Karibik und Mittelamerika Experten warnen vor Chikungunya-Epidemie

Das Chikungunya-Fieber breitet sich in der Karibik und in Mittelamerika aus: Mehr als 5000 Menschen haben sich bisher mit dem Virus infiziert, 21 sind daran gestorben. Wer in die Karibik reist, sollte sich vor Mückenstichen schützen.

Verkäufer auf La Martinique: Informationsbroschüren sollen die Bevölkerung über die Chikungunya-Gefahr aufklären
AFP

Verkäufer auf La Martinique: Informationsbroschüren sollen die Bevölkerung über die Chikungunya-Gefahr aufklären


Bei Reisen in tropische Länder fürchten viele Menschen Mücken, die gefährliche Erreger übertragen können. Malaria und Dengue kennen die meisten, jetzt aber macht ein weiterer Erreger mit auffälligem Namen von sich reden: Chikungunya. Bei einem Besuch in der kubanischen Hauptstadt Havanna am Dienstag hat sich Margaret Chan, Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), besorgt über das Chikungunya-Fieber gezeigt, das derzeit in der Karibik und Mittelamerika grassiert.

"Die ganze Lage ist ernst", sagte die WHO-Generaldirektorin. Viele Länder der Region würden gerade Fälle melden. Nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (OPS) gibt es inzwischen 5037 bestätigte Fälle. Bisher sind demnach 21 Menschen in der Karibik an der Krankheit gestorben. Nach WHO-Angaben wurden die ersten Chikungunya-Erkrankungen im vergangenen Dezember auf dem amerikanischen Kontinent gemeldet.

Exotische Tropenkrankheiten

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Auch dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge könnte das Chikungunya-Virus in den kommenden Monaten und Jahren große Teile des amerikanischen Festlandes (von südostlichen Regionen der USA bis nach Sudamerika) erreichen, wo die Uberträgermucken vorkommen. Das könnte auch die Zahl von Touristen erhöhen, die sich mit dem Virus infizieren. Laut RKI werden zunehmend Chikungunya-Infektionen bei deutschen Karibik-Reiserückkehrern gemeldet: Von Januar bis Ende Mai gab es hierzulande 18 gemeldete Fälle von Chikungunya-Fieber.

Die in Asien und Afrika weit verbreitete Krankheit verursacht Muskel- und Gelenkschmerzen und kann bei geschwächten Patienten tödlich enden. Bisher gibt es weder wirksame Medikamente noch einen Impfstoff gegen das Fieber. Reisende in Endemie- und Ausbruchsgebiete können ihr Infektionsrisiko lediglich durch Mückenschutz verringern (siehe Kasten).

FERNREISEN: DIE WICHTIGSTEN IMPFUNGEN UND SCHUTZMAßNAHMEN
Grundsätzliches zum Impf- und Zeitplan
Vor einer Fernreise sollte man sich entweder beim Arzt oder einem tropenmedizinischen Institut beraten lassen. Hier wird festgelegt, was nötig ist: Je nach Impfung muss das einige Wochen bis Monate vor Reiseantritt geschehen, um einen vollständigen Impfschutz zu erreichen. Die Impfungen sollten spätestens zwei Wochen vor Reiseantritt erledigt sein.
Standardimpfungen (Tetanus/Diphterie/Polio/Keuchhusten)
Erwachsene haben durch Vorimpfungen oft eine Grundimmunität. Kurfristig ist sogar noch eine sogenannte Booster-Impfung möglich. Die Impfungen aus Kindertagen wirken allerdings nicht ewig. Deshalb sollte man diese grundsätzlich nach einer gewissen Zeit auffrischen. Auskünfte dazu erteilt der Arzt.
Hepatitis A/B
Typ A: Für den mehr als zehn Jahre wirkenden Impfschutz braucht man zwei Injektionen in einem Abstand von mehreren Monaten (mindestens sechs Monate, herstellerabhängig). Einen Grundschutz erreicht man aber circa zwei Wochen nach der ersten Dosis: Daraus ergibt sich der Vorlauf vor der Reise.

Typ B: Mindestens drei Injektionen: zweite Impfung einen Monat, dritte sechs Monate nach Erstinjektion. Grundschutz wird circa zwei Wochen nach Erstinjektion erreicht - Impfung muss folglich mindestens sechs Wochen vor Reiseantritt erfolgen.

Typhus
Eine Impfung gegen Typhus benötigt man lediglich in akuten Risikogebieten mit niedrigen Hygienestandards oder Krankheitswellen. Sie wirkt nur ein bis drei Jahre. Der Schutz wird nach sieben bis zehn Tagen nach Impfung erreicht. Risiken sollten auch danach gemieden werden, denn eine vollständige Immunisierung wird oft nicht erreicht.
Dengue
Klingt exotisch, ist es aber nicht: Dengue-Viren kommen inzwischen in den warmen Breiten aller Kontinente vor, mehr als hundert Länder sind betroffen. Das Dengue-Fieber ist eine Boomkrankheit mit ständig steigenden Fallzahlen (mehr als 50 Millionen Kranke im Jahr). Einen Impfschutz gibt es nicht: Vor Dengue schützt nur eine anständige Mückenprophylaxe.
Malaria
Weltweit erkranken etwa hundert Millionen Menschen jährlich an Malaria. Bei der Infektionskrankheit ist Mückenprophylaxe absolute Pflicht, nur so schützt man sich wirkungsvoll davor. Einen zugelassenen Impfstoff gibt es noch nicht, der Ansteckung kann man aber mit Hilfe einer medikamentösen Prophylaxe (auch: Chemoprophylaxe) mit verschiedenen Mitteln entgegenwirken. Dabei werden im Prinzip jene Medikamente, die man auch in der Therapie bei Erkrankung anwenden würde, vorab eingenommen. Bei kurzfristigen Reisen und geringerem Risiko wird mitunter geraten, ein Malariamittel als Übergangs- und Soforthilfe mitzuführen. Dieses kann jedoch Nebenwirkungen haben, weshalb Ärzte nur je nach Reiseziel und Person dazu raten: Geht die Reise in ein akut malariagefährdetes Land, sollte man in jedem Fall mit seinem Arzt sprechen.
Gelbfieber
Gelbfieber ist vor allem in Afrika verbreitet, aber auch in Süd- und Mittelamerika. Die Virenerkrankung wird durch Mücken übertragen und führt im schlimmsten Fall zum Tod (in bis zu 30 Prozent aller Fälle). In zahlreichen subtropischen und tropischen Ländern ist die Impfung Pflicht. In vielen weiteren Staaten ist sie eine Bedingung für die Einreise, um eine Einschleppung der Viren zu verhindern. Die Impfung muss mehr als zehn Tage vor Reiseantritt erfolgen und schützt dann für circa zehn Jahre. Vorgenommen werden darf sie allerdings nur von Tropenmedizinern und staatlich zugelassenen Impfstellen (relativ hohes Impfrisiko, deshalb Impfung nur im Pflicht- und akuten Gefährdungsfall): siehe www.frm-web.de
Cholera
Eine Impfung gegen Cholera ist bei Reisen in Gebiete mit akuten Ausbrüchen empfehlenswert, wenn das Risiko einer Exposition absehbar ist. Darunter finden sich immer wieder einmal Traumziele wie etwa Haiti oder die Dominikanische Republik. Schluckimpfung mit zwei Dosen im Abstand von einer bis sechs Wochen (herstellerabhängig), Impfschutz ab circa sieben Tagen nach der zweiten Dosis. Vorlauf vor der Reise: zwei bis acht Wochen.
HIV/Aids
Stellt in vielen armen Weltgegenden, in denen HIV-Medikamente kaum verbreitet sind, ein erhebliches Risiko dar (vor allem Südostasien, Afrika). Die beste Prophylaxe ist Risikovermeidung: Verzicht auf Sex, vor allem mit Prostituierten (und wenn, dann nie ungeschützt!), auf Tätowierungen und Piercings, auf Drogenkonsum unter Nadeleinsatz. In schwachen Volkswirtschaften mit schlechter medizinischer Versorgung und unzureichenden Hygienestandards ist auch dies ein Krankheitsrisiko (Blutkonserven, Injektionsnadeln etc.). Einen Impfschutz gibt es nicht.
Tollwut
Ohne Behandlung ist Tollwut absolut tödlich. Übertragen wird die Infektionskrankheit durch Bisse oder Speichel infizierter Wirtstiere - vom Eichhörnchen bis zum Tiger. Eine Impfung kann zwar noch nach einem Biss erfolgen, doch das Zeitfenster ist kurz. Bei Reisen in akute Risikogebiete mit schlechter medizinischer Versorgung ist eine Impfung vorab empfehlenswert: Nötig sind drei Einzelimpfungen in einem Zeitfenster von circa drei bis vier Wochen.
Mückenprophylaxe
Mücken gehören zu den häufigsten Überträgern ernsthafter Krankheiten in warmen Weltgegenden. Alle Schutzmaßnahmen zielen darauf ab, den Kontakt mit ihnen zu vermeiden:

  • Lange Hosen, lange Ärmel: im Urlaub nicht das, was man sich wünscht, aber wirksam. Auch die Knöchel sollte man schützen! In Gegenden mit hoher Krankheitsgefahr durch Mückenübetragung sollte man helle Kleidung tragen (bessere Erkennung) und Textilien mit speziellem Insektizid imprägnieren.
  • Mückenabweisende Mittel (Repellentien) sollte man auf alle unbedeckten Stellen der Haut auftragen. Wichtig: Es gibt viele auch tagaktive Mückenarten, Repellentien sind in manchen Regionen auch am Strand ratsam.
  • Imprägnierte Moskitonetze über dem Bett nicht vergessen! Wer nicht weiß, ob das Hotel eines bereithält, nimmt sich eines mit.
  • Schlafräume sollte man mückenfrei halten. Nach Möglichkeit sollten Fenster geschlossen bleiben (lieber die Klimaanlage nutzen). Im Extremfall kann man ein Insektizid einsetzen. Verstecke nicht vergessen: gezielt unter und hinter Möbel sprühen, versteckte Ecken nicht aussparen.
  • cib/dpa



    insgesamt 8 Beiträge
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    Seite 1
    palpiteiro 16.07.2014
    1. Chikungunyafieber
    Ein paar mehr Informationen hätte ich auch schon erwartet. (Vielleicht bin ich auch der einzige der damals im Unterricht gefehlt hat) Mehr auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Chikungunya
    andreu66 16.07.2014
    2. Schutz ist gar nicht so einfach
    Die Karibik ist mückenverseucht und selbst die Überseedepartements des reichen Frankreich Guadeloupe und Martinique schaffen es nicht, die Plage einzudämmen. Für Touristen kommt erschwerend hinzu, dass die Mücken deren exotisches Blut anscheinend unwiderstehlich finden. Dieser Effekt endet erst nach etwa drei Monaten, erst dann wird man so selten gestochen wie die Einheimischen. Da Einheimische nicht so oft gestochen werden, lassen Zimmermädchen beim Reinigen die Türen und Fenster gerne offen, wenn es nicht zu heiß ist, und wenn man wieder in sein Zimmer kommt, sollte man erst mal auf Mückenjagd gehen.
    spino 16.07.2014
    3.
    Bilharziose tritt mittlerweile auch in Europa auf. Seit 2011 in Korsika im Südosten der Insel (Cavu).
    bayaman_dca 16.07.2014
    4. Papayablattsaft
    Heilung in 2 Tagen ist moeglich mit frischen Papayablaettern: an zwei aufeinander folgenden Tagen ein ausgewachsenes Papayablatt (frisch) in kaltem Wasser puerieren, durch ein Sieb giessen und den gewonnenen dunkelgruenen Saft geniessen, sehr bitter, aber hoch wirksam. Zugabe von etwas Fruchtfleisch verstaerkt die Wirkung. Papayablatttee geht auch, aber eine laengere Anwendung von 5-7 Tagen ist noetig.
    AllesKlar2014 16.07.2014
    5. Saison Marketing
    rechtzeitig zur Reisesaison etwas Promotion der Pharmakonzerne? Erinnere nur an die Kampagnen zur Mekka Reise Zeit oder Vogelgrippe Alarm. Das volkommen nutzlose Tamiflu-Zeug wurde auf Anraten von Donald Rumsfiled (zufällig hat er vorher das Patent von LaRoche gekauft, höchstinstanzlich von der WHO als Pandemie Vorsorge "empfohlen" ) von vielen Regierungen bevorratet. Jetzt haben wir das Chemiekram im Trinkwasser - aber nie eine Vogelgrippe gesehen. Dafür sind ein paar 100 Mio € Steuergelder weg und ein paar Pandemie Strategen etwas reicher.
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