Amnog Neue Diabetes-Medikamente nicht immer besser

Nur zwei von drei neuen Diabetes-Mittel bieten einen Zusatznutzen gegenüber etablierten Medikamenten, hat der Gemeinsame Bundesausschuss jetzt entschieden. Für die Hersteller geht es um viel Geld, für die Patienten um die Frage, welche Medikamente ihnen zur Verfügung stehen.
Blutzuckerkontrolle: Verhandlungen um den Medikamentenpreis

Blutzuckerkontrolle: Verhandlungen um den Medikamentenpreis

Foto: Tobias Hase/ picture-alliance/ dpa

Berlin - Im Streit um neuartige Diabetes-Medikamente hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Dienstag eine Entscheidung getroffen. Demnach erkennt das oberste Selbstverwaltungsgremium im Gesundheitswesen bei den Wirkstoffen Sitagliptin und Saxagliptin einen geringen Zusatznutzen im Vergleich zu etablierten Medikamenten, für Vildagliptin dagegen nicht.

Bewertet wurden die Wirkstoffe einzeln sowie entsprechende Wirkstoffkombinationen mit Metformin. Alle Präparate werden bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes, der Zuckerkrankheit, eingesetzt.

Für Sitagliptin und Saxagliptin gebe es Daten, dass Patienten seltener an potentiell gefährlichen Unterzuckerungen litten als bei Vergleichsbehandlungen mit älteren Medikamenten, so der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken. "Bei Vildagliptin hingegen waren die bewerteten Studien nicht geeignet, einen Zusatznutzen zu zeigen."

Hecken betonte, dass bisher für alle drei Arzneimittel Langzeitdaten zum Beispiel zu Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und mögliche Folgekrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall fehlten und auch nichts über die Langzeitsicherheit für Patientinnen und Patienten bekannt sei. "Einige Studien sind momentan allerdings noch nicht beendet. Der G-BA hat sich daher kein abschließendes Gesamtbild zum Zusatznutzen gemacht und seine Beschlüsse bei diesen ersten Bestandsmarktbewertungen befristet", so Hecken.

Preisverhandlung: So funktioniert das Amnog (für Großansicht bitte klicken)

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Foto: SPIEGEL ONLINE

Diabetiker müssen grundsätzlich nicht fürchten, ganz ohne Medikamente für die Zuckerkrankheit dazustehen, obwohl die Beschlüsse des G-BA sofort mit der Verkündung in Kraft treten. Die Frage des Zusatznutzens ist vor allem für die Preisverhandlungen für die Erstattung von Arzneimittelkosten zwischen gesetzlichen Krankenkassen und den Herstellern der Medikamente wichtig. Im gemeinsamen Bundesausschuss sitzen unter anderem Vertreter beider Seiten.

Entscheidet der G-BA gegen einen Zusatznutzen neuer Medikamente gegenüber bereits verfügbaren Therapien, dann hat das deutliche Auswirkungen auf den Preis, den die Hersteller für das Produkt von den Krankenkassen bezahlt bekommen. In der Folge kann das heißen, dass ein neues Produkt in Deutschland nicht verfügbar ist. Zwar ist das Medikament weiterhin zugelassen und könnte auch vertrieben werden, der Hersteller bietet es aber unter Umständen nicht an.

Der G-BA überprüft mittlerweile nicht mehr nur den Zusatznutzen neuer Medikamente im Vergleich mit bereits verfügbaren Arzneimitteltherapien, sondern untersucht auch den sogenannten Bestandsmarkt. Damit sind Arzneimittel gemeint, die bereits vor dem Stichtag 1. Januar 2011 auf den Markt gebracht worden sind.

Zuletzt hatte es Streit um die Nutzenbewertung und die Preisverhandlungen gegeben, als im Rahmen der Vorstellung des Arzneiverordnungsreports 2013 diskutiert wurde, ob die Industrie statt der komplizierten Verhandlungen einfach eine pauschale Zahlung leisten könnte. G-BA-Chef Hecken war in die Kritik geraten, weil die Autoren des Arzneiverordnungsreports vorrechneten, dass ohne den Deal "wesentlich größere Einsparungen" erzielt werden könnten.

dba
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