Streit um E-Zigaretten Was über die Risiken des Dampfens bekannt ist

Sie sind der Apotheke entkommen: E-Zigaretten dürfen weiter frei verkauft werden, hat ein Gericht entschieden. Das Dampfen ist zwar weniger schädlich als Tabakrauch, birgt aber ebenfalls Gefahren. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Dampf statt Rauch: Weniger Schadstoffe, aber auch weniger erforscht

Dampf statt Rauch: Weniger Schadstoffe, aber auch weniger erforscht

Foto: FREDERIC J. BROWN/ AFP

Der therapeutische Zweck und die genaue gesundheitliche Wirkung war den Richtern einfach nicht ersichtlich: E-Zigaretten sind keine Arzneimittel, das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Der Beschluss erspart den Herstellern langwierige Zulassungen, auch werden die E-Zigaretten nicht in die Apotheke verbannt. Die Diskussion um Nutzen und Risiken der umstrittenen Verdampfer wird das Urteil aber nicht stoppen können. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was sind Liquids, und wie funktionieren E-Zigaretten?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten verbrennen E-Zigaretten keinen Tabak, sondern verdampfen Flüssigkeiten. Diese sogenannten Liquids können Nikotin enthalten, häufig sind sie mit Geschmacksstoffen angereichert. Beim Verdampfen erwärmt eine winzige Heizspirale in den Zigaretten die Flüssigkeit. Der Konsument inhaliert dann den entstehenden Nebel.

Ein kleiner Akku betreibt eine Heizspule, die das Liquid verdampft

Ein kleiner Akku betreibt eine Heizspule, die das Liquid verdampft

Foto: DER SPIEGEL

Welche Vorteile haben E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten?

Der Dampf der E-Zigaretten enthält deutlich weniger schädliche und krebserregende Stoffe als Zigarettenrauch, dadurch ist der Konsum schonender als der von herkömmlichen Zigaretten. Das räumt auch das Deutsche Zentrum für Krebsforschung (DKFZ) ein , das eigentlich zu den Kritikern der E-Zigaretten gehört. "Ein vollständiger Umstieg vom Rauchen auf E-Zigaretten kann wahrscheinlich das Gesundheitsrisiko senken", heißt es in einer Stellungnahme.

Wie argumentieren Kritiker und Gegner der Zigaretten?

Befürworter der E-Zigaretten gehen davon aus, dass ein Umstieg vieler Raucher Krankheiten wie Lungenkrebs reduzieren könnte. Manche sehen in E-Zigaretten sogar die Möglichkeit, der Zigaretten-Abhängigkeit komplett zu entkommen. Wie sehr das Dampfen bei der Rauchentwöhnung tatsächlich hilft, ist allerdings fraglich. Studien zu dem Thema kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Kritiker hingegen befürchten, dass E-Zigaretten das Gegenteil bewirken: Da sie mit Aromen wie Apfel, Kirsche und Käsekuchen locken, könnten sie vor allem Jugendliche an das Rauchen heranführen und damit mehr Schaden anrichten, als Gutes durch die Rauchentwöhnung bewirken. Tatsächlich zeigen Umfragen, dass immer mehr Jugendliche die elektrischen Zigaretten ausprobieren. Bislang fehlt in Deutschland eine einheitliche Regelung, die verhindert, dass E-Zigaretten schon an Minderjährige verkauft werden können.

Einer der größten Knackpunkte in allen Diskussionen um das Dampfen ist, dass E-Zigaretten noch nicht lange genug auf dem Markt sind, um umfassend erforscht zu sein. Dies macht vor allem Aussagen über Langzeitrisiken unmöglich: Was passiert, wenn jemand über Jahre regelmäßig den Dampf einatmet? Man weiß es noch nicht. Genauso wenig ist bislang bekannt, wie sich der Dampf auf umstehende Menschen - also Passivdampfer - auswirkt.

Welche Risiken sind trotzdem heute schon bekannt?

Trotz der Unsicherheit existieren auch bei E-Zigaretten bereits konkrete gesundheitliche Bedenken. Zu den kritischsten bekannten Komponenten gehört - wenn vorhanden - das Nikotin. Egal ob in Rauch oder Dampf, der Stoff macht abhängig. Hinzu kommen verschiedene weitere Risiken für die Gesundheit, Nikotin schadet etwa in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind und fördert das Wachstum bestehender Tumore.

Auch wer ein Liquid ohne Nikotin auswählt, inhaliert nicht reinen Wasserdampf, sondern ein Chemikaliengemisch. Zwar sei die Menge der Kanzerogene, die in den Liquids und im Aerosol (also Dampf) einiger E-Zigaretten gefunden wurden, gering. Es gebe jedoch keinen Schwellenwert für die krebserregenden Stoffe, schreibt das DKFZ. "Daher kann, besonders bei Dauerkonsum, eine Krebsgefährdung nicht ausgeschlossen werden."

Daneben enthalten die Liquids größere Mengen Propylenglykol, das auch in Theaternebel eingesetzt wird. Menschen, die diesem regelmäßig ausgesetzt seien, leiden laut DKFZ vermehrt an akuten und chronischen Atemwegsreizungen. Wie genau der Stoff wirkt, wenn ihn Menschen wie bei E-Zigaretten längere Zeit inhalieren, das wissen Mediziner jedoch nicht. Es gibt noch viel zu tun.

irb