FFP2-Maske
FFP2-Maske
Foto: PAVEL IARUNICHEV / iStockphoto / Getty Images

Medizinische Masken im Vergleich Was FFP2-Masken leisten – und was nicht

Medizinische Masken werden in Bussen und Bahnen Pflicht. Welche Masken sind gemeint? Welche Vorteile haben sie? Wie viele Masken brauche ich für eine Arbeitswoche? Der Überblick.

Bund und Länder haben sich auf eine Pflicht zum Tragen medizinischer Masken im öffentlichen Personenverkehr geeinigt. Eine einfache Alltagsmaske aus Stoff reicht dann nicht mehr, um mit Bussen und Bahnen zu fahren. Wer den öffentlichen Nahverkehr nutzt, muss entweder eine sogenannte OP-Maske oder eine FFP2-Maske tragen. Diese Pflicht soll künftig auch in Geschäften gelten.

Was können die medizinischen Masken im Gegensatz zur selbstgenähten Maske leisten? Wie trägt man sie richtig? Was halten Expertinnen und Experten von der neuen Pflicht? Die wichtigsten Antworten.

Was ist der Unterschied zwischen einer FFP2-Maske und einer OP-Maske?

Die Bezeichnung FFP stammt aus dem Englischen: Filtering Face Piece, es handelt sich um partikelfiltrierende Halbmasken. Ursprünglich bekannt sind sie besonders aus dem Handwerk, zum Schutz vor Staub oder giftigen Stoffen in der Atemluft.

Während es für die einfachen Mund-Nasen-Bedeckungen keine Norm gibt, müssen FFP-Masken bestimmte Bedingungen erfüllen. Sie werden in die drei Kategorien 1 bis 3 eingeteilt, je nachdem, wie viele Aerosole die Masken filtern können. FFP2-Masken müssen mindestens 94 Prozent zurückhalten.

Der medizinische Mund-Nasen-Schutz, auch OP-Maske genannt, besteht in der Regel aus drei Lagen Kunststoff-Vlies. Die Masken müssen bestimmte Anforderungen erfüllen und sind grundsätzlich zum einmaligen Tragen gedacht. Sie haben eine geringere Filterwirkung als FFP2-Masken.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Wie gut schützen die Masken – und wie sitzen sie richtig?

Wenn die FFP2-Maske richtig sitzt, kann sie sowohl den Träger als auch sein Umfeld vor Tröpfchen und Aerosolen schützen. Sie ist dann einer Alltagsmaske sicher überlegen. Aber nur, wenn sie tatsächlich richtig sitzt.

»Sogar im Krankenhaus sehe ich immer wieder Personal, bei dem die FFP2-Maske nicht richtig sitzt«, sagt Walter Popp, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, dem SPIEGEL. Nicht jede FFP2-Maske passe auf jedes Gesicht. Je nach Form kann die Maske dann beispielsweise an den Wangen oder am Kinn leicht abstehen. So entsteht eine Lücke, durch die Luft ungehindert strömt. »Dann atmet man praktisch nur durch die Leckage«, sagt Popp.

Eigentlich würden FFP2-Masken bei der Qualitätsprüfung auf ihre Filterleistung und ihren Sitz untersucht, aber das sei in den Pandemie-Monaten nicht immer passiert, sagt Popp. Es seien viele Masken mit schlechter Passform auf dem Markt.

Die Maske muss rundum eng anliegen, damit sie schützt. Popp hat eine einfache Erklärung, wie man das merkt: »Wenn das Atmen schwerer fällt, sitzt die Maske richtig.«

Ein besonderes Problem haben Bartträger, weil die Haare ein richtiges Aufsetzen der Maske quasi unmöglich machen, sagt Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung. Schon durch Bartstoppeln liege die Maske nicht mehr eng genug an, sodass die Luft dort frei strömen kann. Es gebe in der Industrie sehr teure Alternativen mit Rundum-Visieren, sichereren Hepafiltern und Luftpumpen. Das sei aber nicht für den Alltagsgebrauch gedacht. »Im Grunde bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren.«

Die OP-Masken hält Popp für den Alltagsgebrauch für besser geeignet: »Selbst wenn diese nicht ganz richtig sitzen, strömt immer noch ein großer Teil der Atemluft durch die Maske – gerade weil sie nicht ganz so dicht sind wie FFP2-Masken.« Doch auch bei den OP-Masken sei wichtig, dass sie Mund und Nase bedecken und an den Seitenrändern mit der Haut eng abschließen. Dann könnten sie vor allem andere schützen, da Tröpfchen, die beim Sprechen, Niesen oder Husten austreten können, gefiltert werden. Auch der Ausstoß von Aerosolen wird verringert, jedoch nicht komplett.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wie lange kann man eine Maske tragen?

Werden FFP-Masken bei der Arbeit aufgesetzt, gelten klare Regeln, die etwa die Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege beschreibt : Bei einer Maske ohne Ausatemventil, wozu FFP2-Masken zählen, sind maximal 75 Minuten Tragezeit am Stück erlaubt, danach mindestens 30 Minuten Erholung ohne Maske.

Grundsätzlich halten die Masken mindestens acht Stunden am Tag, sagt Asbach. Das gelte auch, wenn man die Zeit beim Tragen etwa im Bus und beim Einkaufen aufaddiere. Manche Masken hielten sicher auch länger.

Das Atmen durch die mehrschichtige Maske ist auf jeden Fall beschwerlicher. Walter Popp sagt sogar: »Ein durchschnittlicher 85- oder 90-Jähriger hat nicht mehr die Atemleistung, um durch eine FFP2-Maske vernünftig zu atmen.« Er vermutet deshalb, dass viele der an Senioren gratis ausgegeben FFP2-Masken nicht richtig sitzen oder nicht richtig getragen werden. Dem Mythos, dass sich in Masken Kohlendioxid sammle, widerspricht er aber deutlich.

Die OP-Masken sind Einmalartikel und nicht für eine ganze Schicht im Krankenhaus ausgelegt. »Sie wurden zwar über Monate teilweise so lange getragen, weil es eben nicht so viele gab«, sagt Popp. »Aber für die Normalbevölkerung kann man das natürlich nicht so machen.« Da sei es vertretbar, wenn man sie einen Tag oder auch zwei oder drei trage, da sie ja auch nur einen Teil des Tages getragen werden. »Man ist mit ihnen ja auch nicht ständig in kritischen Situationen, wie es Pfleger auf einer Covid-Station sind«, sagt er.

Wie oft kann man eine FFP2-Maske nutzen – wie wird sie aufbewahrt und gereinigt?

FFP2-Masken sind ebenfalls eigentlich Einmalprodukte. Sie zwischendurch zu lagern oder zu reinigen, ist deshalb grundsätzlich nicht vorgesehen. Forschende der Fachhochschule (FH) Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster haben sich aber damit auseinandergesetzt, wie sich die Masken im Privatgebrauch mehrmals verwenden lassen .

Ihre Vorschläge: Die Masken bei 80 Grad Ober- und Unterhitze für eine Stunde im Ofen trocknen. Sowohl höhere als auch niedrigere Temperaturen sind dabei problematisch, weil sie entweder die Maske beschädigen oder eventuell vorhandene Viren nicht inaktivieren. Alternativ kann man die Maske sieben Tage an einem Haken bei Raumluft trocknen lassen, man braucht dann entsprechend mehrere Masken.

Bei beiden Methoden soll eine Maske aber höchstens fünfmal getragen werden. Und aus verschiedenen Gründen seien Kochtopf, Mikrowelle, Waschmaschine, Spülmaschine und UV-Lampe nicht geeignet, um Masken zu reinigen.

Wichtig ist, die Maske nicht in einem Beutel oder einem anderen Behälter aufzubewahren, wo sie dann feucht bleibt, sodass sich auch Bakterien vermehren können.

Lieber FFP2 oder OP-Maske – was sagen Experten?

Zur Einführung der FFP2-Maskenpflicht in Bayern in der vergangenen Woche waren sich Experten nicht einig, wie sinnvoll diese sein wird.

»Prinzipiell finde ich die Idee gut«, sagt etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Es müssten aber zwingend Angebote damit verbunden sein: zum einen der kostenlose Zugang zu solchen medizinischen Masken, zum anderen Anleitungen zur richtigen Benutzung. »Ohne solche Angebote sehe ich das kritisch.«

FFP2-Masken böten einen nachweislich besseren Eigenschutz als die einfache chirurgische Mund-Nasen-Bedeckung, sagt Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Zudem scheine die Bandbreite bei der Qualität einfacher Mund-Nasen-Bedeckungen sehr variabel zu sein – und die Art, diese zu tragen, oft nicht adäquat. »Bei FFP2-Masken scheinen diese beiden Schwierigkeiten nicht so ausgeprägt, sodass auch deswegen eine bessere Wirksamkeit zu erwarten ist.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Skeptischer äußert sich dagegen Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: »Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied macht. Im schlimmsten Fall kann sich die Lage sogar verschlechtern, weil sich die Leute geschützter fühlen und weniger vorsichtig sind.« Es bedürfe bei einer FFP2-Maske großer Expertise, sie komme aus dem Arbeitsschutz und sei nicht für Laien gedacht. »Wenn sie nicht absolut dicht aufgesetzt wird, wirkt sie nicht besser als eine einfache Einwegmaske«, so Knobloch.

Hygiene-Experte Popp hält nichts von der FFP2-Maskenpflicht für die Allgemeinbevölkerung. Das richtige Tragen der Maske setze eine individuelle Schulung voraus. Und wenn die Maske falsch getragen werde, schütze sie eben nicht. Zudem sei es gerade für Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen eine Zumutung, durch die FFP2-Maske noch schlechter Luft zu bekommen.

Den jetzigen Vorstoß, nur noch medizinische Masken zu erlauben, findet Popp allerdings gut: »Bei den selbstgenähten Stoffmasken weiß man nie, wie gut sie sind, da gibt es ganz unterschiedliche Produkte«, sagt er. »Aber die medizinischen Masken sind zertifiziert, damit haben alle eine gleiche Qualität – wahrscheinlich dann insgesamt eine höhere als bisher.«

wbr/kry/dpa