Todesfälle nach E-Zigarettenkonsum in USA Lag es an Vitamin-E-Azetat?

Ärzte in den USA rätseln über Lungenerkrankungen, die nach der Nutzung von E-Zigaretten auftraten. Zwei Patienten starben. Laut Medienbericht gibt es nun einen Verdacht, was die Beschwerden verursacht haben könnte.
Vitamin-E-Azetat, das in Cannabisprodukten nachgewiesen wurde, erklärt jedoch nicht alle Verdachtsfälle

Vitamin-E-Azetat, das in Cannabisprodukten nachgewiesen wurde, erklärt jedoch nicht alle Verdachtsfälle

Foto: Lisa Ducret/ dpa

Mindestens 200 Menschen erkrankten, zwei Patienten starben: In den USA gibt es offenbar erste Hinweise auf die Ursache für die Häufung bisher unbekannter Lungenerkrankungen, die in Zusammenhang mit dem Gebrauch von E-Zigaretten stehen könnten.

Bei dem Stoff handelt es sich demnach um ein Öl, das aus Vitamin E gewonnen wird, berichtet die "Washington Post"  und beruft sich auf die interne Kommunikation der Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) mit Behörden aus den betroffenen Bundesstaaten.

Der Stoff wurde demnach in mehreren sogenannten Liquids nachgewiesen. Dabei handelt es sich um Flüssigkeiten, die verdampft werden. Mehrere Hersteller sind betroffen. Die Ermittler hätten das Vitamin-E-Azetat in Proben von Cannabisprodukten gefunden, die die Erkrankten zuvor geraucht hatten. In einigen US-Bundesstaaten ist der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt.

"Keine Substanz, die in allen Proben identifiziert wurde"

Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Wie die "Washington Post" berichtete, kann der Stoff wegen seiner molekularen Struktur beim Einatmen gefährlich werden.

Allerdings stehen längst nicht alle Verdachtsfälle in Zusammenhang mit Vitamin-E-Azetat. "Es gibt keine Substanz, einschließlich Vitamin-E-Azetat, die in allen Proben identifiziert wurde", teilte die FDA mit. Es würden mehr Informationen benötigt, um die Verbindung zwischen speziellen Produkten oder Substanzen und den gemeldeten Krankheitsfällen besser zu verstehen. Die Symptome reichten von Atembeschwerden, Atemnot und Brustschmerzen bis hin zu Fällen von Magen-Darm-Erkrankungen mit Erbrechen und Durchfall.

Deutsche Experten: E-Zigaretten weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten

Deutsche Experten warnen aber vor Panikmache. "Nach aktueller Studienlage sind E-Zigaretten deutlich weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten", sagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) dem SPIEGEL. Studien zu den kurzfristigen Auswirkungen hätten beispielsweise gezeigt, dass sich der Zustand von Patienten mit der Lungenkrankheit COPD besserte, nachdem sie auf E-Zigaretten umgestiegen waren. Außerdem sei belegt, dass E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen können.

Mons betont, dass die Zahl der in den USA diskutierten Fälle in Verhältnis zu den Todesfällen durch herkömmlichen Tabakkonsum gesetzt werden müsse, an dessen Folge allein in Deutschland pro Jahr etwa 120.000 Menschen sterben.

Wie ist die Situation in Deutschland?

"Dass die Probleme in den USA innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums aufgetreten und vor allem junge Menschen betroffen sein sollen, spricht dafür, dass es sich um ein akutes Problem in den USA handelt und nicht etwa um langfristige Auswirkungen von E-Zigaretten", sagt Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

In Deutschland dürfen Liquids für E-Zigaretten generell keine Vitamine zugefügt werden, damit sie nicht den Eindruck erwecken, sie seien gesund, teilte das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf Anfrage mit. Das gelte auch für das nun diskutierte Vitamin-E-Azetat. Auch THC-haltige Liquids dürfen in Deutschland nicht verkauft werden.

Nach aktuellem Kenntnisstand seien keine erhöhten Risiken für Nutzer von E-Zigaretten in Deutschland zu erwarten, wenn sie Produkte nutzen, die den europäischen und deutschen Regelungen entsprechen. Dampfer sollten jedoch generell auf Symptome wie Atembeschwerden oder Schmerzen im Brustbereich achten, besonders nach einem Produktwechsel.

Insgesamt seien Verbraucher hierzulande etwas besser geschützt als in den USA, sagt Henkler-Stephani. So müssen Hersteller von Liquids in Deutschland ihre Rezepturen melden und die Verwendung von bestimmten gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen wurde verboten.

Henkler-Stephani warnt jedoch vor nicht registrierten Produkten zum Selbermischen, die oft kein Nikotin enthalten und häufig online vertrieben werden. Da nikotinfreie Liquids nicht unter das Tabakrecht fallen, müssen die entsprechenden Bestimmungen auch nicht eingehalten werden. Absurderweise könnten sich dadurch Liquids mit Nikotin in einigen Fällen als sicherer erweisen.

Für völlig unbedenklich halten Experten E-Zigaretten jedoch nicht. Die langfristigen Auswirkungen von E-Zigaretten seien noch unklar, weil sie noch nicht so lange auf dem Markt sind. Unzureichend untersuchte Inhaltsstoffe, Verunreinigungen oder neue Produktmerkmale könnten die gesundheitlichen Risiken erhöhen, sagt Henkler-Stephani. Bei leistungsstarken "Subohm" Modellen gelangten beispielsweise bis zu 400 Milliliter des Chemikaliendampfs direkt in der Lunge. Die Auswirkungen seien noch weitgehend unerforscht.

"E-Zigaretten sind keine Wundermittel", sagt auch Mons. E-Zigaretten brächten längst nicht alle weg vom Rauchen. Doch für langjährige Raucher, die nicht von ihrer Sucht loskommen, könnten E-Zigaretten eine Alternative sein. "Ideal ist natürlich ganz aufzuhören und gar nicht erst anzufangen", sagt Mons.

koe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.