Jugendschutz Drogenbeauftragte fordert Werbeverbot für alle Rauchprodukte

E-Zigaretten gelten als harmloser als herkömmliche Zigaretten. Doch Werbung für Liquids mit Kaugummi- oder Popcorngeschmack könne Jugendliche zum Rauchen verleiten, sagt die Drogenbeauftragte - und will Konsequenzen.

Werbeplakat für E-Zigaretten: Drogenbeauftragte fordert Werbeverbot für alle Rauchprodukte
Norbert Schmidt/ imago images

Werbeplakat für E-Zigaretten: Drogenbeauftragte fordert Werbeverbot für alle Rauchprodukte


Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem Zigarettenhersteller für ihre Produkte werben dürfen. Wie schon Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nun auch die neue Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) für ein Verbot von Außenwerbung für Rauchprodukte jeglicher Art ausgesprochen - auch für E-Zigaretten.

"Ich fordere ein Werbeverbot für alle Rauchprodukte - egal, ob herkömmliche Zigarette, E-Zigarette, Verdampfer oder Erhitzer, egal ob mit Tabak und Nikotin oder ohne", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Nötig sei bis zum Jahresende eine klare "Regelung, die keinerlei Schlupflöcher lässt".

Insbesondere in der Union ist ein umfassendes Tabakwerbeverbot umstritten. In der vergangenen Legislaturperiode war ein Anlauf für ein Außenwerbeverbot am Widerspruch der Union gescheitert. Das Kabinett stimmte 2016 zwar einem Entwurf zu, Tabakwerbung auf Plakatwänden und im Kino ab 2020 weitgehend zu verbieten. Das Gesetz wurde dann aber nie beschlossen.

Anfang dieses Jahres kam in die festgefahrene Debatte Bewegung. Die Fachpolitiker der Union im Bundestag einigten sich weitgehend darauf, dass die bestehenden Beschränkungen auch auf Außenwerbung ausgeweitet werden sollen.

Werbung richtet sich an Jugendliche

Ludwig ist besonders um den Jugendschutz besorgt: Sie wolle nicht kleinreden, dass E-Zigaretten Erwachsenen zwar dabei helfen könnten, von der herkömmlichen Zigarette wegzukommen, sagte die CSU-Politikerin. "Wir dürfen aber nicht zulassen, dass Jugendliche zum Dampfen verführt werden." Wenn die Tabakindustrie mit Liquids werbe, die nach Kaugummi und Popcorn schmeckten, "dann ist doch ganz klar, dass sich das nicht an den Erwachsenen richtet, der umsteigen will". Hier gehe es um das Ansprechen von Jugendlichen.

Elektrische Zigaretten, bei denen nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft wird, gewannen in den vergangenen Jahren weltweit enorm an Beliebtheit. Zuletzt wurden jedoch in den USA mehrere Lungenerkrankungen und Todesfälle mit dem Rauchen von E-Zigaretten in Verbindung gebracht. Allerdings sind die Produkte in den USA nicht so streng reguliert wie in Deutschland.

Deutschen Experten zufolge sind E-Zigaretten weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten. (Lesen Sie hier mehr zu den Risiken von E-Zigaretten.)

kry/dpa

insgesamt 84 Beiträge
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Seite 1
so-long 14.10.2019
1. Wo liegt die Grenze?
Zigaretten, Alkoholika im weitesten Sinn (auch Wein, etc), Nahrungsmittel aller Art, usw.. für alles und jedes lässt sich ein Werbeverbot, später ein Verkaufsverbot begründen. Obwohl Nichtraucher, gehen mirVerbotswellen von selbsternannte Aposteln gegen den Strich.
maschseefest 14.10.2019
2. Unleidliche Rolle von Volker Kauder
ich will hier nur kurz an einen Spiegel Artikel von vor einigen Jahren erinnern, in dem geschrieben wurde, dass durch Intervention von ganz oben (Volker Kauder) bei Koalitionsverhandlungen immer wieder die Einführung eines Werbeverbots blockiert wurde. Es ist glaube ich kein Zufall, dass jetzt nach seinem Weggang in einigen Bereichen des Verbraucherschutzes (Werbeverbot, "Lebensmittel Ampel") überfällige Entscheidungen getroffen werden, die in anderen europäischen Ländern schon vor Jahren durchgeführt wurden. Deutschland ist in Sachen Verbraucherschutz (Rauchen, Lebensmittel, Zuckersteuer, Nitratbelastung!!, Luftverschmutzung in Städten, Tempolimit, Reduzierung der Verkehrstoten - war mal groß versprochen worden) Schlusslicht in Europa. Dafür noch mal vielen Dank an das Duo Merkel/Kauder!
Little_Nemo 14.10.2019
3. Viel Rauch um nichts
Zitat von so-longZigaretten, Alkoholika im weitesten Sinn (auch Wein, etc), Nahrungsmittel aller Art, usw.. für alles und jedes lässt sich ein Werbeverbot, später ein Verkaufsverbot begründen. Obwohl Nichtraucher, gehen mirVerbotswellen von selbsternannte Aposteln gegen den Strich.
Nun ja, dass sich eine Werbe- und Verkaufsverbot für alles begründen ließe ist wohl ein ganz kleines bisschen übertrieben. Im Fall der E-Zigaretten wäre aber ein Werbeverbot doch sinnvoll. Denn das einzige einigermaßen vernünftige Argument, dass ich für E-Zigaretten bislang gehört habe, ist das der Ausstiegsdroge. Dafür braucht es aber keine Werbung, die diese Dampfgeräte eher zur Einstiegsdroge machen.
joschi2011 14.10.2019
4. Werbeverbot/Produktion
Ich verstehe eines mit meinem Rechtsverständnis nicht: Wie kann man umfassende Werbeverbote fordern, während die Produktion doch völlig legal ist? Irgendwo hört es doch auf. Wir sind doch ein Rechtsstaat. Dann muss man konsequent alle Tabak- oder Rauchprodukte verbieten.
Habsgesagt 14.10.2019
5. Zigaretten sind kein Nahrungsmittel...
...und zählen zu den am stärksten abhängig machenden Stoffen. Zusammen mit dem Schadenspotential für sich und andere ist mindestens ein Werbeverbot angebracht. Mehr Informationen gibt es hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nicotin Kleiner Spoiler: Bis auf Alkohol haben alle weiteren Substanzen ein Verkaufsverbot
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