Schmerzpatienten Cannabis auf Rezept nur schwer erhältlich

Das Gesetz ist noch neu, aber die Probleme schon da: Wer Cannabis auf Rezept haben möchte, findet oft nur schwer einen Arzt, der es verschreibt. Auch die Krankenkassen verweigern Genehmigungen.

Das Gesetz zur Verordnung von Cannabis-Präparaten für schwer kranke Patienten stößt bei Betroffenen und Experten auf Kritik. Der Arzt und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, Franjo Grotenhermen, sagte, das im März in Kraft getretene Gesetz habe für viele Patienten bislang nicht zu einer Verbesserung geführt. Die Gründe: Sie müssten zunächst einmal einen Kassenarzt finden, der ihnen überhaupt etwas verschreibe. Dann müsse die erste Verordnung für jeden Patienten von den Kassen genehmigt werden, was oft verweigert werde.

Ärzten drohe zudem wegen der hohen Kosten für Cannabis ein Regress wegen Überschreitung ihres Budgets, erklärte Grotenhermen, der eine Praxis in Rüthen (Nordrhein-Westfalen) hat. Insgesamt sei der Verwaltungsaufwand für die Mediziner mit Cannabis-Patienten groß, sagte er: "Da muss die Politik nachbessern."

Seit dem 10. März können Ärzte Cannabis-Präparate verschreiben, wenn alle übrigen Behandlungswege ausgeschöpft sind. Bislang brauchten Patienten dafür eine Sondergenehmigung, die das zuständige Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nur etwa 1000 Mal vergab.

Sondergenehmigung für Eigenanbau bald futsch?

Im Besitz einer solchen Genehmigung ist auch Frank-Josef Ackerman aus Rodgau. Er leidet unter schwerer Arthrose und Gelenkschmerzen, kein zugelassenes Medikament konnte ihm helfen. Doch mit dem Cannabis-Konsum sei das Leben erträglicher geworden, er raucht sieben bis acht Mal pro Tag.

Nach einem gerichtlichem Streit darf Ackerman auch Cannabis zu Hause anpflanzen. Damit ist er einer der wenigen in Deutschland mit einer zusätzlichen Eigenanbaugenehmigung. Aber er fürchtet, dass ihm die befristete Erlaubnis nicht verlängert wird, weil es nun Cannabis in der Apotheke gibt. Doch Ackerman ist mit der Qualität des staatlichen Cannabis nicht glücklich: "Auf das Cannabis aus der Apotheke umzusteigen, wäre eine schlechte Wahl."

Die neue Cannabisagentur des Bundes will ab 2019 Marihuana in Deutschland anbauen lassen, die Mengen sollen gemäß der Ausschreibung jährlich steigen. 2021 und 2022 sollen demnach im staatlichen Auftrag je 2000 Kilogramm Cannabis in Deutschland geerntet werden. Bei einem durchschnittlichen Tagesbedarf von einem Gramm wäre das rechnerisch die Jahresmenge für fast 5500 Patienten.

Wie wirksam Cannabis jeweils sein kann, ist vielfach nicht klar. Die Studienlage zu den Anwendungsgebieten ist uneinheitlich und oft dünn. Untersuchungen beruhen häufig auf kleinen Gruppen von Patienten.

Bei chronischen Schmerzen, etwa bei Rückenschmerzen oder Rheuma, dürfen Ärzte nun testen, ob es den Menschen mit Cannabis besser geht. Als gesichert gilt, dass Cannabisblüten bei Spastiken helfen, die bei Multipler Sklerose und bei Nervenverletzungen auftreten. Cannabis soll darüber hinaus Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien unterdrücken und den Appetit bei Aids anregen. Bei Epilepsie, Alzheimer, Juckreiz und Depressionen sind die Erkenntnisse über die Wirksamkeit bisher eher gering. Manche Patienten bekommen auch Nebenwirkungen wie Schwindel, Verwirrtheit und Müdigkeit zu spüren.

hei/dpa
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