Britische Studie Konsum von starkem Cannabis kann Risiko für Psychose erhöhen

Menschen, die gelegentlich Cannabis konsumieren, haben laut einer britischen Studie kein erhöhtes Risiko, eine Psychose zu entwickeln. Anders sieht es jedoch bei regelmäßigem Konsum besonders THC-reicher Varianten aus.
Coffeeshop in Amsterdam: Cannabis ist in einigen Ländern legal

Coffeeshop in Amsterdam: Cannabis ist in einigen Ländern legal

Foto: TOUSSAINT KLUITERS/ REUTERS

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland - allein in der in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen haben knapp acht Prozent bereits Cannabis konsumiert, 1,3 Prozent davon regelmäßig.

Gleichzeitig kann die Droge für schwerkranke Schmerzpatienten ein Segen sein, so dass sogar die Drogenbeauftragte fordert, ihnen den Zugang zu Cannabis zu erleichtern.

Allerdings kann der Konsum Gefahren bergen. Im Medizinjournal "The Lancet Psychiatry"  berichten Londoner Forscher jetzt von einem Zusammenhang zwischen regelmäßigem Konsum von sogenanntem Skunk-ähnlichem, stark THC-haltigem Cannabis und einem höheren Risiko für Psychosen. Aber: Wer Haschisch konsumierte, das in der Regel THC-ärmer ist, hatte laut der Studie - selbst bei täglichem Rauchen - kein erhöhtes Psychose-Risiko.

Zwischen 2005 und 2011 befragten die Wissenschaftler rund 410 Patienten, die erstmals wegen einer Psychose behandelt wurden, sowie 370 nicht an Psychosen leidende Menschen, die ebenfalls im Süden Londons lebten, wo insgesamt sehr viel Cannabis konsumiert wird. Viele Faktoren - darunter Alter, Geschlecht und Alkoholkonsum - wurden bei der Auswertung berücksichtigt.

Zwei Drittel hatten schon einmal gekifft

63 Prozent der Befragten in der Kontrollgruppe gaben an, schon mindestens einmal gekifft zu haben, in der Gruppe der Psychiatrie-Patienten waren es 67 Prozent. Unter den Patienten konsumierte ein größerer Anteil täglich Cannabis und griff dabei meist zu Skunk-ähnlichen Varianten. Die Forscher verstehen darunter  Marihuana mit einem hohen Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC zwischen 12 und 19 Prozent) und einer niedrigen Konzentration an Cannabidiol (unter 1,5 Prozent). Die Patienten hatten zudem im Schnitt etwas früher zum ersten Mal gekifft als die Kontrollpersonen - nämlich mit 15 oder in noch jüngerem Jahren.

Das Risiko, eine Psychose zu entwickeln, war demnach bei Skunk-Konsumenten im Vergleich zu Nicht-Konsumenten wie folgt erhöht:

  • Bei gelegentlichem Kiffen (seltener als einmal pro Woche) nahezu verdoppelt,
  • bei regelmäßigem Konsum an den Wochenenden fast verdreifacht,
  • bei täglichem Konsum mehr als verfünffacht.

Anders formuliert: Setze man voraus, dass Skunk-Konsum tatsächlich für Psychosen verantwortlich sei, würden rund 24 Prozent der Fälle dieser psychischen Erkrankungen in Südlondon durch die Droge verursacht, schreiben die Forscher. In Gegenden, wo weniger Menschen kiffen, wäre der Anteil der auf die Droge zurückzuführenden Psychosen natürlich geringer. Tatsächlich sei die Psychose-Rate in Südlondon sehr hoch.

Beweist die Untersuchung, dass Cannabis Psychosen auslöst?

Mit dieser Form von Studie ist es nicht möglich, einen ursächlichen Zusammenhang von Kiffen und Psychosen zu belegen. Das räumen auch die Studienautoren ein. 2013 etwa war eine Studie in die Kritik geraten, die belegten wollte, dass jahrelanger Cannabis-Konsum den IQ sinken lässt: Die Forscher hatten bei ihrer Analyse einen wichtigen Faktor nicht hinreichend berücksichtigt: den sozioökonomischen Status, der sich ebenfalls auf den IQ auswirken kann.

In der aktuellen Untersuchung führen die Londoner Wissenschaftler weitere Studien an, in denen ebenfalls ein Zusammenhang von Kiffen und Psychosen beobachtet wurde. Experimente hätten zudem gezeigt, dass injiziertes THC bei gesunden Freiwilligen psychotische Symptome hervorrufen kann. Gleichzeitig gebe es Hinweise, dass Cannabidiol diese THC-Effekte abmildere. Das spricht dafür, dass Cannabis mit hohem THC- und niedrigem Cannabidiol-Gehalt in dieser Hinsicht riskanter ist.

Laut dem europäischen Drogenbericht 2014  ist der THC-Gehalt bei sichergestelltem Cannabis europaweit in den vergangenen Jahren gestiegen. Im deutschen Reitox-Report   werden THC-Konzentrationen von im Schnitt 12 Prozent bei Marihuana-Blütenständen, zwei Prozent bei Cannabiskraut sowie gut neun Prozent bei Haschisch genannt.

wbr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.