Dampfen statt Rauchen Forscher kritisieren WHO-Bericht zu E-Zigaretten

Sind E-Zigaretten ein Segen, weil sie Rauchern eine weniger schädliche Alternative bieten? Oder sind sie gefährlich und sollten streng reguliert werden? Nachdem die Weltgesundheitsorganisation ein strenges Urteil gefällt hat, regt sich Protest.
Dampfer: "Wir wissen, dass sie viel sicherer sind als herkömmliche Zigaretten"

Dampfer: "Wir wissen, dass sie viel sicherer sind als herkömmliche Zigaretten"

Foto: Dan Kitwood/ Getty Images

Tabak-Experten und Suchtforscher haben einem kritischen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO zu E-Zigaretten widersprochen. In dem WHO-Report würden die Risiken übertrieben, die möglichen positiven Effekte als Alternative zum Tabakkonsum dagegen unterschätzt, heißt es in dem im Fachmagazin "Addiction"  veröffentlichten Beitrag.

"Wir waren überrascht über den negativen Ton des Berichts, wir halten ihn für irreführend und für keine korrekte Darstellung der vorliegenden Beweise", sagte Ann McNeill vom nationalen Suchtzentrum am Londoner King's College. "E-Zigaretten sind neu und wir haben mit Sicherheit noch nicht alle Antworten auf Fragen über ihre längerfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit. Wir wissen aber, dass sie viel sicherer sind als herkömmliche Zigaretten, die jedes Jahr weltweit mehr als sechs Millionen Menschen töten."

Die WHO hatte Ende August in ihrem Bericht empfohlen, den Verkauf von E-Zigaretten an Minderjährige und den Konsum in geschlossenen öffentlichen Räumen zu verbieten. E-Zigaretten, bei denen anstelle von Tabakrauch aromatisierter und zum Teil nikotinhaltiger Dampf inhaliert wird, seien zwar "wahrscheinlich weniger schädlich" als herkömmliche Zigaretten. Allerdings seien die gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht ausreichend erforscht.

"Könnte Millionen Leben retten"

Der WHO-Bericht  äußert auch Zweifel an dem Herstellerargument, E-Zigaretten könnten Menschen dabei helfen, mit dem Tabakkonsum aufzuhören. Sie könnten vielmehr wie ein "Tor zur Nikotinsucht" wirken und den Tabakkonsum junger Leute steigern.

In ihrem Beitrag in "Addiction" kritisieren die Wissenschaftler nun, die WHO habe nicht anerkannt, dass die Konzentration giftiger Stoffe in E-Zigaretten "meist nur einen winzigen Bruchteil dessen beträgt, was in Zigarettenrauch gefunden wird".

Mit Blick auf die von der WHO geäußerten Bedenken wegen des Passivrauchens bei E-Zigaretten heißt es, es gebe "kein bedeutendes Gesundheitsrisiko". "Die Nutzung von E-Zigaretten könnte in diesem Jahrhundert Millionen Leben retten", erklärte der französische Tabak-Experte Jacques Le Houezec, Mitautor des "Addiction"-Artikels. Ähnlich hatte sich Mitautor Peter Hajek, einer der führenden britischen Experten für Tabakabhängigkeit und Entwöhnung, auch im SPIEGEL-ONLINE-Interview geäußert.

wbr/AFP
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