Umfrageergebnis Bedarf an Psychotherapie für Kinder und Jugendliche leicht gesunken

Kinder und Jugendliche sind weiterhin psychisch deutlich stärker belastet als vor der Pandemie, auch wenn die Zahl leicht gesunken ist. Und jeder Zweite muss mehr als ein halbes Jahr auf einen Therapieplatz warten.
Der Bedarf an Psychotherapie für Kinder liegt immer noch über dem Niveau von vor der Pandemie (Symbolbild)

Der Bedarf an Psychotherapie für Kinder liegt immer noch über dem Niveau von vor der Pandemie (Symbolbild)

Foto: Katarzyna Bialasiewicz / iStockphoto / Getty Images

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die einen Psychotherapieplatz benötigen, ist einer Umfrage zufolge leicht gesunken. Die Anfragen liegen aber immer noch 48 Prozent über dem Niveau von vor der Pandemie, teilte die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) auf Grundlage einer Erhebung unter ihren Mitgliedern  mit.

Diese Zunahme an Anfragen von Kindern und Jugendlichen übersteige auch weiterhin die von Erwachsenen, heißt es in der Erhebung. Die in aktuellen Studien häufig berichtete Zunahme der psychischen Belastung von Kindern und Jugendlichen im Zeitverlauf der Pandemie fände in diesen Zahlen Ausdruck.

Für die Erhebung wurden 2270 Verbandsmitglieder befragt. Sie gaben an, über alle Altersgruppen hinweg wöchentlich im Schnitt 6,9 Anfragen zu erhalten. Damit lag die Gesamtzahl der Patientenanfragen im Sommer rund 40 Prozent über dem Wert von vor der Pandemie. »Der Anstieg, den wir schon 2021 beobachten konnten, ist praktisch unverändert«, erklärte der DPtV-Bundesvorsitzende Gebhard Hentschel. Die große Nachfrage 2021 sei kein vorübergehendes Phänomen gewesen, sondern scheine sich zu stabilisieren. »Der Leidensdruck durch Pandemie, Krieg und Klimakatastrophen kommt bei den Menschen an.«

Wartezeiten länger als ein halbes Jahr

Im Vergleich zwischen Januar 2020 und Juni 2022 gaben die Kassenpraxen einen Anstieg der Patientenanfragen von 42 Prozent an. Bei Privatpraxen – die jedoch nur sechs Prozent der befragten Praxen ausmachten – stieg der Wert sogar um 62 Prozent. Vor allem in Großstädten wurde mehr nach Psychotherapieplätzen gefragt. Ein Drittel aller befragten Psychotherapeutinnen und -therapeuten empfindet die gestiegene Nachfrage demnach als sehr belastend.

Nur etwa jeder vierte Patient erhält ein Erstgespräch in der jeweils angefragten Praxis und nur 3,5 Prozent erhalten noch innerhalb einer Woche einen Termin. 51 Prozent warten mehr als einen Monat. Drei Viertel der Patienten müssen weitere Praxen kontaktieren, um einen Termin zu bekommen. Acht Prozent der Patientinnen und Patienten warten rund einen Monat auf den Beginn ihrer Therapie, 30 Prozent warten bis zu einem halben Jahr. 47,4 Prozent müssen mehr als ein halbes Jahr auf ihren Therapiebeginn warten. Die Problematik langer Wartezeiten nimmt den Ergebnissen zufolge weiter zu.

Die DPtV forderte die Bundesregierung dazu auf, das Thema psychische Gesundheit nicht zu vernachlässigen. Der Bedarf sei weiter groß. »Wir brauchen kurzfristig mehr durch die Krankenkassen genehmigte Kostenerstattungen von Psychotherapien, die durch Privatpraxen erbracht werden«, sagte Hentschel. Mittelfristig sei eine gezielte Weiterentwicklung der Bedarfsplanung wichtig, vor allem auf dem Land. Das ambulante Versorgungsangebot für Kinder und Jugendliche müsse weiterentwickelt werden.

kry/AFP
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