Nina Weber

Umgang mit Corona-Epidemie Panik ist unangemessen, Sorge nicht

Das neuartige Coronavirus macht derzeit vielen Menschen Angst. Warum? Weil es unbekannt ist. Zeit für einen kühlen Kopf.
Bei einem Krankheitsausbruch ist Panik niemals sinnvoll

Bei einem Krankheitsausbruch ist Panik niemals sinnvoll

Foto: Fabian Strauch/ dpa

"Jetzt ist nicht die richtige Zeit für Panik", sagte der Direktor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, vor wenigen Tagen. So richtig dieser Satz auch scheinen mag, eigentlich ist er eine Binsenweisheit: In welchem Moment eines Krankheitsausbruchs, der eine Pandemie zu werden droht, sollte Panik sinnvoll sein?

Panik ist - laut Duden - die "durch eine plötzliche Bedrohung, Gefahr hervorgerufene übermächtige Angst, die das Denken lähmt und zu kopflosen Reaktionen führt". Fällt Ihnen ein Moment ein, in dem gedankenloses Handeln helfen würde, einen Krankheitsausbruch besser zu bewältigen? Mir nicht. Es könnte jedoch dazu beitragen, die Lage zu verschlimmern.

Die unsichtbare Gefahr

Wie auch immer sich der Verlauf von Covid-19 in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt: Verfallen Sie nicht in Panik! Das ist ernst gemeint, denn Panik ist unangemessen - Sorge hingegen aktuell leider nicht: Mit jedem Tag zeigt sich, dass sich das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 viel stärker außerhalb Chinas ausbreitet als gehofft, derzeit gibt es Fälle in 37 Ländern. Täglich erkranken Hunderte Menschen, manche sterben. Die Zeit, das Virus durch die vorübergehende Isolation einzelner Erkrankter und ihrer Kontakte in Schach zu halten, läuft ab. Wahrscheinlich muss man sogar sagen: Sie ist längst verstrichen.

Das kann einem Angst machen. Wie Vulkanausbrüche oder Erdbeben sind Viren ein Teil nicht beherrschbarer Natur. Je mehr man sich mit Viren auseinandersetzt, desto faszinierender, aber auch unheimlicher können sie erscheinen: Diese Wesen, die nach biologischer Definition nicht einmal leben, sind in der Lage, die Zellen anderer zu ihren Brutkästen umzubauen. Mit bloßem Auge unsichtbar, verbreiten sie sich über Körperflüssigkeiten, schlimmstenfalls über die Luft. Etwa acht Prozent des menschlichen Erbguts ist das früherer Viren, die sich tief in die Zellen eingepflanzt haben und dort geblieben sind.

Wir können die Viren in ihrer Gänze nicht ausrotten. Dass es überhaupt schon in einzelnen Fällen gelungen oder fast gelungen ist, wie etwa bei Pocken oder Polio, ist eine Zivilisationsleistung, die gar nicht genug gewürdigt werden kann. Wir können aber alles daransetzen, die von Viren ausgehende Gefahr durch Vorsichtsmaßnahmen einzudämmen und ihre Folgen so effektiv wie möglich zu bekämpfen.

Menschen werden sterben

Es ist jetzt klar im Bereich des Möglichen, dass Deutschland eine Covid-19-Welle erleben wird, die deutlich heftiger ausfallen könnte als die Grippewellen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, die in jedem Winter auftreten. Mittelfristig könnte dieser Erreger sich einreihen in jene Viren, die die Menschheit ständig begleiten.

Um die schlimmste Konsequenz dieses Szenarios klar zu nennen: Menschen werden sterben.

Panik, das ist im Kern: Todesangst. Die tiefe Furcht, zu sterben, geliebte Menschen zu verlieren. Es kann schwer sein, im Angesicht dessen Ruhe zu bewahren, vernünftig zu bleiben, eben nicht in Panik zu geraten. Natürlich will man alles Erdenkliche dafür tun, dass die Angst am Ende grundlos war, dass niemand gestorben, niemand zu Schaden gekommen ist.

Doch leider gibt es bisher keinen Impfstoff gegen Sars-CoV-2, weil die Entwicklung solch eines Mittels bestenfalls viele Monate in Anspruch nimmt. Bislang wurde Covid-19 oft mit der Grippe verglichen, die Schwere und der Verlauf der beiden Erkrankungen. Inzwischen zeigt sich: Nach dem derzeitigen Kenntnisstand führt Covid-19 deutlich häufiger zum Tod als die Grippe. Einer der größten Unterschiede ist zudem, dass Menschen sich vor der Grippe schützen können. Und dass viele, denen diese Impfung aufgrund ihres Alters oder wegen bestehender Krankheiten wie Diabetes empfohlen wird, sie trotzdem nicht annehmen.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Erschreckend, weil neu

Denn neben allen medizinischen Unterschieden zwischen Covid-19 und der Grippe existiert auch ein psychologischer: Covid-19 ist auch deshalb so erschreckend, weil die Krankheit neu ist. An die Grippe haben wir uns gewöhnt, obwohl sie jedes Jahr Tausende, manchmal Zehntausende Todesopfer in Deutschland fordert. Wir haben uns sogar so sehr gewöhnt, dass viele die von ihr ausgehende Gefahr unterschätzen.

Jetzt ist nicht die Zeit, in Panik zu verfallen. Doch es ist auch nicht die Zeit für Sorglosigkeit. Deshalb: Waschen Sie sich regelmäßig und richtig die Hände. Achten Sie auf sich und schleppen Sie sich nicht fiebrig und hustend per Bus und Bahn zur Arbeit. Und sobald es bessere Erkenntnisse oder Wege gibt, sich vor dem Virus zu schützen, folgen Sie diesen. Denn, um es mit den Worten von RKI-Chef Lothar Wieler zu sagen: "Wir können alle etwas tun, um das Virus einzudämmen."

Die wichtigsten Hygieneregeln
  • Drehen Sie sich am besten weg, wenn Sie husten oder niesen müssen! Mindestens ein Meter Abstand sollte zwischen Ihnen und anderen Personen sein.

  • Ein Papiertaschentuch bitte nur einmal benutzen! Entsorgen Sie es anschließend in einem Mülleimer mit Deckel.

  • Halten Sie sich beim Husten und Niesen die Armbeuge vor Mund und Nase, wenn gerade kein Taschentuch zur Hand ist.

  • Wichtig: Waschen Sie sich nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten gründlich die Hände, entweder mit einem Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis oder mit Wasser und Seife.

Quelle: WHO, Gesundheitsministerium