Darmkrebs Der vermeidbare Tod

Etwa 25.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland an Darmkrebs. Dennoch gehen nur wenige zur Früherkennung, für die nun auch Gesundheitsminister Jens Spahn wirbt. Für wen sich die Untersuchungen lohnen.

Ob Stuhltest oder Darmspiegelung: Darmkrebs-Früherkennungen können Leben retten
robertprzybysz/ iStockphoto/ Getty Images

Ob Stuhltest oder Darmspiegelung: Darmkrebs-Früherkennungen können Leben retten


Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken?

In Deutschland ist Darmkrebs nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung. Den jüngsten Zahlen zufolge erkranken rund 62.000 Menschen pro Jahr daran. Mögliche Auslöser sind Experten zufolge familiäre Belastungen, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie eine fettreiche Ernährung. Zudem stellen laut Krebsinformationsdienst auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen ein Risiko dar.

Wer ist besonders betroffen?

Das Risiko steigt mit dem Alter. Allerdings nimmt die Zahl der Erkrankungen auch bei jungen Menschen seit Jahren zu. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sind mehr als doppelt so viele Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren erkrankt als im Jahrzehnt davor. Die Fallzahlen sind besonders in den vergangenen Jahren gestiegen, wie Forscher im Fachblatt "Gut" berichten. Über die genauen Gründe sind sich die Fachleute aber unsicher.

Welche Symptome treten auf?

Die ersten Anzeichen für Darmkrebs werden oft nicht sofort mit dieser Erkrankung in Verbindung gebracht. Dazu gehören blutiger Stuhl, Blähungen, unerklärlicher Wechsel von Durchfall und Verstopfung, Bauchschmerzen und Schmerzen beim Stuhlgang. Auch Müdigkeit, Nachtschweiß und Fieber sind mögliche Symptome.

Wie beuge ich vor?

Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) raten zu einem gesunden Lebensstil, das heißt: wenig Alkohol, rotes Fleisch und Fett, dafür mehr Bewegung und eine ballaststoffreiche Ernährung. Studien haben gezeigt, dass bereits 30 bis 60 Minuten körperliche Aktivität am Tag das Darmkrebsrisiko senken können. Zusätzlich raten Fachleute dazu, regelmäßig Obst und Gemüse zu essen.

Welche Früherkennungsmöglichkeiten gibt es?

Gesetzlich Krankenversicherte im Alter von 50 bis 54 Jahren können ihren Stuhl jährlich auf verstecktes Blut testen lassen. Männer haben bereits ab 50 Anspruch auf eine Darmspiegelung, Frauen dagegen erst ab 55. Die Untersuchung wird alle zehn Jahre wiederholt. Ist das Risiko für Darmkrebs familiär erhöht, können Patienten die Vorsorgeuntersuchung auch schon vor dem Alter von 50 beziehungsweise 55 Jahren durchführen lassen.

Sind Früherkennungen immer sinnvoll?

Generell gilt: Je früher die Diagnose, desto höher die Überlebenschancen. Absolut zuverlässig sind die Untersuchungen allerdings nicht, vor allem die Analyse des Stuhls auf Blut birgt Unsicherheiten. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum bekamen 4500 Menschen innerhalb von zehn Jahren Krebsdiagnosen gestellt, obwohl sie gar nicht betroffen waren. Für Betroffene bedeuten solche Fehldiagnosen vor allem Stress, weil sie fürchten, eine lebensbedrohliche Krankheit zu haben. Außerdem müssen sie sich oft weiteren Vorsorgeuntersuchungen unterziehen, die gar nicht nötig wären.

Ist Darmkrebs tödlich?

Dank der Früherkennungsmethoden sterben weniger Menschen an Darmkrebs - trotz steigender Zahl der Erkrankten. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum konnten in einem Zeitraum von zehn Jahren 180.000 Menschen durch die Vorsorgeuntersuchung vor einer Erkrankung bewahrt werden.

ctl



insgesamt 38 Beiträge
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wortgewalt87 03.07.2019
1. Schwachsinn
Bis 54 bekommt man also seinen Test auf okkultes Blut. Danach nicht mehr. Danach zahlt die Kasse nur noch die Darmspiegelung. In meiner Stadt mit ihrem Fachärztemangel wartet man ohne Beschwerden ewig auf eine Darmspiegelung. Und die passt dann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ins berufliche Schema. Also zahlt man den Test eben selbst. So sieht Abzocke und Ärztebegünstigung aus, aber nicht sinnvolle Vorsorge.
CancunMM 03.07.2019
2.
Zitat von wortgewalt87Bis 54 bekommt man also seinen Test auf okkultes Blut. Danach nicht mehr. Danach zahlt die Kasse nur noch die Darmspiegelung. In meiner Stadt mit ihrem Fachärztemangel wartet man ohne Beschwerden ewig auf eine Darmspiegelung. Und die passt dann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ins berufliche Schema. Also zahlt man den Test eben selbst. So sieht Abzocke und Ärztebegünstigung aus, aber nicht sinnvolle Vorsorge.
Nochmals zu Ihrem Verständnis: Frau: 50-54 Jahre Stuhltest jedes Jahr, ab 55 Jahre alle 2 Jahre oder alternativ Darmspiegelung mit 55, wenn unauffällig dann erneute Darmspiegelung mit 65. Wenn nicht unauffällig, dann abhängig vom Befund. Mann: 50-54 Jahre Stuhltest jedes Jahr oder alternativ Darmspiegelung, wenn keine Darmspiegelung gewünscht, dann ab 55 Jahre Stuhltest alle 2 Jahre. Da Patienten ja nüchtern bleiben müssen, sind die Koloskopien nun mal Vormittags bis Mittags. Sollte Ihnen Ihre Gesundheit schon wert sein. Ein Arbeitgeber muss dann auch frei geben, wenn es keine andere Möglichkeit gibt für einen Termin. Und was soll das mit Arztbegünstigung zu tun haben. Sie müssen den Test nicht selbst zahlen. Es sei denn Sie wollen Ihn häufiger haben als empfohlen, aber das ist dann Ihre Sache. Und der Arzt, zumeist Hausarzt, wird eher immer die Koloskopie empfehlen, da Goldstandard. Und daran verdient er Null Euro.
kumi-ori 03.07.2019
3.
Eine Diagnose von Blut im Stuhl ist nicht zwangsläufig eine Krebsdiagnose und daher auch keine Krebs-Fehldiagnose. Sie ist natürlich mit deutlich weniger Aufwand verbunden als die Darmspiegelung (mit der die Patienten schon Tage vorher beschäftigt sind) und ein guter Kompromiss für Patienten, die wenig Zeit haben oder nicht gern zum Arzt gehen. Bei positivem Befund muss dann eben doch die Spiegelung gemacht werden. Nachteil ist, dass sehr frühe Stadien, die noch kein Blut absondern, dann eben nicht erkannt werden. Mit etwas Glück erkennt man den Krebs bei einem späteren Bluttest noch rechtzeitig um nicht daran zu sterben, aber die Operation kann dann schon umfangreicher werden und sehr lästige Nachteile, zum Beispiel das Leben fortan mit künstlichem Darmausgang, nach sich ziehen. Bei Vorsorgeprogrammen wird meistens nicht die eher seltene Fehldiagnose diskutiert, sondern die sogenannte Überdiagnose. Die Überdiagnose ist eine zutreffende Krebsdiagnose (mit nachfolgender Therapie) in einem frühen Stadium bei einem Patienten, der unter der Krankheit nie gelitten hätte, weil er vorher an einer anderen Ursache gestorben wäre. Diese Fälle kommen natürlich vor und werden von den Gegnern der Vorsorgeprogramme heftig ins Feld geführt. Man muss hier ehrliche Zahlen liefern und auch erklären wie man auf diese Zahlen kommt. Ich hatte beruflich mit dem Thema längere Zeit zu tun (im Bereich Brust) und ärgerte mich immer wieder über platte Aussagen (sowohl pro als auch contra), in denen die Zahlen falsch zueinander in Bezug gesetzt wurden und mit dem Brustton der Arroganz blödsinnige und gefährliche Aussagen unters Volk gebracht wurden. Zum Thema Darmkrebs kann man vielleicht noch hinzufügen, dass es vier Arten von Darmkrebs gibt, die biologisch völlig unterschiedlich sind, auch wenn sie zunächst gleich aussehen. Für diese vier Arten sind Risiko und Chance auf Heilung in frühem wie in spätem Stadium komplett unterschiedlich und deshalb mag in einem Fall ein regelmäßiger Test auf Blut im Stuhl völlig ausreichend sein, während im anderen dieser Test vielleicht zu spät anspricht und nur eine Spiegelung zu einer rechtzeitigen Diagnose geführt hätte.
schmidt-post 03.07.2019
4.
Zitat von wortgewalt87Bis 54 bekommt man also seinen Test auf okkultes Blut. Danach nicht mehr. Danach zahlt die Kasse nur noch die Darmspiegelung. In meiner Stadt mit ihrem Fachärztemangel wartet man ohne Beschwerden ewig auf eine Darmspiegelung. Und die passt dann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ins berufliche Schema. Also zahlt man den Test eben selbst. So sieht Abzocke und Ärztebegünstigung aus, aber nicht sinnvolle Vorsorge.
Unsinn. Sie können einen Vorsorge-Termin Monate im voraus machen (und planen). Ist ja nichts Eiliges.
Luba 03.07.2019
5. Natürlich
"Allerdings nimmt die Zahl der Erkrankungen auch bei jungen Menschen seit Jahren zu" Als alter Sack muss ich sagen, dass es die Ernährung ist. Als ich in dem Alter war, gab es bei uns 1 Italiener und einen Chinesen auf 50km und keiner von beiden lieferte nach Hause. Beim Rest gab's Jägerschnitzel. Heute gibt's in jedem Kaff ein McDonalds, einen Burger King und eine Pizza Hütte. Und es gibt 17 Chinesen, 7 Italiener, 4 Japaner, 3 Griechen, 2 Mexikaner, 5 Inder, 1 Chilene und ein Tibetaner. Und alle liefern nach Hause. Gekocht wird nicht mehr.
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