Weltgesundheitsorganisation China überholt USA bei gesunder Lebenserwartung

Wer heute in China geboren wird, hat mehr gesunde Lebenszeit vor sich als ein Baby in den USA. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen der WHO. Damit hat sich die Reihenfolge der Länder erstmals gedreht.
Chinesische Mutter mit Kind

Chinesische Mutter mit Kind

Foto: Kelvin Murray/ Getty Images

Was den weltweiten Handel angeht, hat China die USA schon vor ein paar Jahren überholt. Jetzt nähert sich die östliche Großmacht der westlichen auch bei einem anderen, wichtigen Thema an: der Gesundheit der Bevölkerung.

Laut aktuellen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Kinder, die in China geboren wurden, mittlerweile länger gesund leben als Kinder aus den USA. Damit hat sich die Reihenfolge der beiden Länder erstmals gedreht.

  • Den Daten zufolge hat ein Kind, das 2016 in China geboren wurde, im Schnitt 68,7 gesunde Lebensjahre vor sich. Bei einem Neugeborenen aus den USA sind es nur 68,5, wie aus den im Mai veröffentlichten World Health Statistics  hervorgeht.
  • Bei der generellen Lebenserwartung hingegen stehen die USA momentan noch besser da als China. Dort erreichen heute Geborene voraussichtlich ein Alter von 78,5 Jahren, in China sind es 76,4 Jahre.

Demnach werden Menschen in den USA zwar älter als in China, verbringen jedoch auch einen größeren Anteil ihres Lebens mit Krankheiten.

US-Probleme: Drogenepidemie, Übergewicht, Gesundheitssystem

Innerhalb der nächsten zehn Jahre könnte China die USA auch bei der generellen Lebenserwartung überholen. "Der Wert ist in China in den vergangenen Jahren wesentlich gestiegen und mittlerweile höher als in manchen anderen einkommensstarken Ländern," erklärt WHO-Sprecherin Alison Clements-Hunt. Gleichzeitig sinkt die Lebenserwartung der Menschen in den USA seit 2014, damals erreichte der Wert mit 79 Jahren seinen Höhepunkt.

Ein Grund für die immer schlechtere Gesundheit der Amerikaner ist die steigende Zahl an Drogentoten, im Dezember 2017 musste US-Präsident Donald Trump wegen einer Heroin- und Opioid-Epidemie den Gesundheitsnotstand verhängen. Hinzu kommen unter anderem die Folgen des weitverbreiteten Übergewichts sowie ein Gesundheitssystem, bei dem sich nicht alle Bürger die extrem hohen Preise für Arzt- und Klinikbesuche leisten können.

Deutschland: Lange leben, lange leiden

Deutschland schneidet sowohl bei der gesunden als auch bei der allgemeinen Lebenserwartung besser ab als die zwei Großmächte. Hierzulande können sich Neugeborene den Berechnungen zufolge auf 81 Lebensjahre freuen - davon allerdings nur 71,6 in guter Gesundheit. Ähnlich wie bei den Amerikanern gehen die Forscher davon aus, dass in Deutschland Menschen zehn Jahre ihres Lebens krank verbringen werden.

"Die Lebensjahre, die Menschen durch Krankheit verlieren oder krank verbringen, sind in China, Japan, Korea und ein paar anderen einkommensstarken asiatischen Ländern geringer als in einkommensstarken, westlichen Ländern", erklärt WHO-Sprecherin Alison Clements-Hunt. Grundsätzlich gilt: Je stärker die generelle Lebenserwartung in einem Land steigt, desto größer wird die Lücke zwischen der Lebenserwartung und gesunder Lebenszeit.

Am besten haben es Babys in Singapur

Die vielversprechendsten Aussichten auf viele gesunde Lebensjahre haben den Daten zufolge Babys in Singapur: Vor ihnen liegen im Schnitt 76,2 gesunde Lebensjahre. Darauf folgen Japan, Spanien und die Schweiz. Die USA liegen beim globalen Ranking auf Platz 40, China auf Platz 37. Zum Vergleich: Deutschland erreicht hinter zahlreichen anderen europäischen Ländern Platz 26.

Länder mit der längsten gesunden Lebenszeit

1. Singapur 76,2
2. Japan 74,8
2. Spanien 73,8
3. Schweiz 73,5
4. Frankreich 73,4
5. Zypern 73,3
6. Kanada 73,2
6. Italien 73,2
7. Korea 73,0
7. Norwegen 73,0
7. Island 73,0
7. Australien 73,0
Quelle: The Lancet, GBD 2016

Bei der generellen Lebenserwartung ist Japan weiterhin Spitzenreiter. Kinder, die 2016 geboren wurden, haben demnach im Schnitt 84,2 Jahre vor sich. Das bedeutet auch, dass die meisten das nächste Jahrhundert erleben werden.

irb/Reuters
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