Schönheits-OPs Patientin muss sich an Kosten für kaputtes Brustimplantat beteiligen

Müssen sich Versicherte an OP-Kosten beteiligen, wenn sie die Folge eines Schönheitseingriffs sind? Ja, urteilten nun Richter in Niedersachsen. Das Solidarprinzip der Krankenversicherung sei nicht grenzenlos.

Getty Images

Eine Patientin mit gerissenem Brustimplantat muss sich an den Kosten der notwendigen Nachbehandlung beteiligen. Das hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen im Fall einer 46-Jährigen entschieden (AZ: L 16 KR 324/18).

Sie hatte die schönheitschirurgische Operation als Privatbehandlung durchführen lassen. Sechs Jahre nach dem Eingriff war es nach Rissen an einem Implantat zu einer Brustentzündung gekommen. Die Frau ließ daraufhin ihre Implantate durch neue ersetzen, die sie ebenfalls privat bezahlte.

Kosten für die Entnahme: 6400 Euro

Die Kosten für die Entnahme der alten Implantate in Höhe von 6400 Euro trug zunächst die Krankenkasse. Diese forderte aber von der Frau 1300 Euro, weil das Gesetz eine Kostenbeteiligung bei Folgeerkrankungen nach ästhetischen Operationen zwingend vorsehe.

Das hielt die 46-Jährige für verfassungswidrig. Sie argumentierte, die Krankenkassen übernähmen auch die Behandlungskosten bei Sport-, Freizeit-, oder Sexunfällen. Zudem wachse der gesellschaftliche Druck, sich hübsch, sexy und begehrenswert zu präsentieren. Abweichungen würden als Makel und psychische Beeinträchtigung empfunden.

Die Richter folgten der Argumentation nicht. Das Solidarprinzip der Krankenversicherung sei nicht grenzenlos, erklärte ein Sprecher zu dem am Montag veröffentlichten Urteil. Die Krankheitsursache habe in willkürlichen Veränderungen des eigenen Körpers gelegen.

Der Gesetzgeber habe entsprechende Ausnahmen bei ästhetischen Operationen, Tätowierungen und Piercings geregelt. Entscheidend sei allein, dass die Behandlung medizinisch nicht erforderlich sei. Dies sei verfassungsrechtlich zulässig, um die Solidargemeinschaft vor unsolidarischem Verhalten Einzelner zu schützen. Notwendige Operationen, etwa nach Krebserkrankungen, seien davon nicht betroffen.

Im Jahr 2010 gab es einen Medizinskandal um mangelhafte Brustimplantate: Der französische Hersteller Poly Implant Prothèse (PIP) hatte jahrelang ein nicht zugelassenes Silikongel für Brustimplantate verwendet. Schätzungen zufolge könnten die reißanfälligen Silikonkissen weltweit bei Hunderttausenden Frauen eingesetzt worden sein.

koe/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.