Drogen- und Suchtbericht 2018 Jeder Sechste in Deutschland trinkt zu viel Alkohol

40 Milliarden Euro - so hoch ist, abgesehen von den Folgen für die Betroffenen, der volkswirtschaftliche Schaden durch Alkohol in Deutschland pro Jahr. Welche Drogen werden außerdem konsumiert - und wer ist vor allem gefährdet?
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Jeder sechste Mensch in Deutschland trinkt zu viel Alkohol. Zu diesem Ergebnis kommt der Drogen- und Suchtbericht 2018  der Bundesregierung. Demnach entsteht durch die Folgen des Alkoholkonsums ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von knapp 40 Milliarden Euro jährlich.

"Alkohol wird in Deutschland noch deutlich zu viel und vor allem viel zu gedankenlos getrunken", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol in den vergangenen 40 Jahren zurückgegangen ist, zählt Deutschland im internationalen Vergleich damit weiter zu den Hochkonsumländern.


Riskanter Alkoholkonsum

In diese Kategorie fielen Frauen, die mehr als 10 Gramm reinen Alkohol pro Tag zu sich nehmen. Bei Männern wurde ab einer Menge von 20 Gramm pro Tag gezählt. Zehn Gramm Alkohol stecken beispielsweise in einem kleinen Glas Bier (250 Milliliter).


Die Folgen des Alkoholkonsums zeigen sich auch in der Behandlungsstatistik. Unter allen Suchtmitteln war Alkohol 2016 in Deutschland der mit Abstand häufigste Grund für eine Therapie:

  • Bei den ambulanten Behandlungen gingen 49 Prozent der Therapien auf eine Alkoholsucht zurück. Mit 17,8 Prozent folgte Cannabis auf dem zweiten Platz, Opioide waren der Grund für 13,7 Prozent der ambulanten Suchtbehandlungen.
  • Bei den stationären Behandlungen - also kurzfristigen Behandlungen im Krankenhaus und langfristigeren Entwöhnungen in Rehaeinrichtungen - war die Rolle des Alkohols noch deutlicher. Hier gingen 68,8 Prozent der Diagnosen auf eine Alkoholsucht zurück, 9,2 Prozent auf Cannabis und 5,2 Prozent auf Opioide.

Die Altersstruktur der Patienten variierte stark je nach Substanz, schreiben die Autoren des Berichts. Patienten mit einer Cannabisabhängigkeit waren demnach im Mittel am jüngsten, Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit im Schnitt am ältesten.

Außerdem zeigen die Daten, dass Suchterkrankungen Männer deutlich häufiger treffen. Unter den stationär Behandelten befanden sich laut den Zahlen drei Mal mehr Männer als Frauen.

Rauchen: Positiver Trend, aber mehr E-Zigaretten

Deutlich positiver als beim Alkohol fallen die Nachrichten im Hinblick auf Zigaretten aus: Der Anteil rauchender Jugendlicher hat sich dem Drogenbericht zufolge in den vergangen zehn bis 15 Jahren um zwei Drittel verringert. Auch bei Erwachsenen ist die Raucherquote seit 2003 um etwa 30 Prozent gesunken. Das Problem trifft jedoch weiterhin noch viele Sozialschwache.

Bei elektronischen Zigaretten hingegen dokumentierten die Autoren eine Zunahme des Konsums. "Vor allem jüngere Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren probieren E-Zigaretten aus: In dieser Altersgruppe hat fast ein Fünftel jemals E-Zigaretten verwendet, mit zunehmendem Alter nimmt dieser Anteil kontinuierlich ab", schreiben die Autoren. Der regelmäßige Konsum liege jedoch deutlich niedriger, viele bleiben also nicht dabei.

Noch ist nicht abschließend geklärt, wie schädlich E-Zigaretten sind. Da die Liquids Nikotin enthalten, können sie wie Zigaretten süchtig machen. Die Konzentration weiterer Schadstoffe im Nebel der E-Zigaretten liege allerdings deutlich unter der im Rauch der konventionellen Zigaretten, schreiben die Autoren.

Mehr als acht Tonnen Kokain - neuer Rekord

Neben den gesundheitlichen Folgen des Drogenkonsums behandelt der Report auch Maßnahmen im Kampf gegen illegale Drogen. Demnach ist die Menge des sichergestellten Cannabis in Deutschland im vergangenen Jahr gestiegen - auf 9026 Kilogramm. In den vergangenen zehn Jahren wurde nur 2014 noch mehr Cannabis beschlagnahmt.

Beim Kokain erreichten die Ermittler einen neuen Rekord: Insgesamt wurden vergangenes Jahr 8166 Kilogramm der Droge sichergestellt, so viel wie noch nie. Die Ursache hierfür seien mehrere Großfunde in den deutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven, heißt es in dem Bericht. Auch bei Amphetamin zogen die Drogenfahnder mit 1669 Kilogramm eine so große Menge aus dem Verkehr wie nie zuvor.

Einen deutlichen Rückgang gab es hingegen bei Ecstasy (knapp 700.000 Tabletten); bei Heroin (298 Kilogramm) und Opium (50 Kilogramm) sanken die Werte nur leicht. Dafür seien jedoch in anderen Teilen Europas große Mengen Heroin gefunden worden, schreiben die Autoren. Bei Crystal Meth stiegen die Mengen erstmals nach drei Jahren wieder an, auf 114 Kilogramm.

"Die erfolgten Sicherstellungen in Europa lassen auf eine anhaltend hohe Verfügbarkeit von Kokain und Heroin sowie eine Nachfrage auf hohem Niveau schließen. Crack spielt bundesweit eine untergeordnete Rolle und ist lediglich in den Städten Frankfurt und Hamburg vermehrt feststellbar", schlussfolgern die Autoren.

irb
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