Untersuchung mit Blutplasma in Erlangen: Erforschen, ob Antikörper helfen
Untersuchung mit Blutplasma in Erlangen: Erforschen, ob Antikörper helfen
Foto: ANDREAS GEBERT/ REUTERS

Antikörper von Covid-19-Infizierten Vom Corona-Patienten zum Pandemie-Bekämpfer

Wer sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie einsetzen will, kann unter Umständen mit einer Blutplasma-Spende helfen. Zur Voraussetzung zählt eine vorherige Infektion - die Wissenschaft überprüft nun die Wirksamkeit.

Blutplasma könnte helfen, die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Derzeit rufen etwa Forscher des Plasmazentrums Heidelberg  dazu auf. Zu den Voraussetzungen zählt, von einer Coronavirus-Infektion genesen zu sein.

Die Idee dahinter: Forscherinnen und Forscher wollen aus dem Blutplasma unter anderem eine Antikörpertherapie entwickeln. "Es geht darum, eine passive Immunisierung zu erforschen, bei der die Antikörper vom Spender stammen", erklärt Hubert Schrezenmeier, der an der Uniklinik Ulm und für den DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen arbeitet.

Neben den allgemeinen Voraussetzungen, die auch sonst für Blutspender gelten, kommt hier noch die überstandene Erkrankung hinzu: "Die Spender müssen eine nachgewiesene Coronavirus-Infektion durchgemacht haben", sagt Schrezenmeier. "Zudem müssen sie symptomfrei sein." Das Virus selbst dürfe nicht mehr nachweisbar sein, die Antikörper aber schon.

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) hat angekündigt, Untersuchungen an Blutspendern und Menschen in Covid-19-Ausbruchsgebieten zu starten. Bislang gibt es erst einige wenige Untersuchungen, die sich mit der Wirksamkeit der Plasmatherapie bei Covid-19 beschäftigen, etwa hier , hier  und hier . Demzufolge sind zwei ältere südkoreanische Patienten nach der Plasmatherapie nun wieder gesund. Auch aus China gibt es ähnliche Berichte . Ob die Blutplasmaspende allerdings ursächlich dafür war, dass es den Patienten besser ging, ist aufgrund der Einzelfallbeschreibungen noch nicht bewiesen.

Plasmaspende ist häufiger möglich als Blutspende

Doch auch unabhängig von diesem Forschungsziel sind Blut- und Blutplasma-Spenden in Corona-Zeiten weiterhin möglich und erwünscht. Denn auch während der Corona-Pandemie müssen andere Notfälle und Schwerkranke weiter vorsorgt werden, ein Problem könnten Blutkonserven werden. "Blutplasma dürfen Spender bis zu 60 Mal in zwölf Monaten abgeben", sagt Schrezenmeier. Dabei werden die Blutbestandteile in einer Maschine aufgeteilt und das Blut bis auf das Plasma wieder an den Körper zurückgegeben. Vollblutspenden seien dagegen seltener möglich: bei Frauen viermal und bei Männern sechsmal innerhalb von zwölf Monaten.

Grundsätzlich dürfen alle Menschen Blut oder Plasma spenden, die keine Krankheitssymptome haben und auf die bestimmte Kriterien nicht zutreffen. "So müssen Spender etwa einige Zeit warten nach einer frischen Tätowierung oder nach einer Impfung etwa gegen Röteln, Masern oder Mumps", sagt Schrezenmeier.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Normale Blutspenden werden nicht auf Corona getestet

Wer mit einem Sars-CoV-2-Infizierten Kontakt hatte oder in einem Risikogebiet war, darf vier Wochen lang nicht spenden. Für Menschen, die selbst mit Sars-CoV-2 infiziert waren, gilt eine achtwöchige Rückstellung - und wer Symptome hat, darf gar nicht spenden. Mehr zu den Kriterien erläutert die Website Blutspenden.de .

"Bei einer gängigen Spende wird das Blut oder Plasma nicht auf Coronaviren getestet", sagt Schrezenmeier, der auch Zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie ist. "Anders ist dies etwa bei einer Aids- oder einer viralen Hepatitis-Erkrankung. Darauf wird das Blut untersucht und Spender informiert."

Immer wieder kontrovers diskutiert wird die Regelung, dass in Deutschland homo- und bisexuelle Männer lediglich dann Blut spenden dürfen, wenn sie mindestens zwölf Monate keinen gleichgeschlechtlichen Verkehr mehr hatten. Die FDP forderte Anfang April angesichts von in der Coronakrise möglicherweise knapp werdenden Blutreserven eine Lockerung dieser Regel.

hei/dpa
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