Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sind besonders gefährdet, einen schweren Verlauf des Coronavirus durchzumachen
Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sind besonders gefährdet, einen schweren Verlauf des Coronavirus durchzumachen
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Catherine Falls/ Getty Images

Coronavirus "Die Kinder nicht mehr zu Oma und Opa bringen"

Covid-19 hat den Höhepunkt in Deutschland noch nicht erreicht. Experten rechnen mit vielen Todesfällen. Wichtig ist nun, Risikogruppen zu schützen. Dazu muss jeder sein Verhalten ändern - über Monate hinaus.
Von Irene Berres und Katherine Rydlink

Rund vier von fünf Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus verlaufen nach aktuellem Kenntnisstand mild. Das bedeutet aber auch: Einem von fünf Erkrankten droht ein schwerer Krankheitsverlauf, meist kommt es zu einer Lungenentzündung, in manchen Fällen führt Covid-19 zum Tod. Verlässliche Zahlen über die Sterberate gibt es noch nicht, Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die Letalität höher ist als bei der Grippe.

Bereits am Anfang der Epidemie hat sich gezeigt, dass einige Risikogruppen besonders gefährdet sind: vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen. Experten rufen nun dazu auf, diese besonders zu schützen, um eine hohe Todesrate in Deutschland zu vermeiden und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. "Wenn man das nicht ernst nimmt, muss man davon ausgehen, dass es bei den Risikogruppen Sterberaten im Bereich von 20 bis 25 Prozent geben wird", sagte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité dem NDR .

Wie sehr bedroht Covid-19 die eigene Gesundheit? Und was ist notwendig, um sich und andere zu schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wer zählt überhaupt zur Risikogruppe?

Die meisten Informationen über Covid-19 stützen sich auf Erfahrungen aus China. Wissenschaftler haben dort die Daten der ersten rund tausend Todesfälle ausgewertet. Demnach steigt das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf ab einem Alter von 50 Jahren stetig an, Menschen ab einem Alter von 80 sind besonders gefährdet. Das liegt vor allem daran, dass bei älteren Menschen das Immunsystem nicht mehr so gut auf Krankheitserreger reagiert. Da es bisher noch keine Medikamente zur Behandlung von Covid-19 gibt, können Ärzte nur die Symptome behandeln, mit der Krankheit selbst muss das Immunsystem kämpfen.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Ebenfalls besonders gefährdet sind Menschen, deren Körper durch eine Grunderkrankung geschwächt ist, etwa eine Herzkreislauferkrankung, Diabetes, eine Erkrankung des Atmungssystem oder Krebs. Bei ihnen scheint Covid-19 unabhängig vom Alter häufig schwer zu verlaufen. Kommt mehreres zusammen, haben also ältere Menschen eine Grunderkrankung oder Menschen mehrere chronische Krankheiten, ist das Risiko statistisch gesehen noch höher.

Daneben gibt es auch Hinweise, dass das Geschlecht eine Rolle spielen könnte. Für Männer ist eine Infektion laut ersten Zahlen gefährlicher als für Frauen. Der Grund dafür sei unklar, sagte RKI-Chef Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz. "Niemand weiß das. Das kann auch eine Verzerrung sein."

Schwangere und Kinder hingegen zählen nach allem, was man bislang weiß, nicht zu den gefährdeten Personen. Auch gebe es bei einer Schwangerschaft keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Ungeborene, sagte Drosten dem NDR. "Es sieht nicht so aus, als würde sich das Virus im Blut vermehren - und das wäre erforderlich, um sich auf das Kind zu übertragen."

Was können andere tun, um gefährdete Personen zu schützen?

"Die meisten begreifen nicht, dass genau sie gefährdet sind", sagt der Virologe Drosten. "Sie hören die Nachrichten und beschäftigen sich schon mit dem Thema Coronavirus, aber sie beziehen das gar nicht auf sich." Daher sei es jetzt wichtig, mit den Eltern oder den Großeltern zu sprechen und ihnen den Ernst der Lage zu vermitteln.

"Das heißt aber auch, dass alle nun ihr Verhalten ändern müssen", sagt Drosten. "Die Kinder sollten bis September, Oktober nicht mehr zu Oma und Opa zur Betreuung gegeben werden." Weiterhin solle man versuchen, Einkäufe für die Großeltern oder Eltern zu erledigen, damit diese nicht mehr in den Supermarkt müssten. "Das ist ein Dienst, der für alle schmerzhaft und unbequem ist."

Arbeitgeber sollten, falls möglich, chronisch Kranken ermöglichen, von zu Hause aus zu arbeiten, sowie die Arbeitsumgebung routinemäßig reinigen. Fahren Mitarbeiter auf Dienstreisen, ist es sinnvoll, sie im Hinblick auf Atemwegs- und Handhygiene zu beraten.

Wer Menschen aus Risikogruppen schützen möchte, sollte außerdem eines tun: das eigene Risiko senken, sich zu infizieren. Denn auch Menschen mit wenigen Beschwerden können andere anstecken und dadurch dazu beitragen, dass sich der Erreger weiter verbreitet.

Inzwischen gehen Experten nicht mehr davon aus, dass sich das Coronavirus in Deutschland noch zurückdrängen lässt. Ziel ist aber, die Ausbreitung so stark wie möglich zu verlangsamen, damit nicht alle gleichzeitig erkranken und für jeden kritisch Erkrankten ein Bett auf einer Intensivstation frei ist.

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Dazu kann jeder Einzelne beitragen, indem er etwa auf Großveranstaltungen wie ein Konzert verzichtet oder das Fahrrad nimmt, statt in den überfüllten Bus zu steigen. "Je mehr Menschen sich an gewisse Regeln halten, desto schwerer machen wir es dem Coronavirus, sich auszubreiten", sagte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Was können gefährdete Personen selbst tun, um sich zu schützen?

Wer zu den gefährdeten Gruppen zählt, sollte sein Erkrankungsrisiko so weit wie irgend möglich reduzieren. Dazu gehört, Menschenansammlungen zu meiden und Reisen abzusagen. RKI-Chef Wieler hat ältere Menschen bereits Ende Februar dazu aufgerufen, nur noch einmal pro Woche einkaufen zu gehen. Kontakte zu anderen Menschen sollten grundsätzlich minimiert werden.

"Die Risikogruppen müssen selbst verstehen, dass sie das ernst nehmen müssen", sagt Drosten. "Das Sozialleben muss nun für einige Monate aufhören, dazu gehören auch Schützenfeste und Fußballspiele."

Lässt es sich nicht vermeiden, auf andere Menschen zu treffen, schützen allgemeine Regeln vor Infektionen - egal, ob mit dem Coronavirus oder der ebenfalls gefährlichen Grippe:

  • auf Händeschütteln verzichten,

  • zu anderen Menschen mindestens einen, besser zwei Meter Abstand halten - das gilt insbesondere, wenn diese Anzeichen einer Erkrankung zeigen -,

  • regelmäßig die Hände waschen, also: wenn man zu Hause oder bei der Arbeit ankommt, Oberflächen angefasst hat, die von vielen Menschen berührt werden sowie vor dem Essen,

  • versuchen, sich möglichst wenig ins Gesicht zu fassen. Haften Krankheitserreger an der Hand, können diese nach einem Griff an Augen, Nase oder Mund über die Schleimhäute in den Körper eindringen.

  • Falls kein Corona-Verdacht besteht, nur zum Arzt gehen, wenn es unbedingt nötig ist.

Abgesehen davon rief Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) alle Menschen ab 60 dazu auf, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Die Impfung schützt zwar nicht vor dem Coronavirus, aber vor Bakterien, die ebenfalls zu Lungenentzündungen führen. Dadurch sinkt das Risiko, dass beide Infektionen parallel auftreten.

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Gefährdete Personen sollten sich außerdem über die Erkrankung informieren, um frühe Anzeichen zu erkennen - und schon kleinere Beschwerden ernst nehmen. Ist das Immunsystem geschwächt, fallen erste Anzeichen für eine Infektion wie Fieber oft schwächer aus, da sie nicht durch die Infektion an sich, sondern durch die Abwehrreaktion des Körpers entstehen. Deshalb bestehe das Risiko, dass ältere Erkrankte erst später zum Arzt gehen, warnt das Robert Koch-Institut.

Zu den ersten Anzeichen einer Sars-CoV-2-Infektion gehören:

  • Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen,

  • trockener Husten und Halskratzen,

  • Schnupfen und Abgeschlagenheit,

  • Atemprobleme,

  • Schüttelfrost,

  • in manchen Fällen Übelkeit und Durchfall.

Da die Symptome stark denen einer Erkältung oder Grippe ähneln, ist es wichtig, außerdem zu hinterfragen, wie wahrscheinlich eine Sars-CoV-2-Infektion ist: War ich in einem Risikogebiet? Hatte ich Kontakt zu einer infizierten Person? Die Behörden bitten darum, nicht mit jedem Halskratzen zum Arzt zu gehen, sondern nur, wenn eine Infektion auch realistisch ist. Wer den Verdacht hat, sich infiziert zu haben, sollte außerdem telefonisch Kontakt zu seinem Hausarzt aufnehmen, und nicht einfach in die Praxis gehen, um niemand weiteren zu gefährden.

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