Hanf auf Rezept Krankenkassen bewilligen Mehrzahl der Cannabis-Therapien

Chronische Schmerzen, Krebs oder Aids: Ärzte dürfen schwerkranken Patienten in Deutschland Cannabis verschreiben. Krankenkassen übernehmen die Kosten mittlerweile viel häufiger als gedacht.
Medizinisches Cannabis

Medizinisches Cannabis

Foto: Eric Gay/ AP

Die gesetzlichen Krankenkassen genehmigen offenbar deutlich mehr Anträge für eine Cannabis-Therapie als zunächst angenommen. Bei der Barmer und der AOK gingen seit der Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke knapp 8300 Anträge auf Kostenübernahme ein, wie die "Berliner Zeitung"  und die "Zeit"  unter Berufung auf Zahlen der Kassen berichten.

Davon seien etwa zwei Drittel angenommen worden. Der Rest wurde abgelehnt. Die Ablehnungsrate ist damit geringer als erste Zahlen vermuten ließen. Noch im Sommer hieß es, bis zu zwei Drittel der Anträge seien abgelehnt worden.

Im vergangenen März wurde schwerkranken Patienten der Zugang zu Cannabis erleichtert. Cannabis kann seitdem vom Arzt verordnet werden - zu Lasten der Krankenversicherung. Die Kassen müssen dem aber zustimmen. Voraussetzung ist laut Gesetz, dass alle üblichen Therapien versagt haben. Vor der ´Änderung waren die gesetzlichen Kassen nur in Einzelfällen für die teure Therapie aufgekommen.

Cannabis wird unter anderem gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und Aidspatienten sowie bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind chronische Schmerzen, ein Glaukom, ADHS und das Tourettesyndrom. Der medizinische Nutzen ist allerdings nur selten mit großen Studien belegt. 2015 hatte ein internationales Forscherteam 28 Datenbanken auf der Suche nach Studien durchforstet, die sich mit der Wirkung von Cannabis als Medikament auseinandergesetzt hatten.

"Medizinischer Cannabis ist aus der Versorgung schwerkranker Menschen heute nicht mehr wegzudenken. Es ist aber kein Allheilmittel", sagte Barmer-Chef Christoph Straub. Einer der Hauptgründe für die Ablehnung der Anträge ist laut Barmer der fehlende Nachweis, dass Behandlungsalternativen erfolglos probiert wurden oder nicht infrage kommen.

Bundesregierung schließt Legalisierung aus

Die Freigabe von Cannabis wird jedoch auch weiterhin auf den medizinischen Bereich beschränkt bleiben. Die Bundesregierung lehnt eine Legalisierung von Cannabis entschieden ab. Die Gesundheitsgefahren durch Cannabis-Missbrauch gerade bei Jugendlichen und Heranwachsenden seien medizinisch erwiesen, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Eine kürzlich veröffentlichte Studie habe die Risiken des Cannabis-Konsums zu Rauschzwecken erneut bestätigt, so die Regierung. Das Cannabis-Verbot diene dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung.

Nach Angaben der Bundesregierung haben bislang zwei Kommunen Modellprojekte zur kontrollierten Abgabe von Cannabis als Genussmittel beantragt: der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und die Stadt Münster. Beide Anträge seien abgelehnt worden. Die Modellprojekte trügen weder zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung bei, noch könnten sie den Missbrauch von Betäubungsmitteln sowie Drogenabhängigkeiten verhindern.

Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, konsumieren schätzungsweise rund 1,2 Millionen Bürger im Alter zwischen 18 und 64 Jahren Cannabis mindestens zehn Mal im Jahr.

koe/AFP/dpa