Fortschritte im Kampf gegen die Diabetes-Epidemie Der süße Fluch

Die Zahl der Diabetiker steigt rasant - die Prognosen für die Zukunft sind düster. Kann die Forschung die Epidemie stoppen? Auf dem deutschen Diabetes Kongress präsentieren Mediziner ihre derzeit größten Hoffnungen.

Würfelzucker: Bei Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel zu hoch - das kann zu schweren Folgeerkrankungen führen
Corbis

Würfelzucker: Bei Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel zu hoch - das kann zu schweren Folgeerkrankungen führen


Von Gesunden wird er oft unterschätzt, dabei zählt Diabetes zu jenen Volkskrankheiten, die Mediziner am meisten fürchten. Ganze Menschenmassen leiden daran, Schätzungen zufolge wird die Zahl der Diabetiker drastisch weiter steigen: 2035 könnten es weltweit 600 Millionen sein.

Auch in Deutschland haben derzeit mehr als sechs Millionen Diabetiker mit der Zuckerkrankheit und deren zum Teil sehr schwerwiegenden Folgeerkrankungen zu kämpfen. Zwar sind die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren besser geworden. "Dennoch sind etliche Fortschritte bei der Prävention, Therapie und Diagnose nötig", sagt Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München. Sie ist die diesjährige Präsidentin des Diabetes Kongress 2014 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der von Mittwoch bis Samstag in Berlin stattfindet.

Dort stellen Experten ihre neuesten Erkenntnisse und Entwicklungen im Kampf gegen Typ-1- und Typ-2-Diabetes vor. SPIEGEL ONLINE präsentiert die Kongress-Highlights im Überblick:

Diabetes mellitus
Honigsüßer Durchfluss
Der Diabetes mellitus (wörtlich aus dem Griechischen: "honigsüßer Durchfluss"), umgangssprachlich Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselstörung. Der Name bezieht sich auf den zuckerhaltigen Urin, an dessen Süße die Krankheit in der Antike erkannt wurde. Heute gilt Diabetes als Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die durch zu hohe Blutzuckerwerte, die Hyperglykämie, gekennzeichnet sind. Der Grund dafür ist, dass Traubenzucker (Glukose) wegen eines Insulinmangels nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden kann und sich im Blut anreichert.
Typ-1-Diabetes
Beim Typ-1-Diabetes, von dem fünf bis zehn Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind, zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Symptome des fortschreitenden Insulinmangels beginnen meist in der Kindheit oder der Jugend: Die Blutzuckerkonzentration steigt extrem an, es kommt zu starkem Wasser- und Nährstoffverlust, was ständigen Durst und häufiges Erbrechen zur Folge hat. Auch eine schnelle Gewichtsabnahme gehört zu den Symptomen. Als Therapie müssen die Diabetiker sich Insulin selbst spritzen. Als Ursache von Typ-1-Diabetes werden genetische Veränderungen vermutet.
Typ-2-Diabetes
Der Typ-2-Diabetes wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet. Im Zuge wachsender Zahlen übergewichtiger Menschen insbesondere in den Industrieländern erkranken aber immer öfter auch junge Menschen und inzwischen sogar Kinder am Typ-2-Diabetes. Falsche Ernährung gilt als die Hauptursache der Krankheit: Die großen Mengen von Zucker, die dem Körper zugeführt werden, kann die Bauchspeicheldrüse in jungen Jahren noch durch eine verstärkte Insulinproduktion wettmachen. Im Laufe der Zeit versiegt aber die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse und auch die Zellen werden unempfindlicher für das Insulin, sodass die Glukose immer schlechter abgebaut wird und sich im Blut anreichert.

Im Unterschied zum Typ 1 gibt es beim Typ-2-Diabetes lange keine eindeutigen Symptome wie etwa verstärktes Wasserlassen oder Durstgefühl, sondern eher unspezifische Anzeichen wie ein ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit. Typ-2-Diabetes kann anfangs durch gesündere Ernährung, mehr Bewegung und Abnehmen bekämpft werden. Gelingt das nicht, sind später Medikamente zur Regulierung des Blutzuckers und auch eine Insulintherapie notwendig.
Verbreitung
Diabetes gehört schon heute zu den größten Volkskrankheiten und wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich dramatisch ausbreiten. Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 150 Millionen Zuckerkranke, Tendenz stark steigend.

In Deutschland lebten laut Einschätzungen der DEGS Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts 7,2 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren mit Diabetes, demnach sind 4,6 Millionen Personen betroffen. Bei den 70- bis 79-Jährigen ist mehr als jeder Fünfte an Diabetes erkrankt (21,9 Prozent). Die Zahl der Erkrankungen ist zwischen 1997 und 2010 um 38 Prozent angestiegen, davon sind nur 14 Prozent durch die Alterung der Bevölkerung zu erklären.

insgesamt 38 Beiträge
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mcvitus 28.05.2014
1. Ein bewährtes Patentrezept:
Gruselige Warnhinweise und amputierte Gliedmaßen auf alles Süße, ähnlich wie bei Tabakprodukten. Dann noch das Essen von zuckerhaltigen Speisen jeder Art in öffentlichen Gebäuden verbieten. Das funktioniert bestimmt und die Fetten werden nebenbei auch noch weniger. Viola!
js48111 28.05.2014
2. Innovation!!
Alle reden um den heißen Brei herum und sagen es nur unter vorgehaltener Hand "Insulin macht DICK". Und die Frechheit ist, man schiebt dem Patinenten die schuld zu. Ich kann es nicht diesen Satz nicht mehr hören "richtige Ernährung und Bewegung". Das wird gebetsmühlenartig daher geschwätzt. Ich warte noch darauf, dass wenn ich mir den Zehen breche mein Arzt zu mir sagt "richtige... :-( Meine Frau hat sehr gute Erfahrungen mit einer neuen Therapieform gemacht. Das Wundermittel sind Tabletten und heißen Forxiga mit dem Wirkstoff Dapagliflozin. Sie hat gute Werte obwohl sie das 24 Stunden Insulin weggelassen hat und das Humalog Insulin bei gleichem Essverhalten deutlich reduzieren konnte. Derzeit schlägt die Therapie Gewichtsneutral mit tendenzieller Gewichtsreduzierung an. Die Wirkungsweise siehe Link. http://de.wikipedia.org/wiki/Dapagliflozin
js48111 28.05.2014
3. Innovation!!
Alle reden um den heißen Brei herum und sagen es nur unter vorgehaltener Hand "Insulin macht DICK". Und die Frechheit ist, man schiebt dem Patinenten die schuld zu. Ich kann es nicht diesen Satz nicht mehr hören "richtige Ernährung und Bewegung". Das wird gebetsmühlenartig daher geschwätzt. Ich warte noch darauf, dass wenn ich mir den Zehen breche mein Arzt zu mir sagt "richtige... :-( Meine Frau hat sehr gute Erfahrungen mit einer neuen Therapieform gemacht. Das Wundermittel sind Tabletten und heißen Forxiga mit dem Wirkstoff Dapagliflozin. Sie hat gute Werte obwohl sie das 24 Stunden Insulin weggelassen hat und das Humalog Insulin bei gleichem Essverhalten deutlich reduzieren konnte. Derzeit schlägt die Therapie Gewichtsneutral mit tendenzieller Gewichtsreduzierung an. Die Wirkungsweise siehe Link. http://de.wikipedia.org/wiki/Dapagliflozin
GrinderFX 28.05.2014
4.
Wäre es nicht besser etwas an der Ursache zu ändern als einfach nur ein Pflaster auf die Wunde zu kleben?
dr.u. 28.05.2014
5. So isses
Zitat von GrinderFXWäre es nicht besser etwas an der Ursache zu ändern als einfach nur ein Pflaster auf die Wunde zu kleben?
Ich kann nur "Pure, White and Deadly" von John Yudkin empfehlen. Das Buch ist von 1972, bzw. 1986 (überarbeitet) und es ist erschreckend, was man damls alles schon über Zucker und seine Auswirkungen auf den Organismus wusste. Da die Zuckerindustrie von eben nur diesem einen Produkt abhängig ist; Zucker, ist es auch kein Wunder, dass sie alles legalen und illegalen Maßnahmen ergreift, um den Zuckerabsatz hoch zu halten und gleichzeitig das Bewustsein um die Schädlichkeit des Zucker in den Köpfen der Menschen/Konsumenten klein. Der Mensch ist was er ißt. Einige Beispiele: * Zucker fördert die Insulinresistenz der Körperzellen * Zucker bevördert Entzündungsrekationen, * Zucker macht süchtig; wie Nikotin, Alkohol und andere Drogen auch * Zucker erhöht die Neigung von Trombozyten zusammen zu klumpen. * Zucker erhöht den Insulinspiegel * Insulin verhindert die Fettverbrennung; Zucker wird in Fett umgewandelt und eingelagert; Fettzellensind hormonell tätig (Histamine, etc.) * Zucker konkurriert mit Vitamin-C um das Insulin zum Einschleusen in die Zellen * Zucker erhöht nahezu alle Schadstoffe, die zu Herzkreislaufbeschwerden führen (LDL-Cholesterin, Triglyceride, ...) * Zucker, besonders in den in den Industrieländern verbraucheten Por-Kopf-Mengen, ist ein Gift * Zucker liefert nur Energie ("leere Klaorien"; keine Nähr- und Vitalstoffe * Zucker ist nicht essentiell!! * Zucker macht Speisen schmackhaft, vor allem wenn ihnen das Fett entzogen wurde (sog. "Light" Produkte). Daher istt man oft zu viel dieser Speisen (zu hohe Gesamt-Kalorienaufnahme) * Zucker als Ersatz für Fett (Geschmacksträger) hat mit dem Hype um Light-Produkte erst richtig zur Verfettung ganzer Gesellschaften geführt Ein Umdenken beim Thema Ernährung ist nötig. Nicht Fett macht Menschen fett und krank, sondern Zucker!
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