Hitze und Corona: Der doppelte Schutz ist eine Herausforderung
Hitze und Corona: Der doppelte Schutz ist eine Herausforderung
Foto: H Studios / Stocksy United

Corona und hohe Temperaturen Risikogruppen im Hitzekoller

Die Kombination aus Hitze und Corona kann besonders gefährlich werden. Hier erhalten Sie Tipps, wie man der Wärme entkommt und sich trotzdem richtig vor dem Virus schützt.
Von Susanne Götze

Auf 38,6 Grad stieg das Thermometer am Wochenende in Trier und erreichte damit den vorläufigen Rekordwert in Deutschland für diesen Sommer. Hoch Detlef gibt auch in dieser Woche nicht nach und überzieht Deutschland flächendeckend mit Temperaturen von mehr als 30 Grad.

Schon unter normalen Umständen belastet Hitze viele Menschen und schränkt die Leistungsfähigkeit ein. In Corona-Zeiten sind hohe Temperaturen jedoch gleich doppelt anstrengend: Die Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Virus verstärken das Hitzegefühl.

Auch sind die Risikogruppen bei Hitze und Corona ähnliche: Ältere Menschen sind bei höheren Temperaturen und durch eine Sars-CoV-2-Infektion besonders gefährdet. Für sie können hohe Temperaturen ebenso wie das Coronavirus lebensbedrohlich sein.

Corona verstärkt den Hitzestress

Dabei steigt die Zahl der Todesfälle auch ohne Corona-Maßnahmen bei wochenlangen Höchsttemperaturen an: Laut einer Untersuchung von Medizinern und Meteorologen  starben allein in Deutschland in den Hitzejahren 2003, 2006 und 2015 jeweils rund 6000 bis 8000 Menschen in Folge hoher Temperaturen. In Frankreich waren es 2003 sogar Zehntausende, vor allem alte Menschen. Todesursache sind laut Medizinern Herzkreislaufstörungen, Nierenversagen, Atemwegserkrankungen und Schlaganfälle.

"Der Schutz der Gesundheit während Hitze widerspricht in Teilen den Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion", erklärt Hanna Mertes vom Institut und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Klinikum der Universität München. Im stickigen Bus oder der Bahn müssen die Menschen in diesem Jahr etwa eine Maske aufsetzen - zusätzlicher Stoff, der freies Atmen zumindest einschränkt und die Hitze im Gesicht staut.

Zudem werde als Infektionsschutz körperliche Distanz empfohlen. "Während Hitzeereignissen ist jedoch soziale Unterstützung älterer Menschen sehr wichtig, beispielsweise um die Wohnung kühl zu halten, angemessene Kleidung auszuwählen oder ausreichend zu trinken", sagt die Gesundheitswissenschaftlerin. Auch könnten hohe Temperaturen das Risiko für Komplikationen bei Corona-Infizierten erhöhen.

Gute Vorbereitung

Wie bei Covid-19 seien ältere Menschen ab 65 Jahren und Menschen mit chronischen Erkrankungen bei Hitze besonders gefährdet. Wer an chronischen Lungen- oder Nierenerkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Übergewicht leide, sollte derzeit besonders vorsichtig sein, sagt Mertes. Deshalb hat ihr Institut Tipps veröffentlicht , wie man auch in Pandemie-Zeiten sicher durch die Hitzewelle kommt:

  • Nachts und am frühen Morgen Durchlüften, tagsüber die Wohnung verschatten.

  • Anstrengende Tätigkeiten während der heißen Stunden des Tages vermeiden.

  • Mindestens zwei bis drei Stunden pro Tag an einem kühlen Ort verbringen.

  • Den Körper abkühlen, beispielsweise in dem man die Handgelenke unter kühles bis lauwarmes Wasser hält oder durch kühlende Umschläge.

  • Luftige und atmungsaktive Kleidung und Bettwäsche nutzen.

  • Reichlich Wasser trinken sowie wasserreiche und leichte Speisen verzehren.

  • Insbesondere bei chronischen Erkrankungen kann ein Gespräch mit dem Hausarzt sinnvoll sein.

Risikogruppen sollten sich gut auf die heißen Tage vorbereiten - gerade in Zeiten der Corona-Pandemie. "Derzeit besteht eine erhöhte Gesundheitsgefährdung für Gruppen, die hitzebedingte Gesundheitsprobleme haben und gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Erkrankungsverlauf", so Mertes.

Sie empfiehlt dringend, Einkäufe oder andere Alltagserledigungen auf die kühleren Tagesstunden zu verlegen oder sich Hilfe durch Angehörige oder Nachbarn zu holen. Wichtig sei, trotz der Hitze die Maskenpflicht an den vorgeschriebenen Orten und den Mindestabstand weiter einzuhalten. "Das Tragen einer Maske ist dagegen nicht nötig, wenn man allein oder mit Haushaltsmitgliedern umgeben ist. Eine Maske kann das Atmen bei Hitze unnötig erschweren", so Mertes.

Deutschland hat keinen (Hitze-)Plan

Länder wie Frankreich haben aus den vergangenen Sommern gelernt und einen Hitzeplan, den "Plan Canicule"  eingeführt. Beispielsweise werden mithilfe eines Registers  alleinstehende Personen über 60 Jahren bei einer Hitzewarnung systematisch angerufen. Sozialarbeiter bringen bei Bedarf Wasser und leisten Erste Hilfe. Zudem greift ein vierstufiges Hitzewarnsystem und gibt lokalen Behörden konkrete Handlungsanweisungen weiter.

In Deutschland sprach sich Grünenchef Robert Habeck diese Woche für ein solches Hitzewarnsystem aus. In Gesundheitseinrichtungen sollten "kühle Räume" eingerichtet werden. Mit einem Programm will er mehr Grünflächen, Grün an Gebäuden, Frischluftschneisen und Schattenflächen schaffen sowie öffentliche Wasserspender bereitstellen.

Gerade in vielen Städten mangelt es derzeit aber noch an Abkühlung. Die Betonflächen heizen die Umgebungsluft auf und geben auch nachts kaum Abkühlung. Auch das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb , beim Straßenbau mehr auf sickerungsfähige Materialien zu setzen, also beispielsweise mehr Pflastersteine zu verbauen, sowie schmalere Straßen anzulegen und für viel kühlendes Grün zu sorgen - durch bepflanzte Dächer, mehr Bäume sowie Teiche und Wasserstellen.

Diese Maßnahmen sind auch unabhängig von Corona empfehlenswert. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Hitzewellen aufgrund des Klimawandels bis 2030 zunehmen werden und die Gesundheitskosten in die Höhe schießen lässt - den Corona-Effekt noch nicht eingerechnet.

Mit Material von dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.