Cochrane Review Gesichertes Wissen durch Studienanalysen

Ärzte sollten wissenschaftlich gesichertes Wissen anwenden. Die Cochrane Collaboration will mit ihren Studienanalysen genau dafür sorgen. In aufwendigen Verfahren suchen Forscher dafür nach wissenschaftlichen Arbeiten - und fassen sie in Cochrane Reviews zusammen.

Cochrane Collaboration: Internationaler Zusammenschluss medizinischer Forscher

Cochrane Collaboration: Internationaler Zusammenschluss medizinischer Forscher


Mit medizinischen Studien werden Patienten täglich konfrontiert. Doch jeder Autor darf praktisch alles eine Studie nennen. Ob tatsächlich qualitativ hochwertige wissenschaftliche Arbeit in einer Untersuchung steckt, zeigt erst eine Analyse. Fachleute erkennen anhand verschiedener Qualitätskriterien, ob zum Beispiel das von den Forschern gewählte Verfahren überhaupt geeignet ist, eine gestellte Frage zu beantworten.

Für Cochrane Reviews fassen Wissenschaftler in sogenannten Metaanalysen das in verschiedenen Studien veröffentlichte Wissen zusammen. Die wichtigsten Fakten:

  • Was ist eine Metaanalyse?

    Cochrane Reviews sind aufwendige, systematische und standardisierte Übersichtsarbeiten (Metaanalysen), die das verfügbare Wissen aus wichtigen Studien zu einem medizinischen Thema sammeln und bewerten. Weltweit gibt es 52 Cochrane Review-Gruppen, deren Autoren aus unterschiedlichen Fachrichtungen kommen. Die Autoren der Reviews sind nicht nur Mediziner, sondern etwa auch Statistiker oder Epidemiologen, außerdem Rechercheure. Cochrane Reviews zeichnen sich durch eine besonders ausführliche Suche nach der verfügbaren Literatur zu einem Thema aus.
  • Die Bedeutung der Fragestellung

    Ein Cochrane Review untersucht immer eine konkrete Frage, zum Beispiel: "Kann man Harnwegsinfekte durch Cranberry-Saft verhindern?" Alle Cochrane Reviews sind ähnlich aufgebaut, die Kernaussage wird immer leicht verständlich zusammengefasst.
  • Wer ist die Cochrane Collaboration?

    Die Cochrane Collaboration ist eine gemeinnützige Organisation, die medizinisches Wissen verfügbar machen soll. Ihren Namen hat sie vom britischen Epidemiologen Sir Achibald Leman Cochrane, einem der Begründer der evidenzbasierten Medizin (EbM).
  • Was ist evidenzbasierte Medizin?

    Die evidenzbasierte Medizin (EbM) fordert, jede Entscheidung für oder gegen eine Behandlung eines Patienten immer auf Grundlage empirisch gewonnener Erkenntnisse zu fällen. Das heißt, es sollen nur nachgewiesenermaßen wirksame Verfahren angewandt werden.
  • Kritik an der Cochrane Collaboration

    Im Februar 2013 äußerten Wissenschaftler und Aktivisten Kritik an der Cochrane Collaboration, weil an einer Metaanalyse über den Nutzen der Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) Forscher mitarbeiten, die bereits an den Zulassungsstudien der Impfstoffe beteiligt waren.

    Kritiker der Cochrane Collaboration werfen ihr vor, nicht ausreichend gegen die Einflussnahme der Pharmaindustrie gesichert zu sein. Verteidiger führen an, dass nur eine öffentliche Finanzierung der Cochrane Collaboration die Unabhängigkeit der Arbeit garantieren könne.

dba

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