Todesfall in den USA Risiko E-Zigarette?

US-Ärzte rätseln über Lungenerkrankungen, die in Zusammenhang mit der Nutzung von E-Zigaretten stehen. Ein Patient ist gestorben. Ist Dampfen schädlicher als Rauchen?

Der Dampf von E-Zigaretten enthält deutlich weniger Schadstoffe als herkömmlicher Zigarettenqualm
Lisa Ducret/DPA

Der Dampf von E-Zigaretten enthält deutlich weniger Schadstoffe als herkömmlicher Zigarettenqualm


Die Betroffenen klagen über Brustschmerzen, Atemnot und Erbrechen: Bisher unbekannte Lungenerkrankungen geben Ärzten in den USA Rätsel auf. Die einzige bisher bekannte Gemeinsamkeit der Betroffenen ist die Nutzung von E-Zigaretten. Innerhalb einer Woche haben sich die dokumentierten Fälle auf fast 200 verdoppelt. Mehrere Patienten mussten künstlich beatmet werden. Ob sich ihre Lunge wieder vollständig regenerieren wird, ist unklar. Ein Patient ist gestorben.

Was ist bisher über die Ursache bekannt?

US-Behörden untersuchen, ob die E-Zigaretten selbst oder die benutzten Liquids die Symptome verursacht haben könnten. Die Betroffenen hatten unterschiedliche Produkte verwendet. Viele gaben jedoch an, THC-haltige Öle mit den E-Zigaretten konsumiert zu haben, die beispielsweise über Online-Shops verkauft werden. Der psychoaktive Wirkstoff kommt auch in Cannabis vor. US-Behörden schließen jedoch nicht aus, dass auch von etablierten Produkten Gefahren ausgehen könnten.

Wie äußern sich die Erkrankungen?

Zunächst treten meist ähnliche Symptome wie bei einem Infekt auf. Die dafür übliche Therapie wie beispielsweise mit Antibiotika bleibt allerdings meist erfolglos. Zudem können Verletzungen an der Lunge auftreten, die auf Verätzungen hindeuten. Auch allergische Reaktionen werden als Ursache diskutiert. Laut US-Ärzten ist die Therapie mit Steroiden derzeit am vielversprechendsten. (Mehr über den E-Zigaretten-Boom bei Jugendlichen in den USA lesen Sie hier.)

Warum treten die Beschwerden ausgerechnet jetzt auf?

Noch können die Gesundheitsbehörden nicht sagen, wann die Beschwerden erstmals auftraten oder wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Behörden waren aktiv geworden, nachdem ihnen mehrere mögliche Lungenschäden in Zusammenhang mit E-Zigaretten gemeldet worden waren. Seitdem sammeln sie alle Verdachtsfälle.

"Das Problem ist, dass wir nicht wissen, was genau die Nutzer durch die Geräte inhalieren, von denen es 500 bis 600 verschiedene gibt", sagte der Pulmonologe John Holcomb aus Texas der "New York Times". Hinzu kommt ein unkontrollierter Schwarzmarkt. Produktfälscher nutzen beispielsweise leere Behälter etablierter Anbieter und befüllen sie mit eigenen, nicht zugelassenen Mischungen.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Bisher sind hierzulande keine vergleichbaren Fälle bekannt geworden. Generell gelten für die EU andere Richtlinien, was die Inhaltstoffe von E-Zigaretten betrifft. So enthalten E-Zigaretten in den USA bis zu viermal so viel Nikotin.

Lungenärzte schließen jedoch nicht aus, dass auch in Deutschland ähnliche Fälle auftreten könnten. "Jetzt haben die ersten Ärzte über die Krankheit gesprochen, ihre Symptome beschrieben und einen Zusammenhang zu E-Zigaretten hergestellt", sagte Robert Loddenkemper von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie dem "Focus". "Da werden jetzt viele Kollegen, die Patienten mit ähnlichen Beschwerden haben, hellhörig werden."

Sind E-Zigaretten schlimmer als Rauchen?

Weil bei E-Zigaretten die Inhaltsstoffe verdampft werden, entstehen deutlich weniger krebserregende Stoffe als bei herkömmlichem Zigarettenqualm. Laut der britischen Gesundheitsbehörde "Public Health England" sind E-Zigaretten etwa 95 Prozent weniger schädlich als Glimmstängel. (Warum E-Zigaretten in Deutschland schlecht geredet werden, lesen Sie hier).

Einrichtungen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigen, dass ausgewählte Hauptschadstoffe des Rauchs - darunter krebserzeugende Substanzen - deutlich reduziert sind. Allerdings ist noch immer unklar, wie sich der Konsum langfristig auswirkt, dafür sind E-Zigaretten noch nicht lange genug auf dem Markt. Die erste wurde 2003 in China entwickelt.

Zudem sind die verschiedenen Aromastoffe in den Liquids oft nur für Lebensmittel zugelassen. Das heißt, es schadet nachweislich nicht, sie zu verschlucken. Welche Wirkung sie erzeugen, wenn sie inhaliert werden, wird dagegen in der Regel nicht untersucht.

Im Dampf einiger E-Zigaretten wurden zudem gesundheitsschädliche Stoffe wie Formaldehyd, Azetaldehyd oder Acrolein nachgewiesen - vor allem dann, wenn die Geräte heiß liefen, weil beispielsweise das Liquid zur Neige ging.

Mediziner empfehlen, E-Zigaretten nur zur Rauchentwöhnung zu nutzen.

koe

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