Bundesverwaltungsgericht Schmerzpatient darf privat Cannabis anbauen

Wem keine andere Therapie zur Verfügung steht, der darf Cannabis zu medizinischen Zwecken anbauen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden.
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Das Bundesverwaltungsgericht hat erstmalig einem schwer kranken Mann den Cannabisanbau zu Hause erlaubt. Wenn keine andere Therapiemöglichkeit zur Verfügung stünde, müsse einem Patienten so der Zugang zu Cannabis ermöglicht werden, entschieden die Bundesrichter am Mittwoch in Leipzig.

Der Mann leidet seit mehr als 30 Jahren an Multipler Sklerose (MS). Er ist bereits vor Jahren vor Gericht gezogen: Ein Kölner Gericht hatte bereits 2014 entschieden, dass Schwerkranke die Droge selbst anbauen dürfen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt. Der Grund: Cannabis aus dem Eigenanbau sei qualitativ schlechter als das aus der Apotheke. Wie viel vom Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) in einem Joint steckt und wie viel im nächsten, sei nicht kontrollierbar.

Die bisherige Rechtslage ist so: Einige Hundert Menschen in Deutschland haben vom BfArM die Erlaubnis, Cannabis aus der Apotheke zur "medizinisch betreuten Selbsttherapie" zu verwenden. Allerdings müssen die Kranken das teure Gras (ein Gramm kostet laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände 15 bis 18 Euro) selbst bezahlen, was längst nicht alle können. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten bislang nicht.

Aus diesem Grund wollen einige die Pflanzen selbst anbauen, so auch der MS-Patient. In Deutschland ist das aber bislang strafbar, deshalb kämpfte der 52-Jährige aus Mannheim vehement für eine Ausnahmegenehmigung. Am Mittwoch hatte seine Klage in dritter und letzter Instanz Erfolg. Seit 1985 ist der Patient an MS erkrankt und lindert die Symptome seiner Krankheit mit Cannabis. Die Pflanzen baut er zu Hause an.

Cannabis kommt bei schweren Krankheiten wie Multipler Sklerose, Krebs oder dem Tourette-Syndrom zum Einsatz. Tatsächlich ist aber noch nicht viel bekannt über den Nutzen der Substanz als Arznei, wie eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt. Darin hatte ein internationales Forscherteam die Ergebnisse von 79 Untersuchungen mit insgesamt knapp 6500 Teilnehmern zusammengefasst.

Bei den bekanntesten Anwendungen von Cannabis, etwa der Linderung von chronischen Schmerzen oder von Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie, gab es demnach Hinweise auf eine positive Wirkung. Bei vielen anderen Krankheiten ist die Wirkung jedoch kaum untersucht, wie die folgende Auflistung zeigt:

Subjektiv empfinden einige Betroffene Cannabis aber durchaus als wirksam, etwa bei der Linderung von Symptomen des Tourette-Syndroms. Allerdings hat die Substanz Nebenwirkungen, die bei der Entscheidung, ob es zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden soll, bedacht werden müssen. Dazu zählen etwa die sehr geringe Gefahr einer Psychose, ein trockener Mund, Müdigkeit, Übelkeit und Schwindel, schreiben Forscher in der Fachzeitschrift "Jama". 

hei/dpa
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