Tropenkrankheit Forscher warnt vor Dengue-Fieber bei Fußball-WM in Brasilien

Lange Kleidung, geschützte Fenster und Insektenspray: Wer sich bei der Fußball-WM in Brasilien nicht mit Dengue-Fieber infizieren möchte, sollte sich in Acht nehmen. Ein britischer Forscher warnt im Vorfeld vor allem für drei Spielstätten vor einem hohen Infektionsrisiko.

Die Mücke Stegomyia aegypti: Trägt das Dengue-Virus von Mensch zu Mensch
DPA

Die Mücke Stegomyia aegypti: Trägt das Dengue-Virus von Mensch zu Mensch


London - Mehr als drei Millionen Tickets sollen verkauft werden, mehr als 500.000 internationale Fans nach Brasilien reisen: Viele Fans können bereits jetzt den Anstoß der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 kaum erwarten. Die Besucher sollten sich allerdings nicht nur auf die Spiele konzentrieren, sondern auch vor Mücken in Acht nehmen: Ein Forscher von der britischen Universität Oxford warnt im Wissenschaftsjournal "Nature" vor einem erhöhten Risiko für das Dengue-Fieber - vor allem in den Spielorten Fortaleza, Natal und Salvador im Nordosten des Landes.

In den drei Städten erreiche das Infektionsrisiko zum Zeitpunkt der Spiele voraussichtlich fast seinen Höhepunkt, schreibt der Epidemiologie-Professor Simon Hay in seinem Meinungsbeitrag. Der Forscher hatte mit seinen Kollegen anhand der Krankheitsfälle der letzten Jahre das Infektionsrisiko für die verschiedenen Regionen Brasiliens abgeschätzt.

Demnach wird ein Großteil der Austragungsorte bereits vor der Weltmeisterschaft im Juni und Juli den Höhepunkt der Dengue-Verbreitung erleben. Leider gelte dies nicht für den Nordosten des Landes, schreibt Hay. Er räumt jedoch auch ein, dass sich die Situation, ähnlich wie das Wetter, nicht exakt vorhersagen lasse. Dengue-Fieber wird durch Mücken übertragen und kann unter Umständen tödlich enden.

Kein Impfstoff und keine Medikamente

Gegen die Krankheit gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff und keine spezifischen Medikamente. Die beste Maßnahme ist laut Hay schlicht, Moskitostiche zu vermeiden. Fußballfans, die im kommenden Jahr in die Risikoregion reisen, sollten Hotels mit geschützten Türen und Fenstern sowie einer Klimaanlage wählen, rät der Forscher. Ebenfalls hilfreich könne sein, vor allem früh am Morgen und am späten Nachmittag lange Kleidung zu tragen und sich mit speziellen Sprays zu schützen.

Außerdem ruft der Forscher die Behörden dazu auf, Moskitos in den besonders stark betroffenen Gebieten auszuräuchern und den Insekten die Fortpflanzung zu erschweren. Die Mücken vermehren sich in stehendem Wasser. Becken, unter anderem auf wilden Müllkippen, sollten laut Hay beseitigt werden.

Daneben appelliert der Forscher an die brasilianische Regierung, den Fußballweltverband (FIFA) und Sponsoren des Wettbewerbs, Fans über das Dengue-Risiko und Präventionsmaßnahmen zu informieren. Vielen Besuchern, etwa aus Europa, sei die Krankheit im Gegensatz zu den Bewohnern der Tropen nicht geläufig. Aus diesem Grund sollten die Verantwortlichen der WM ihre Erfahrung und ihren Einfluss nutzen, um aufzuklären.

Dieses Jahr in Brasilien schon mehr als 500 Todesfälle

Hauptüberträger des Fiebers ist die Mücke Stegomyia aegypti. Sie ist in feuchten, tropischen Gebieten weit verbreitet und kann die Viren von Mensch zu Mensch tragen. In Brasilien starben nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation in diesem Jahr bereits 522 Menschen an Dengue-Fieber. Auch Mittelamerika leidet unter einer schweren Epidemie. Das Virus grassiert in mehr als 100 Ländern weltweit.

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Die Infektion führt zu einer fieberhaften Erkrankung mit Kopf- und Gliederschmerzen. Gelegentlich kann es auch zu einem Hautausschlag kommen. Der Krankheitsverlauf ist häufig harmlos, Tropenmediziner gehen davon aus, dass die Krankheit bei vielen Urlaubsrückkehrern gar nicht erkannt wird. Zum Teil kann es allerdings auch zu schweren, tödlichen Krankheitsverläufen mit zahlreichen Blutungen und Kreislaufversagen kommen. Dies ist vor allem bei wiederholten Infektionen der Fall und trifft vor allem Kinder, die in den betroffenen Gebieten leben.

2012 wurden dem deutschen Robert Koch-Institut (RKI) 615 Dengue-Fieber-Fälle gemeldet. Zum Vergleich: Jährlich reisen rund 3 Millionen Deutsche in potentielle Risikogebiete. Wer eine tropische Region besuchen und sich über das aktuelle Dengue-Risiko informieren möchte, kann die sogenannte Healthmap nutzen. Das Projekt des US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) und eines Teams des Boston Children's Hospitals sammelt Daten über Dengue-Ausbrüche auf der ganzen Welt und stellt diese im Internet frei zur Verfügung.

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irb/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
michaelrau75 28.11.2013
1. Dengue-Fieber
Die Gefahr sich während des Zeirraumes der WM hier anzustecken ist tatsächlich sehr hoch . Allerdings hat der Autor vergessen den Austragungsort Recife zu nennen . Recife liegt zwischen Salvador und Natal , ich wohne hier mit meiner Familie , und Dengue ist hier ebenfalls ein alltägliches Problem . Daher sollte Recife unbedingt in ihre Auflistung der gefährdeten Städte mit aufgenommen werden .
michaelrau75 28.11.2013
2. Dengue-Fieber
Die Gefahr sich während des Zeirraumes der WM hier anzustecken ist tatsächlich sehr hoch . Allerdings hat der Autor vergessen den Austragungsort Recife zu nennen . Recife liegt zwischen Salvador und Natal , ich wohne hier mit meiner Familie , und Dengue ist hier ebenfalls ein alltägliches Problem . Daher sollte Recife unbedingt in ihre Auflistung der gefährdeten Städte mit aufgenommen werden .
spon-facebook-1651275081 28.11.2013
3. Hallo aus Rio
vielleicht mal etwas nachgedacht: harmloser Krankheitsverlauf, der nicht bemerkt wird und zum Tod führen kann? Es gibt insgesamt 4 Virenarten, wurde mir mal auf einer Krankenstation erklärt, als ich als Risiko-Patient eingestuft wurde. Normalerweise verläuft die Infektion wie eine schwere Grippe (wird also bestimmt bemerkt). Aufgrund von hohem Fieber wird das Immunsystem stark strapaziert und der Kreislauf belastet. Medikamente gibt es keine, man kann aber die Symptome lindern. Das reicht, um die Krankheit zu überstehen, wenn man nicht noch in anderer Weise geschwächt ist. (was v.a. auf Babys oder ältere Menschen zutrifft). Nach 10-14 Tagen ist es normalerweise überstanden. Korrekt ist, dass manchen Betroffenen nicht klar ist, dass sie Dengue hatten, weil sie davon ausgingen, dass es eine normale Grippe war. Hat man einmal eine Infektion gehabt, ist man für diesen der vier Erreger immun. Man kann also in seinem Leben insgesamt nur vier Mal betroffen sein. Schade, dass sich der Forscher mit Negativ-Schlagzeilen profilieren will. Und noch mehr schade, dass man hier Beihilfe leistet. Keine Angst vor Brasilien! Sollten Fälle auftreten, wird die Regierung auf jeden Fall versuchen gegenzusteuern. Und wer spontan 40° Fieber hat, sollte ohnehin zum Arzt gehen. Auch das mit den langen Ärmeln und dem Ausräuchern der Moskitos kann man sich sparen. Das weiß man doch von einer normalen Grillparty... Es gibt aber trotzdem einen Tipp: Zimmer oberhalb der 8. Etage. Die Mücken suchen ihre Opfer lieber in den unteren Etagen... In den unteren Etagen, nachts den Ventilator laufen lassen!
prüderiegegner 28.11.2013
4.
"Ein britischer Forscher warnt im Vorfeld vor allem für drei Spielstädten vor einem hohen Infektionsrisiko." soll wohl heißen: "für drei Spielstätten"!
janfred 28.11.2013
5. Ich werde nicht nach Brasilien....
...reisen und in Deutschland sterben. Pro Jahr sterben in Deutschland 10.000 Menschen an der Grippe. Ich will Dengue nicht verharmlosen, aber die Panikmache ist absolut nicht gerechtfertigt. Meine Frau ist Brasilianerin, ich selber habe einige Zeit beruflich in Brasilien verbracht und wir fahren jedes Jahr nach Bahia. Von Personen, in meinem dortigen Umfeld, ist mir kein tödlicher Dengue Fall bekannt und wirklich nur ein paar, die Dengue hatten, und deshalb 2-3 Tage nicht zur Arbeit konnten. Wie in dem Artikel richtig beschrieben, ist die Gefahr an stehenden Gewässern am Größten. Wer sich in Brasilien etwas auskennt, weiss von den riesigen Flächen in den Regenwäldern, oder das riesige Pantanal Sumpfgebiet halb so groß wie Deutschland. Wie auch bei der Malaria, ist die Chance Dengue in Städten zu bekommen, sehr sehr viel geringer. Ich finde den Artikel schon peinlich übertrieben. Demnach muss Deutschland für Touristen von Okt- März tabu sein. Doch auch übers ganze Jahr besteht die nicht geringe Gefahr, ein Krankenhaus nicht mehr leben zu verlassen. Bei rund 40000 Toten jährlich, durch mangelhafte Hygiene in unseren Krankenhäusern. Was bitte sind da 520 Dengue Tote bei wohlgemerkt 200 Millionen EW. Insofern müsste für Deutschland eigentlich schon lange eine Reisewarnung ausgesprochen werden. Ich fahr im Sommer auf jeden Fall 4 Wochen nach Brasilien, da ist es sicherer.
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