Schwerkranke Patienten Endlich Cannabis auf Kosten der Kassen

Krankenkassen sollen künftig die Kosten für Cannabis-Therapien von Schwerkranken übernehmen, fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Das wird auch Zeit.
Cannabis: "Die Politik muss schnell Klarheit schaffen", sagt Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Cannabis: "Die Politik muss schnell Klarheit schaffen", sagt Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Foto: CHRIS HONDROS/ AFP

Die Bundesregierung will schwerkranken Schmerzpatienten den Zugang zu Cannabis im kommenden Jahr erleichtern. Das hat Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, in einem Interview in der "Welt"  angekündigt. "Mein Ziel ist, dass in Zukunft mehr Menschen als bisher Cannabis als Medizin bekommen können", sagte die CSU-Politikerin.

"Endlich!", kann man da nur rufen, dieser Vorstoß ist längst überfällig. Denn die derzeitige Rechtslage ist mehr als widersprüchlich: Zwar hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) derzeit 358 Menschen in Deutschland die Erlaubnis erteilt, Cannabis aus der Apotheke zur "medizinisch betreuten Selbsttherapie" zu verwenden. Allerdings müssen die Kranken das teure Gras (ein Gramm kostet laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände 15 bis 18 Euro) selbst bezahlen, was längst nicht alle können. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten bislang nicht.

Bauen die Patienten die Pflanzen aus Kostengründen selbst an, geraten sie unter Umständen in polizeiliche Ermittlungsverfahren, weil dies in Deutschland strafbar ist. Ein Kölner Gericht hat daher vergangenes Jahr entschieden, dass Schwerkranke die Droge selbst anbauen dürfen.

Gegen dieses Urteil hat das BfArM Berufung eingelegt . Die nachvollziehbare Begründung: Cannabis aus dem Eigenanbau sei qualitativ schlechter als das aus der Apotheke: Wie viel vom Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) in einem Joint steckt und wie viel im nächsten, sei nicht kontrollierbar.

Mehr Lebensqualität ist unbezahlbar

"Die Politik muss hier schnell Klarheit schaffen", sagt Mortler und fordert: "Für diese Patienten müssen die Kosten von den Krankenkassen erstattet werden." Damit hat sie Recht: Alle Menschen in Deutschland - egal wie krank oder gesund, wie reich oder arm - sollten den gleichen Zugang zu qualitativ geprüften Arzneien haben. Und es muss Rechtssicherheit für sie geben.

Sicher: Die Erkenntnis, dass Kiffen bei Schwerkranken Schmerzen lindert, den Appetit anregt und Krämpfe löst, beruht auch auf Einzelberichten von Betroffenen. Die Studienlage dazu ist dünn, ein wissenschaftlicher Beweis für die positiven Effekte steht ebenso aus wie Langzeitstudien. Aber: Die Krankenkassen zahlen etwa bei Patienten mit Tourettesyndrom auch Medikamente, die in Deutschland nicht zugelassen sind, berichtet die Neurologin Kirsten Müller-Vahl. Die Kosten für das gleich teure Cannabis, das Patienten als lindernd beschreiben, übernehmen sie hingegen nicht.

Schwerkranke mit starken Schmerzen brauchen besonderen Schutz und Unterstützung. Uns als Gesellschaft kostet ihre Cannabis-Therapie nicht viel. Für die Kranken aber bedeutet sie unter Umständen mehr Lebensqualität. Und die ist unbezahlbar.

MEDIZINISCHES CANNABIS - FRAGEN AN DIE EXPERTIN

Wie erhält man medizinisches Cannabis?Bei welchen Beschwerden hilft Cannabis wirklich?Wie sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen?

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.