Digitale Revolution Ärzte dürfen Patienten künftig auch ausschließlich online behandeln

Der Arzt fragt über Skype nach den Beschwerden, dann schickt er ein Rezept: Bald soll es in Deutschland Online-Behandlungen geben. Dafür lockern die Ärzte laut SPIEGEL-Informationen das Fernbehandlungsverbot.
Arztpraxis

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Foto: imago/ Westend61

Das deutsche Gesundheitswesen steht vor der digitalen Revolution: Patienten sollen künftig auch ausschließlich über elektronische Kommunikationsmedien wie Skype behandelt werden dürfen. Dafür will die oberste Standesvertretung der Ärzte laut SPIEGEL-Informationen sorgen. Reine Onlinesprechstunden, bei denen sich Arzt und Patient nie begegnen, sollen danach möglich sein.

Die Bundesärztekammer (BÄK) will dazu das sogenannte Fernbehandlungsverbot lockern, das sich aus den Berufsordnungen für Ärzte  ableitet. Künftig soll es dort heißen: "Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über elektronische Kommunikationsmedien ist erlaubt, wenn dies im Einzelfall ärztlich vertretbar ist", wie aus dem Protokoll einer Vorstandssitzung der BÄK hervorgeht. Die Telemedizin soll vor allem das Problem des Ärztemangels in ländlichen Regionen lösen.

Bislang nur bei Modellprojekten möglich

Voraussetzung soll sein, dass der Patient über die "Besonderheiten" einer reinen Onlineberatung aufgeklärt wird und der Arzt alle Befunde und Behandlungen sorgfältig dokumentiert. Der Passus soll im Mai den Delegierten des Ärztetages zur Abstimmung empfohlen werden. Derzeit sind in Deutschland ganztägige Telemedizin-Bereitschaftsdienste in Landarztpraxen oder in Altenheimen "berufsrechtlich nicht zulässig", wie es im BÄK-Papier heißt.

Erst 2017 hatte der Ärztetag beschlossen, das geltende Regelwerk zu überprüfen. Über Jahre hatte sich die Mehrheit der Ärzteschaft vehement gegen eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots gewehrt und zumindest einen persönlichen Erstkontakt zwischen Medizinern und Patienten eingefordert. Ausnahmen bilden bisher Modellprojekte, besonders in Baden-Württemberg, wo die ausschließliche Fernbehandlung erprobt wird.

Ein Grund dafür ist die Nähe zur Schweiz, die als Vorreiter in der Telemedizin gilt. Dort bieten Firmen seit dem Jahr 2000 rund um die Uhr ärztliche Beratungen per Telefon oder Video an und stellen auch Rezepte aus.

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