Wintersonnenwende Schlafen und Bewegung dämpfen den Dunkelheitsfrust

Der Wunsch nach Schlaf ist selten so groß: Am Samstag erreicht die dunkle Jahreszeit ihren Höhepunkt, und mit ihr der Kampf gegen die Müdigkeit. Ein paar Tricks können gegen den Dunkelheitsüberdruss helfen.

Bewegung im Freien: Hilft, die dunkle Jahreszeit gut zu überstehen
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Bewegung im Freien: Hilft, die dunkle Jahreszeit gut zu überstehen


Wenn morgens um acht der Himmel lilafarben leuchtet und Nachmittags um vier die Sonne schon wieder hinterm Horizont versinkt, beherrschen Müdigkeit und Schlappheit das Empfinden vieler. Die Tage beginnen, sich zu ziehen; acht Uhr am Morgen fühlt sich an wie sechs Uhr in der Früh; drei Uhr am Nachmittag wirkt wie sieben Uhr am Abend.

Um auch in den besonders dunklen Wochen möglichst fit zu bleiben, empfiehlt der Chronobiologe Till Roenneberg Spaziergänge und viel Schlaf. "Der Winter ist per se eine Jahreszeit, in der wir länger schlafen. Man sollte deshalb versuchen, seinem Schlafbedürfnis nachzugeben und auch akzeptieren, dass man schlapp ist und Ruhe braucht", sagt Roenneberg, der an der Uni München arbeitet. Am Samstag (21. Dezember) ist Wintersonnenwende, ab dann werden die Tage wieder länger.

Mangel an natürlichem Licht

"Wir sind nicht mehr genug draußen und bekommen nicht mehr genug natürliches Licht", sagt Fachmann Roenneberg. "Sollte man sich zu melancholisch fühlen, kann man dem entgegenarbeiten und viel nach draußen gehen." Das Licht unter freiem Himmel sei auch bei schlechtem Wetter viel intensiver als drinnen."Wenn man viel rausgeht, kann man außerdem nicht nur der schlechten Stimmung entgegenarbeiten, sondern am Abend auch besser schlafen."

In geschlossenen Räumen erreicht Lampenlicht maximal 500 Lux, selbst an grauen Wintertagen sind es draußen rund 7000 Lux. Mit wolkenfreien Sommertagen konkurrieren können diese Zahlen allerdings nicht: Dann erreicht das Licht draußen mitunter auch eine Stärke von 100.000 Lux.

Laut Roenneberg sind die meisten Menschen es nicht mehr gewohnt, den jeweiligen Jahreszeiten angepasst zu leben. "Sie wollen jederzeit topfit und aktiv sein. Doch das ist ein Fehler, weil wir als biologische Lebewesen in der Jahresstruktur leben."

Energiesparmodus ist Winterschlaf des Menschen

In den Wintermonaten verändere der Körper unter anderem seine Präferenzen für Nahrung, erklärte Roenneberg. "Im Winter isst man mehr Kohlenhydrate, im Sommer mehr Proteine. Die Tatsache, dass wir Weihnachtsplätzchen backen, hat also unter Umständen nicht nur traditionelle Gründe, sie sind schnelle Energienahrung."

Im Prinzip seien das körperliche und seelische Tief im Winter nichts anderes als der Winterschlaf des Menschen, bestätigt auch Psychiater Dieter Kunz in einem Interview auf SPIEGEL ONLINE. Evolutionär gesehen sei dieser Energiesparmodus sinnvoll gewesen, um den Winter zu überstehen.

REGELN FÜR EINEN PERFEKTEN SCHLAF - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

irb/dpa

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
tetaro 19.12.2013
1.
Zitat von sysopDPADer Wunsch nach Schlaf ist selten so groß: Am Samstag erreicht die dunkle Jahreszeit ihren Höhepunkt, und mit ihr der Kampf gegen die Müdigkeit. Ein paar Tricks können gegen den Dunkelheits-Überdruss helfen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/dunkelheit-muedigkeit-mit-schlaf-und-spazieren-bekaempfen-a-940129.html
Ich freue mich immer über gute "Tipps" die implizit voraussetzen, dass ich Herr meiner Zeit (wie vielleicht der Autor) bin. Die unumstößliche Praxis für den Normalbürger: Gewöhnlich kommt man morgens im Dunkeln ins Büro und geht nachmittags im Dunkeln. Und mit ein bisschen mehr Schlafen wird's zwischendurch auch nichts.
mablez 19.12.2013
2.
tetaro: Dem Körper ist es trotzdem vollkommen pumpe, ob man einen langen Arbeitstag hat. Will man der Winterdepression und -müdigkeit auf natürlichem Wege entgegenwirken, das sind die Möglichkeiten. Wer partout der Meinung ist, es sei unmöglich im Winter mehr zu schlafen und sich öfter bei Tageslicht draußen aufzuhalten, für den gibt es ja noch Antidepressiva, Schlafmittel, Kaffe und Energydrinks ;)
jujo 19.12.2013
3. ...
Zitat von sysopDPADer Wunsch nach Schlaf ist selten so groß: Am Samstag erreicht die dunkle Jahreszeit ihren Höhepunkt, und mit ihr der Kampf gegen die Müdigkeit. Ein paar Tricks können gegen den Dunkelheits-Überdruss helfen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/dunkelheit-muedigkeit-mit-schlaf-und-spazieren-bekaempfen-a-940129.html
Ich habe mir beizeiten antrainiert, berufsbedingt als Seemann, jede Gelegenheit, wann immer zu schlafen. Bei mir funktioniert es immer noch so, das ich schlafen kann, wenn ich müde bin, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Helligkeit oder Dunkelheit. Ich würde nie auf Idee kommen irgendwelche Mittel zu nehmen, sei es um wach zu bleiben oder um schlafen zu können. Jetzt in Schweden lebend, sehnt man sich schon nach längerer Helligkeit. Es ist so wie es ist, für mich ist nicht lohnend sich darüber Gedanken zu machen ob ich vielleicht "Winterdepressiv" bin. Man sollte das ganze gelassen sehen. Das einzige was mich stört ist das ich auf dem Grundstück noch vom Sturm umgelegte Bäume habe, habe aber keine Böcke jetzt in der feuchten Kühle mit der Kettensäge loszuziehen, der März kommt mit Sicherheit!
peddersen 19.12.2013
4.
Zitat von tetaroIch freue mich immer über gute "Tipps" die implizit voraussetzen, dass ich Herr meiner Zeit (wie vielleicht der Autor) bin. Die unumstößliche Praxis für den Normalbürger: Gewöhnlich kommt man morgens im Dunkeln ins Büro und geht nachmittags im Dunkeln. Und mit ein bisschen mehr Schlafen wird's zwischendurch auch nichts.
Wer kann, solls eben machen. DAS ist die Grundlage der Tips. Wenns nicht geht, gehts nicht. Obwohl: bei uns ist es um 8.15 Uhr hell und um 16.30 wieder dunkel. Dazwischen wird für den einen oder anderen Zeit für ein halbes Stündchen Spaziergang sein. Und daß man soviel arbeitet, daß man nicht 8+X Stunden schlafen kann? - naja. Dann sollte man daran vielleicht was ändern. Nicht nur im Sinne der Winterdepression. Es wird immer soviel davon gesprochen, wie sehr uns Leute, die mal eine rauchen, ein Gläschen Wein trinken, oder gar Butter aufs Brot streichen, der "Gemeinschaft ( :) ) auf der Tasche liegen. Das sollte mal auch auf die Arbeitswelt - dem allerersten Krankmacher- übertragen werden.
micimocko 19.12.2013
5.
Ich kann dem Autor nur recht geben - wir sind ständig bemüht, effizient zu sein und möglichst viel unter einen Hut zu bringen, aber wenn die Tage gefühlt kürzer sind als im Sommer und noch dazu der Himmel verhangen ist, warum erwarten wir dann eigentlich die gleiche Leistungsstärke von uns, wie im Sommer bei langen Tagen und viel Sonne? Wir sollten uns für das neue Jahr vornehmen, rücksichtsvoller mit uns zu sein!
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