab.

Voraussetzung ist, dass der Tumor bestimmte Eigenschaften hat: Er muss empfindlich für Hormone wie Östrogen und Progesteron sein, darf aber keine Andockstellen für Wachstumsfaktoren aufweisen.

Der Test kommt in Deutschland schätzungsweise für 20.000 Frauen pro Jahr infrage. Zum Vergleich: Jährlich erkranken etwa 70.000 Frauen an einer frühen Form von Brustkrebs, bei der sich der Tumor noch auf einen bestimmten Bereich der Brust beschränkt und keine Metastasen gebildet hat.

Bei frühem Brustkrebs kann ein Tumor oft durch eine Operation vollständig entfernt werden, häufig folgt zusätzlich eine Strahlentherapie. Dennoch ist es möglich, dass Krebszellen unentdeckt im Körper bleiben und Jahre später erneut einen Tumor hervorrufen. Eine Chemotherapie kann diese Gefahr um etwa ein Drittel verringern, birgt aber das Risiko für erhebliche Nebenwirkungen.

In der Regel wird die Gefahr für einen Rückfall auf Basis verschiedener Kriterien bestimmt, darunter die Größe des Tumors, seine Wachstumsgeschwindigkeit sowie das Alter der Patientin. Nur, wenn sich daraus keine sichere Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie ableiten lasse, komme der Test infrage, schreibt der G-BA.

Der Oncotype DX Breast Recurrence Score Test ist in Deutschland seit 2009 erhältlich. Die Kosten, die bisher privat getragen werden mussten, belaufen sich auf rund 3000 Euro pro Stück.

kry/dpa

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sarapo29 23.08.2019
1. Überfällige Entscheidung
Kassen welche- aus mir weiterhin völlig unerfindlichen - Gründen das Geld ihrer Versicherten eben leider auch weiterhin für "Zuckerperlen mit einem Hauch von gar nichts - klares Wasser- betreufelt" (sogenannte Homöopathie) ausgeben sollten sich schämen medizinisch / wissenschaftlich notwendige Dinge so lange nicht zu unterstützen- Was wird da eigentlich noch alles verweigert? Spannende Frage Spon...
bloßmolwassage 23.08.2019
2. Vergangenen Oktober
ist eine unserer besten Freundinnen mit 49 an Brustkrebs gestorben. War so eine starke, positive Frau. Noch vor zwei Jahren dachten alle, ihre Krankheit wäre besiegt.
bloßmolwassage 23.08.2019
3. Vor nahezu 20 Jahren
Zitat von sarapo29Kassen welche- aus mir weiterhin völlig unerfindlichen - Gründen das Geld ihrer Versicherten eben leider auch weiterhin für "Zuckerperlen mit einem Hauch von gar nichts - klares Wasser- betreufelt" (sogenannte Homöopathie) ausgeben sollten sich schämen medizinisch / wissenschaftlich notwendige Dinge so lange nicht zu unterstützen- Was wird da eigentlich noch alles verweigert? Spannende Frage Spon...
hatte ich schwere und schmerzhafte, vermutlich durch einen Zeckenbiss verursachte Probleme an beiden Schienbeinen. Die Haut löste sich ab, neu entstehende Haut wurde abgestoßen. Eine aufgesuchte Hautärztin verschrieb mir eine Cortison-Behandlung. Als auch nach mehreren Wochen keine Besserung in Sicht war, hatte ich einen Termin bei meiner anthroposophischen Hausärztin. Die empfahl mir, die Cortison-Behandlung abzusetzen, stattdessen wechselweise Quark und Honig aufzutragen. Die Hautärztin belustigte sich-auch durch einen Brief an meine Hautärztin über diese Therapie. War mir egal, ich schmierte wechselweise Quark und Honig auf meine Beine. Schon nach wenigen Tagen nahmen die Schmerzen ab, einige Wochen später hatte ich wieder gesunde Beine.
pejede 24.08.2019
4. Richtig einordnen
Wenn man sich vor Augen führt, dass ein Frauenarzt für die Betreuung einer Brustkrebspatientin, für die Diagnosenstellung, die Planung der weiteren Diagnostik und Therapie, umfangreiche Gespräche und die Nachbehandlung nach einer erfolgten Operation, nicht etwa 250 sondern etwas über 25 Euro bekommt, und das nicht etwa für eine Konsultation sondern pauschal für jeweils drei Monate und der erwähnte Gentest allein mehr als 3.000 Euro kostet, kann man diese Meldung vielleicht ein wenig besser einordnen: Als Jubelmeldung der pharmazeutischen Industrie über einen erneuten erfolgreichen Coup, sich wieder ein ordentliches Stück vom großen Kuchen der Kassenbeiträge gesichert zu haben.
gegen Hass 24.08.2019
5. Wenn das Leben so einfach wäre....
Falsch! Der erwähnte Biomarker-Test erleichtert den erkrankten Frauen keineswegs die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie. Jetzt ist zu der ursprünglichen Frage "Chemotherapie Ja oder Nein" eine zweite Frage hinzugekommen: "Soll ich mich nach den Testresultaten richten? Ja oder Nein?" Die Studien, die sich mit dieser Thematik beschäftigt haben, sagen lediglich etwas über eine Gruppe von Frauen mit ähnlichen Basisdaten aus. Sie sagen Null/Nada/Nichts über das Schicksal der Frau aus, die den Test anwenden will. Unabhängig davon, wie sie sich entscheidet - es kann sich in der Rückschau möglicherweise als falsch erweisen. Der Test sagt etwas über Wahrscheinlichkeiten aus und nichts über den Weg zur Heilung. Wahrscheinlichkeit Ausrufszeichen! Daher ist der Nutzen des Bio-Marker-Tests gleich Null und erschwert die Entscheiung für oder gegen Chemotherapie ungemein. Er stellt somit für die Versichertengemeinschaft eine sinnlose Geldverschwendung dar. Geld, das an anderer Stelle des Systems fehlt. Diese erwähnten Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass die Kosten des Biomarker-Tests in der Vergangenheit viele Jahre lang nicht von den Krankenkassen übernommen wurden. Die Experten sagten hinter vorgehaltener Hand "Wenn eine Frau ihr Geld für diesen Unsinn ausgeben will, dann kann sie das ja tun! Aber warum sollten die anderen Versicherten dafür aufkommen?" Wie ist die Situation heute konkret? Wenn sich eine Frau nach dem Testresultet richtet, dann kann sich ihr weiterer Krankheitsverlauf, wie vom Test nahegelegt, entwickeln - oder auch nicht. Wenn der Test eine hohes Metastasierungsrisiko errechnet und daher eine Chemotherapie nahelegt, dann kann diese Behandlung zur Heilung oder aber zum Tod der Patientin beitragen. Zellgifte erzeugen nämlich selbst Krebs und wenn sie dies im Einzelfall nicht tun, dann können sie auch bei dem zu behandelnden Tumor einfach unwirksam sein und die betreffende Frau stirbt an ihrem Brustkrebs. Oder der Test bescheinigt der Frau ein niedriges Metastasierungsrisiko und legt ihr somit den Verzicht auf eine Chemotherapie nahe. Jetzt hat die Frau zwei Möglichkeiten. Sie verzichtet auf die Chemotherapie und es bilden sich -wenn sie Pech hat - trotz des Testresultats Metastasen aus, an denen sie stirbt, oder sie ignoriert nun doch die Entscheidungshilfe, und läßt die Chemotherapie widerwillig durchführen - mit der Chance - wenn sie Pech hat -trotz der Chemotherapie Metastasen zu bekommen. Fazit: kein Arzt, kein Test und keine Erkrankte kann wissen, was die Zukunft bereit hält. Daher kompliziert der Biomarker-Test das Leben der Erkrankten. Gläubige Christen erinnern sich an ein Bibelzitat: "Die Würfel können wir werfen, aber wie sie fallen bestimmt der Herr" (Atheisten würden vermutlich vom "Schicksal" oder der Genetik sprechen).
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