Covid-19 Ema könnte Corona-Impfstoff am 21. Dezember zulassen

Die europäische Arzneimittelbehörde Ema will ihr Gutachten über die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer noch vor Weihnachten vorlegen – acht Tage früher als zuletzt geplant.
Impfung gegen Corona: Beginn in Deutschland vermutlich noch in diesem Jahr

Impfung gegen Corona: Beginn in Deutschland vermutlich noch in diesem Jahr

Foto: John Angelillo / UPI Photo / imago images

Nun könnte doch alles schneller gehen als erwartet: Acht Tage vor der ursprünglichen Planung will die europäische Arzneimittelbehörde Ema mitteilen, ob sie den Corona-Impfstoff der Unternehmen Biontech und Pfizer in der EU zulässt. Der Behörde zufolge soll das Gutachten über die Zulassung bereits am 21. Dezember vorliegen.

Das Vakzin ist bereits in mehreren Ländern zugelassen, unter anderem in Großbritannien und den USA. Die Zustimmung der EU-Kommission gilt als sicher. Der Impfstoff könnte so noch vor Weihnachten für die EU zugelassen sein.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor gesagt, er hoffe auf eine Zulassung am 23. Dezember. Dann könne man noch in diesem Jahr mit dem Impfen beginnen, sobald die Impf-Chargen freigegeben seien. Die Bundesländer waren dazu angehalten, sich bereits auf breit angelegte Impfungen vorzubereiten.

Spahn sagte auf der Bundespressekonferenz: »Es wird die erste ordentliche Zulassung eines Impfstoffs auf der Welt sein.« Man habe von Anfang an eine europäische Zulassung gewollt, keine nationale. Er verteidigte es, keine Notfallzulassung für Impfstoffe vorzusehen, sondern ein reguläres Verfahren der Ema. Dies sei wichtig für das Vertrauen in Impfstoffe.

Die Unternehmen Biontech und Pfizer hatten mitgeteilt, dass ihr Impfstoffkandidat BNT162b2 mit einer Effektivität von 95 Prozent vor Covid-19 schütze, bei älteren Menschen entfalte er einen mehr als 94-prozentigen Schutz. Laut den Studien gebe es keine ernsten Sorgen in Sachen Sicherheit. Etwa 3,8 Prozent der Geimpften klagten über Müdigkeit, zwei Prozent über Kopfschmerzen im Zusammenhang mit der Impfung.

Großbritannien hatte in der vergangenen Woche als weltweit erstes Land mit Massenimpfungen mit der Vakzine der beiden Pharmaunternehmen begonnen. Zunächst erhalten Menschen aus der Hochrisikogruppe der über 80-Jährigen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeheimen sowie besonders gefährdetes medizinisches Personal das Mittel des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer. In der ersten Zeit stehen 800.000 Dosen zur Verfügung, vereinbart wurde eine Lieferung von insgesamt 40 Millionen Dosen. Für einen Immunschutz sind zwei Dosen notwendig.

Auch ein zweiter Impfstoff könnte bald verfügbar sein: Das Vakzin der US-Pharmafirma Moderna soll den Aussagen einer Ema-Sprecherin vom Vormittag zufolge spätestens bis 12. Januar 2021 zugelassen werden.

Spahn rechnet selbst mit dem jetzt verschärften Corona-Shutdown nicht mit schnellen Effekten bei der Eindämmung der Pandemie. »Auch eine Vollbremsung wird eine lange Bremsspur haben.« Die weitergehenden Schließungen von Einrichtungen, die ab diesem Mittwoch starten, seien geboten. »Lieber jetzt mit Aussicht auf Erfolg als erst nach Weihnachten mit dem Risiko großer Nebenwirkungen.« Wichtig sei nun, die Vorgaben in allen Bereichen konsequent umzusetzen.

»Die Lage ist so ernst wie nie«

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, appellierte an die Bevölkerung, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten. »Ich bleibe an Weihnachten ganz bewusst unter der Höchstzahl der erlaubten Kontakte«, sagte er. »Die Lage ist so ernst, wie sie nie war in dieser Pandemie.« Es bestehe die Gefahr, dass sich die Situation weiter verschlimmert und es immer schwieriger wird, mit der Pandemie und ihren Folgen umzugehen. »Das Virus ist in der gesamten Bevölkerung verbreitet und kommt in allen Altersgruppen vor«, sagte er. »Auch die ältere Bevölkerungsgruppe ist immer stärker betroffen.«

Die Todeszahlen würden ebenfalls weiter steigen, da sie zeitversetzt zu den Infektionszahlen verliefen. Dass sich im Moment viel zu viele Menschen infizierten, sei »Ergebnis von Sorglosigkeit einiger Menschen«, sagte Wieler. Die Neuinfektionszahlen müssten nun deutlich sinken. Viele Wissenschaftler seien sich einig, dass dazu die Kontakte um mindestens 60 Prozent reduziert werden müssten.

hei/kry/Reuters/dpa