Dampfen auf dem Schulhof Krebsforscher warnen vor E-Shishas

Bei Jugendlichen sind nikotinfreie Einweg-E-Zigaretten beliebt. Doch das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt vor den E-Shishas. Die Experten sehen gleich mehrere Gefahren.

Geschmacksrichtung Gummibärchen, Keks oder Schokolade: Einige Sorten sogenannter E-Shishas sprechen gezielt Jugendliche an - mit Erfolg. Zeljko Malinovic kann das bestätigen, er unterrichtet Physik an der Gustav-Heineman-Schule in Mülheim an der Ruhr. Vor einiger Zeit hatte ein Kiosk in unmittelbarer Nähe der Gesamtschule E-Shishas im Angebot, also Einweg-E-Zigaretten, die kein Nikotin enthalten. "Wir mussten feststellen, dass selbst 13- bis 14-Jährige diese Produkte kauften, da haben wir als Kollegium reagiert", sagt Malinovic. Die Schulleiterin schaltete Ordnungs- und Gesundheitsamt ein, der Verkauf wurde eingestellt.

"Wir als Lehrer hatten uns Sorgen gemacht, weil man die gesundheitlichen Risiken der E-Shishas bisher nicht einschätzen kann", sagt Malinovic. Außerdem glaubt er, dass das Ritual des Rauchens ein möglicher Einstieg in den Tabakkonsum sein kann. "Von meinem Sohn weiß ich, dass einige Schüler echte Zigaretten ausprobieren, nachdem sie mit der E-Shisha angefangen haben."

Die Sorge des Lehrers teilen auch Krebsforscher. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat am Mittwoch in einer Stellungnahme  auf die Risiken des Dampfens hingewiesen. Die Debatte ist kontrovers, denn andere Wissenschaftler betonen durchaus die Vorteile der E-Zigaretten. Sie hätten das Zeug, tabakbedingte Krankheiten und Todesfälle zu eliminieren, sagte etwa der britische Suchtforscher Peter Hajek kürzlich im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

"Gesundheitlich bedenklich"

"E-Zigaretten sind gesundheitlich bedenklich", heißt es nun in der DKFZ-Veröffentlichung. Eine Krebsgefährdung "könne nicht ausgeschlossen werden". Es sei zudem fraglich, ob E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung helfen können oder sie nicht sogar erschweren.

In zehn Punkten beziehen die Krebsforscher Position zur aktuellen Debatte um die Dampf-Zigaretten. Und fordern konkret: Es gelte sicherzustellen, dass Kinder und Jugendliche nicht durch aggressives Marketing zum Konsum verführt werden.

"Die Produkte gaukeln gezielt Harmlosigkeit vor", sagt Martina Pötschke-Langer, Expertin vom DKFZ. Das gelte in besonderem Maße für E-Shishas. Auch in diesen werden Liquids mit Aromastoffen verdampft. Anders als die meisten E-Zigaretten sind sie aber nicht nachfüllbar, sondern werden als Einwegprodukte bereits mit Liquid befüllt verkauft. Häufig mit der Bezeichnung "Shisha to go" und zu Preisen um die zehn Euro, die für Schüler erschwinglich sind. Nikotin ist in der Regel nicht enthalten.

Das Design der Verdampfer ist oft einer Shisha, einer arabischen Wasserpfeife, nachempfunden. "Mit der haben die Produkte aber sonst wenig zu tun", sagt Pötschke-Langer. "Der Begriff E-Shisha ist ein Etikettenschwindel, um Kinder und Jugendliche anzusprechen. Es handelt sich um E-Zigaretten, sie werden lediglich unter anderem Namen verkauft."

Beim Einatmen von E-Zigaretten wird ein Chemie-Cocktail inhaliert, vor dem die Krebsforscher in ihrem Positionspapier warnen:

  • Das enthaltene Propylenglykol kann die Atemwege reizen, wenn es regelmäßig eingeatmet wird.
  • Einige der verwendeten Aromastoffe können Allergien auslösen.
  • Die Liquids einiger Sorten enthalten Substanzen, die als krebsauslösend gelten.

Weniger schädlich als Tabakprodukte

Zwar halten Experten E-Shishas und E-Zigaretten für insgesamt weniger schädlich als Tabak-Zigaretten. Aber sie befürchten gleichzeitig, dass die Produkte junge Menschen an den Tabakkonsum heranführen könnten.

"Durch den E-Shisha-Konsum wird bei Kindern- und Jugendlichen möglicherweise die Hemmschwelle herabgesetzt, später herkömmliche Shishas oder Zigaretten zu konsumieren", sagt auch Iris Wurmbauer, Referentin für Suchtprävention bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die BZgA rät vom Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas generell ab.

An Malinovics Schule ist wie in den meisten Schulen das Rauchen von E-Zigaretten, E-Shishas und Tabak gleichermaßen verboten. Eine einheitliche Regelung, die den Verkauf der Produkte an Minderjährige verbietet, gibt es in Deutschland bisher aber nicht. Die DKFZ-Wissenschaftler fordern daher, E-Zigaretten endlich zu regulieren - auch um Kinder und Jugendliche zu schützen.

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