Studie in Thailand Dengue-Viren bleiben in der Nachbarschaft

Hat der Nachbar Dengue, sollte man aufpassen. Die Viren verbreiten sich oft in einem Umkreis von nur 200 Metern, zeigt eine Studie aus Thailand.

Mückenbekämpfung in Asien
AFP

Mückenbekämpfung in Asien


Dengue-Viren sind offenbar sehr ortstreu. Wie ein internationales Forscherteam in Thailand herausfand, sind einzelne Varianten des Erregers monatelang in bestimmten Nachbarschaften aktiv. Überregional breiten sie sich nur langsam aus, wie die Forscher im Magazin "Science" schreiben. Die Resultate können helfen, die Erreger einzudämmen.

Das Dengue-Virus, von dem vier Serotypen und davon wiederum jeweils zahllose Varianten zirkulieren, ist in Südostasien, Afrika und Lateinamerika weit verbreitet. Weltweit infizieren sich Schätzungen zufolge jährlich mehr als 300 Millionen Menschen damit, mehr als 20.000 sterben daran. Die Erreger werden vor allem bei einer zweiten Infektion gefährlich, wenn der Betroffene zuvor schon mit einem anderen Serotyp infiziert war.

Um von Wirt zu Wirt zu gelangen, nutzen die Viren vor allem Mücken der Art Aedes aegypti, die auch Erreger von Zika, Gelb- und Chikungunyafieber übertragen können. Sticht eine infizierte Mücke einen Menschen, kann sie den Erreger an ihn weitergeben. Andererseits können sich Mücken aber auch infizieren, wenn sie das Blut eines Menschen aufsaugen, der an Dengue-Fieber erkrankt ist.

Enge Verwandtschaft im Umkreis von einem Kilometer

Bislang sei die Verbreitung der verschiedenen Virusvarianten nur global und regional untersucht worden, aber nicht auf lokaler Ebene, schreibt das Team um Henrik Salje und Justin Lessler von der Johns Hopkins University in Baltimore. Um diese Lücke zu schließen, analysierten die Forscher das Erregererbgut von 640 Dengue-Infektionen, die zwischen 1994 und 2010 in Bangkok und an fünf anderen Orten in Thailand auftraten. Zudem werteten sie Daten von rund 17.000 Dengue-Infektionen in Thailand aus und berücksichtigten auch Informationen zu anderen Ländern Südostasiens.

"Die Dengue-Linien scheinen in der lokalen Nachbarschaft eines Falles bis zu sechs Monate zu bleiben", schreibt das Team. "In Bangkok stammten im Umkreis bis 200 Meter 60 Prozent der Fälle von der gleichen Übertragungskette." Im Umkreis bis zu einem Kilometer waren noch 19 Prozent eng miteinander verwandt, im Umkreis von einem bis fünf Kilometern nur noch drei Prozent.

"Aufeinanderfolgende Übertragungen erfolgen typischerweise zwischen Haushalten in derselben Nachbarschaft", folgern die Autoren. "Die enge Beziehung zwischen genetischer und räumlicher Distanz deutet darauf hin, dass die Mehrheit der Infektionen nahe des Wohnorts auftreten." Daraus leiten sie ab, dass man beim Auftreten eines Falles die Überträgermücken um den Wohnort bekämpfen sollte.

Bangkok fördert die Vielfalt des Erregers

Insgesamt, so schätzt das Team, kursieren in Bangkok pro Saison - also in sechs Monaten - etwa 160 Dengue-Übertragungsketten, in den umliegenden Provinzen ist es nur ein Bruchteil davon. Die höhere Bevölkerungsdichte in der Stadt fördere wahrscheinlich die Vielfalt der Erreger, so die Forscher. "Das legt nahe, dass wir eine Zunahme der Übertragungsketten sehen werden, wenn ländliche Gegenden besser miteinander vernetzt sind."

Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass sich Erreger aus Thailand mit denen aus anderen Ländern der Region erst nach etlichen Jahren vermischen. "Wir denken oft, dass Krankheitserreger keine Landesgrenzen respektieren", sagt Salje laut einer Mitteilung der Universität. "Zwar gibt es eine starke Mobilität von Menschen zwischen den Ländern der Region, aber das reicht offenbar nicht aus, um ihre Dengue-Epidemien miteinander zu verbinden."

irb/dpa



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