Cellulite-Behandlung Druckwelle gegen Dellen

Bis zu 90 Prozent aller Frauen über 20 Jahre haben Cellulite. Viel Geld fließt in zweifelhafte Behandlungen. Jetzt macht eine neue Therapie etwas Hoffnung: Mediziner setzen die Orangenhaut unter Druck.
Vermeintliches Makel der Haut: Cellulite zeigt sich meist an den Oberschenkeln

Vermeintliches Makel der Haut: Cellulite zeigt sich meist an den Oberschenkeln

Foto: Corbis

Ob jung oder alt, ob schlank oder rundlich: Cellulite an Po und Oberschenkeln ist ein Problem, das viele Frauen trifft. Studien zufolge haben 80 bis 90 Prozent aller Frauen über 20 Jahren Anzeichen für Dellen in der Haut. Manche stören sie so sehr, dass sie bereit sind, viel Geld in die Behandlung zu investieren.

Die Therapien reichen von der Kältekammer über Wickel aus Frischhaltefolien (siehe Kasten unten). Alle enttäuschten bisher jedoch in wissenschaftlichen Studien. Bis auf eine Ausnahme, die zwar noch lange nicht der Durchbruch ist, aber zumindest etwas Hoffnung macht: In einer Studie , die an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) durchgeführt wurde, konnte eine fokussierte Stoßwellentherapie in Kombination mit einem speziellen Krafttraining für den Po und die Oberschenkel die Cellulitedellen abschwächen.

Notwendig waren sechs 20-minütige Behandlungen im wöchentlichen Abstand und tägliches Training. Insgesamt nahmen an der Studie 53 Frauen teil, alle um die 40 Jahre, die nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt wurden.

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Übungen gegen die Dellen: Krafttraining für den Po

Foto: Corbis

Eine der beiden Gruppen behandelten die Forscher mit der fokussierten Stoßwellentherapie. Zudem absolvierten die Frauen täglich das sogenannte gluteale Krafttraining (siehe Fotostrecke oben): Dieses beansprucht den Gesäßmuskel Musculus gluteus, der beidseitig über den Po und an den Oberschenkel verläuft. Die Kontrollgruppe hingegen erhielt nur eine "Schein-Stoßwellentherapie" in sehr geringer Dosis. Die Probandinnen absolvierten aber ebenfalls das gluteale Krafttraining. Um den Erfolg der Therapien zu analysieren, fotografierten die Forscher vor der Behandlung und drei Monate nach deren Ende die Haut der Frauen und ließen die Cellulite von unabhängigen Experten bewerten.

Effekt für zwölf Monate, danach unsicher

"Das gluteale Krafttraining allein führte nicht zu einer von außen sichtbaren Veränderung der Hautstruktur", sagt der Sportmediziner und plastische Chirurgen Karsten Knobloch, der die Studie geleitet hat. In der Interventionsgruppe mit Stoßwellentherapie habe sich dagegen die Cellulite im Durchschnitt um 30 Prozent verbessert. Wobei es Fälle sowohl unter als auch über diesem Durchschnittswert gab.

Frau mit Cellulite: Fettzellen drücken sich in die obere Hautschicht

Frau mit Cellulite: Fettzellen drücken sich in die obere Hautschicht

Foto: SPIEGEL ONLINE

Seit der Studie sind zwei Jahre vergangen, mittlerweile hat Knobloch etwa 250 Frauen mit der Kombination aus Stoßwellen und Krafttraining behandelt. "Derzeit scheint der positive Effekt der Stoßwellentherapie für mindestens zwölf Monate anzuhalten", sagt Knobloch. "Was danach passiert, wissen wir nicht sicher. Bei Patientinnen, die sich nach einem Jahr erneut haben behandeln lassen, stellte sich eine weitere Besserung ein."

Bei der Behandlung mit Stoßwellen erzeugt ein Gerät kurze und kräftige fokussierte Druckwellen, die in das Gewebe eindringen - in diesem Fall in die Haut, in die sich bei Cellulite Fettzellen drücken. Wie genau die Therapie die Dellen abschwächt, ist allerdings unklar. Die Theorien reichen von einer aktivierten Lymphdrainage, also von einem besseren Flüssigkeitsaustausch unter der Haut, über das Zertrümmern und Verkleinern von Fettzellen bis hin zu aktivierten Stammzellen, die eine Regeneration des Unterhautfettgewebes bewirken.

Cellulite: Hightech-Beulentherapie

Knobloch hält es auch für möglich, dass nicht die Dellen als solche kleiner werden, sondern sich die Hautstruktur durch aktivierte Stammzellen verbessert. Eine beidseitige Stoßwellentherapie kostet rund 250 Euro, bei sechs Sitzungen wie in der Studie summieren sich die Kosten demnach auf insgesamt 1500 Euro. Eine beträchtliche Summe, angesichts der Tatsache, dass Cellulite nichts Krankhaftes ist. Wer dennoch stark darunter leidet, hat zwar nach relativ kurzer Behandlungszeit einen positiven Anti-Cellulite-Effekt - möglicherweise aber nur von begrenzter Dauer.

Inzwischen glaubt Knobloch, dass Joggen, Schwimmen und ähnliches dem glutealen Krafttraining überlegen sein dürften, wenn man dabei gezielt Fett verbrennt. Dafür rät er dazu, dreimal wöchentlich mindestens 45 Minuten lang die Ausdauer zu trainieren.

Während der ersten 20 bis 30 Minuten werden vor allem Kohlenhydrate verbrannt. Dann aber greift der Körper für die Energiegewinnung gezielt auch auf das Depotfett zurück, so dass es allmählich schwindet. Dieser Effekt beginnt jedoch etwa erst jenseits der 30. Belastungsminute. Daneben bauen Kraft- wie Ausdauertraining die Muskulatur in den Problemzonen auf. Je mehr Muskelmasse vorhanden ist, desto mehr "Brennöfen" stehen für den Fettstoffwechsel zur Verfügung. Wer also versuchen möchte, die Dellen ohne Hightech zu beseitigen, sollte es am besten mit Ausdauertraining probieren.

Drei praktische Tipps hat Knobloch zudem. Wer seiner Haut etwas Gutes tun möchte, sollte möglichst nicht rauchen, da das Nikotin die Hautdurchblutung verschlechtert. Weißen Zucker sollte man besser vom Speiseplan streichen, denn er verhindert indirekt die Fettverbrennung. Und Massagen mit dem Massagehandschuh oder einem Massageroller lockern das Gewebe, stimulieren die Hautdurchblutung und verbessern so den Lymphfluss. Außerdem: Kein Mensch ist ohne Makel - das wäre doch auch langweilig.

Cellulite: Klassische Beulentherapie

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