Bauchschmerzen Wenn Divertikel Ärger machen

Ausstülpungen in der Darmwand sind meist harmlos. Manchmal entzünden sich die Divertikel aber und bereiten heftige Schmerzen. Dann wird mitunter sogar eine Operation notwendig.
Bauchschmerzen: Eine ballaststoffarme Ernährung und Übergewicht können die Entstehung von Divertikeln fördern

Bauchschmerzen: Eine ballaststoffarme Ernährung und Übergewicht können die Entstehung von Divertikeln fördern

Foto: Corbis

Heftige Schmerzen im rechten Unterbauch, eine angespannte Bauchdecke, Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit. Nicht nur Ärzte denken da zu Recht schnell an eine Blinddarmentzündung, bei der schnell gehandelt werden sollte. Doch mitunter sind andere Erkrankungen für die Beschwerden ursächlich.

Viele Menschen haben etwa Aussackungen der Darmwand, die auch Divertikel genannt werden. Meist machen sie keine Probleme, aber sie können sich entzünden und sich ebenfalls durch rechts- oder linksseitige Unterbauchbeschwerden äußern. Wie häufig Divertikel vorkommen in der Bevölkerung, ist schwer zu schätzen. Einer ärztlichen Leitlinie zufolge haben 28 bis 45 Prozent der Gesamtbevölkerung Divertikel und mehr als 60 Prozent der 70-Jährigen.

Für ein gehäuftes Auftreten von Darmkrebs oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bei Divertikel-Trägern gibt es keine Belege. Ärger können sie trotzdem machen: "Wir gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Menschen mit Divertikeln Beschwerden bekommen durch eine Entzündung oder eine Blutung mit mehr oder weniger schwierigem Verlauf", sagt Christoph-Thomas Germer von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Berlin. Zum überwiegenden Teil tritt eine Divertikulitis, also eine Entzündung der Aussackungen, im sogenannten Sigma auf. Das ist ein gewundener Dickdarmteil im linken Unterbauch kurz vor Beginn des Mastdarms (Rektum).

Wie entstehen Divertikel?

Die Darmwand besteht aus verschiedenen Bindegewebs- und Muskelschichten. Unter anderem an den Stellen, wo Gefäße das Blut zuführen, können die Ausstülpungen entstehen. Es scheint eine erbliche Veranlagung zu geben, ebenso werden Übergewicht und ballaststoffarme Ernährung als Ursachen diskutiert - dies lässt sich in Studien allerdings nur schwer beweisen.

Wenn sich in den Divertikeln Stuhl und Bakterien sammeln, kann eine Entzündung entstehen. Bei Verdacht auf eine Divertikulitis untersucht der Arzt den Bauch des Patienten. "Dann nehmen wir in der Regel Blut ab, lassen Entzündungswerte bestimmen und machen eine Untersuchung per Ultraschall", erläutert Wolfgang Burmeister vom Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen in Hamburg. Eine Darmspiegelung sollte während eines Entzündungsschubs nur in Ausnahmefällen erfolgen, eventuell werden Computertomografie-Aufnahmen veranlasst. Als mögliche alternative Ursache haben die Ärzte unter anderem einen Reizdarm im Blick.

"Wenn ein Patient nur leichte Beschwerden hat, kein Fieber aber regelmäßigen Stuhlgang, muss man nicht sofort Antibiotika geben und kann den Patienten über Nacht nach Hause schicken", sagt Burmeister. Der Patient sollte dann viel trinken, sich beim Essen etwas zurückhalten, nicht zur Arbeit gehen und am nächsten Tag wiederkommen, um erneut untersucht zu werden. "Das wird natürlich schwierig, wenn es Wochenende ist", so Burmeister, "der Patient muss dann wissen, dass er bei einer Verschlechterung auf jeden Fall zur Abklärung in die Klinik gehen muss."

Bei komplizierten Verläufen und bestimmten Patienten raten die Ärzte zu Antibiotika

"Menschen mit Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Allergieneigung und einem schwachen Immunsystem haben ein höheres Risiko, dass sich Divertikel entzünden und dass es zu Komplikationen kommt", sagt Ludger Leifeld von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Berlin. Auch bestimmte Medikamente erhöhen demnach das Risiko, etwa Kortisonpräparate oder nichtsteroidale Antiphlogistika wie Ibuprofen und Diclofenac. "Daher sollten Menschen mit Divertikeln auch besser auf diese Medikamente verzichten, wenn möglich", sagt Leifeld, der auch die Medizinische Klinik am St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim leitet.

Und wann müssen Divertikulitis-Patienten operiert werden? "Wenn zum Beispiel eine starke Blutung aus den Divertikeln besteht, der Darm an einer Stelle perforiert ist und freie Luft im Bauchraum vorliegt, dann sind das in der Regel Fälle für eine Notfalloperation", sagt Germer vom Universitätsklinikum Würzburg. Bei unkompliziert verlaufenden Divertikulitis-Schüben, die regelmäßig wiederkehren, könne es zu Verengungen im Darm kommen oder zu Verbindungsgängen zwischen den Darmschlingen. Auch dies sei Grund für eine OP.

Früher habe man den betroffenen Darmabschnitt aus Sorge vor einem späteren Darmdurchbruch bereits nach dem zweiten Entzündungsschub vorsorglich entfernen lassen, so Germer. Doch in Studien zeigte sich, dass der erste Schub in dieser Hinsicht der gefährlichste ist. "Und eine vorsorgliche Operation kann das Auftreten von Komplikationen nicht günstig beeinflussen", sagt Germer. "Man sollte sehr genau schauen, was für einen Patienten man vor sich hat."

Von Christiane Löll, dpa
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