Nina Weber

Nach Biontech-Ankündigung Nicht nur an unsere Kinder denken

Nina Weber
Ein Zwischenruf von Nina Weber
Ein Zwischenruf von Nina Weber
Schon im Juni könnten ältere Kinder mit Biontech gegen Corona geimpft werden. Müssten Erwachsene dann länger warten? Drei Zahlen, die diese Frage in einen anderen Rahmen rücken.
Noch ist es nicht so weit: Ein Kind in Deutschland wird wohl schneller gegen Corona geimpft als ein Risikopatient in Ghana (Symbolbild)

Noch ist es nicht so weit: Ein Kind in Deutschland wird wohl schneller gegen Corona geimpft als ein Risikopatient in Ghana (Symbolbild)

Foto: Iris Loonen / Plainpicture

»Biontech-Impfstoff ab Juni für ältere Kinder, für alle ab September« – was für eine Nachricht ! Und welche Fragen sich nun viele stellen: Wie schnell können die Kinder dann geimpft werden? Werden die meisten Eltern ihre Kinder gegen Covid-19 impfen lassen? Wie viele zögern? Wann ziehen die anderen Impfstoffe nach? Werden ältere Kinder vielleicht ab Juni bevorzugt vor Erwachsenen geimpft, um den Präsenzunterricht in Schulen sicherer zu gestalten – und wie viel länger würde es sich dann noch für die Elterngeneration hinziehen mit dem Impfen?

Über die Geschwindigkeit des Impfens in Deutschland wurde viel geklagt. Das ist verständlich, denn noch sind die Impfstoffe hierzulande ein knappes Gut. Viele, die geimpft werden wollen, müssen warten. »Es ist realistisch, alle impfbereiten erwachsenen Deutschen bis Ende Juli durchgeimpft zu haben«, sagt  Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) – und im Kopf geht da schnell eine Rechnung auf: Ende Juli, das ist ja noch ein Vierteljahr hin, bis die letzten endlich dran sind. Und wenn bald auch Kinder geimpft werden dürfen, dauert es vielleicht noch länger?

Die folgenden drei Aussagen können helfen, diese vermeintlich lange Zeitspanne in einen anderen Rahmen zu rücken:

  • Die Chefin der Welthandelsorganisation WTO, Ngozi Okonjo-Iweala, hat die USA und Großbritannien dazu aufgerufen, Coronaimpfstoffe zu exportieren. Warum? Nur 0,3 Prozent aller Impfdosen seien bisher in Ländern mit niedrigen Einkommen verabreicht worden, so die 66-Jährige. Das sei nicht akzeptabel, sagt Okonjo-Iweala.

  • In einer Expertenrunde äußerte sich der Geschäftsführer der Entwicklungsorganisation One, Tom Hart, am Mittwoch zur Versorgung im wohlhabenderen Teil der Welt: Die reichen Industrieländer hätten sich insgesamt 1,9 Milliarden Impfdosen mehr gesichert, als sie für eine Herdenimmunität in den eigenen Staaten benötigten, sagte Hart. Eine Analyse zeige, dass zum Ende des Sommers alle G7-Staaten ihre Bedürfnisse erfüllt hätten und dann Lager mit Überkapazitäten aufbauen würden.

  • Durch das Programm Covax sollten Impfstoffe weltweit gerechter verteilt werden. Wie schlecht das bisher funktioniert, erklärte Elisabeth Massute von »Ärzte ohne Grenzen« am Mittwoch im Deutschlandfunk . »Wir sehen mit Erschrecken, dass Covax aktuell bis Ende März 38 Millionen Impfstoffdosen verteilt hat, sie wollten bis dahin 100 Millionen Impfstoffdosen verteilen«. Das ohnehin niedrige Ziel, bis Ende Juni 2021 drei Prozent der Bevölkerung in über 140 Ländern zu beliefern, werde wahrscheinlich gerissen, so Massute. Stattdessen könnten dort lediglich 1,3 Prozent der Menschen bis zu diesem Termin geimpft werden. In Deutschland waren übrigens am 15. Januar 1,3 Prozent der Bevölkerung einmal geimpft, 1,3 Prozent vollständig Geimpfte gab es am 8. Februar.

In Deutschland wurde inzwischen mehr als ein Viertel (25,9 Prozent) der Bevölkerung einmalig geimpft, 7,5 Prozent haben durch die zweite Impfdosis bereit den vollen Schutz. Allein an diesem Mittwoch erhielten mehr als eine Million Menschen im Land eine Impfung. Das ist ein Grund zur Freude, der ersehnte Weg raus aus der Coronapandemie. Da kann das Tempo gar nicht schnell genug sein. Aber es passiert auf dem Rücken all jener, die in weniger wohlhabenden Ländern wohnen.

Und das ist ein Grund innezuhalten, nicht nur Geld, sondern auch Impfstoff abzugeben – und als reiches Land dazu beizutragen, die Welt ein wenig gerechter zu machen.