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03. Oktober 2017, 19:41 Uhr

Umstieg auf E-Zigaretten

Mehr Lebenszeit durch Dampfrauchen?

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Die einen verurteilen E-Zigaretten als Einstiegsdroge, die anderen feiern sie als Tabakersatz. Hochrechnungen von US-Forschern zufolge könnten Raucher durch den Umstieg Millionen Lebensjahre gewinnen.

Können E-Zigaretten Leben retten? Ja, sagen US-Forscher, zumindest das von Tabakrauchern, die auf elektronische Zigaretten umsteigen. Zwei unterschiedlichen Szenarien zufolge könnten die Dampfzigaretten innerhalb von zehn Jahren zwischen 1,6 und 6,6 Millionen vorzeitige Todesfälle in den USA verhindern, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Tabacco Control".

Die Forscher um David Levy vom Lombardi Comprehensive Cancer Center in Washington liefern mit ihrer Untersuchung einen wichtigen Beitrag zu einer hitzigen Diskussion. Auf der einen Seite stehen die Befürworter von E-Zigaretten, die davon überzeugt sind, dass die Geräte die Schäden, die der Gesellschaft durch Tabakkonsum entstehen, deutlich reduzieren können.

Auf der anderen Seite warnen Forscher immer wieder davor, dass noch wenig über die Langzeitfolgen des Dampfrauchens bekannt ist. Hier meldet sich von deutscher Seite oft das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mahnend zu Wort. Es sei unklar, ob E-Zigaretten Raucher tatsächlich dauerhaft vom Tabakkonsum abbringen könnten, auch die häufig zugesetzten Aromastoffe seien problematisch. Außerdem könnten insbesondere Jugendliche, aber auch ältere Nichtraucher dazu verleitet werden, E-Zigaretten zu rauchen, wenn diese als harmlos dargestellt würden.

86,7 Millionen gerettete Lebensjahre

Für ihre aktuellen Hochrechnungen haben die Forscher die US-Bevölkerung grob in drei Gruppen aufgeteilt: in Raucher, ehemalige Raucher und jene, die nie geraucht haben. In den USA konsumieren derzeit 19,3 Prozent der Männer Tabak und 14,1 Prozent der Frauen. Insgesamt sterben dadurch 26 Millionen Menschen frühzeitig, sie verlieren 249 Millionen Lebensjahre.

Auf dieser Grundlage haben die Wissenschaftler ermittelt, welche gesundheitlichen Auswirkungen es haben würde, wenn die Zigarettenraucher auf E-Zigaretten umsteigen würden. Das würde voraussetzen, dass auch politische Strategien mit dem Ziel eingesetzt würden, aus Tabakkonsumenten E-Zigaretten-Raucher zu machen.

In dem optimistischen Szenario gehen sie davon aus, dass durch den verstärkten Gebrauch von elektronischen Zigaretten nur noch fünf Prozent Tabakraucher übrigblieben. In dem pessimistischen Szenario sind es zehn Prozent. In letzteren Hochrechnungen sind auch die Befürchtungen berücksichtigt, dass E-Zigaretten möglicherweise schlechter für die Gesundheit sind, als Wissenschaftler momentan annehmen. Und dass eine weite Verbreitung dazu führen könnte, dass auch Menschen E-Zigaretten konsumieren, die sonst gar nicht geraucht hätten.


Wer hat's bezahlt?

Die Studie wurde finanziell unterstützt von US-amerikanischen Behörden (National Institute on Drug Abuse, Cancer Intervention and Surveillance Modeling Network, National Cancer Institute). Einer der Autoren gibt als Interessenkonflikt an, die Pharmakonzerne Pfizer und Johnson & Johnson zu beraten, die Medikamente zur Unterstützung beim Rauchstopp herstellen.


Der ersten, zuversichtlichen Berechnung nach lassen sich 6,6 Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern und 86,7 Millionen Lebensjahre retten. Auch in der pessimistischen Prognose würden 1,6 Millionen Menschen weniger frühzeitig sterben und 20,8 Millionen Lebensjahre gerettet werden. "Zusätzlich entstehen riesige, gesundheitliche Vorteile", so Erstautor Levy, "wie etwa weniger Behinderungen, Schmerzen und Leid, ebenso wie weniger Schäden durch Passivrauchen."

Abhängig von Nikotin, gestorben durch Teer

E-Zigaretten enthalten eine flüssige Mischung aus Propylenglykol und Glycerin, die mit Nikotin und Aromen versetzt ist. Das Liquid wird elektrisch aufgeheizt und verdampft. Die in E-Zigaretten ebenso wie in normalen Zigaretten enthaltene Droge Nikotin verursacht der Überzeugung vieler Forscher zufolge selbst kaum Schäden.

In Deutschland ist der Verkauf von E-Shishas und E-Zigaretten an Kinder und Jugendliche seit dem 1. April 2016 generell verboten. Das Familienministerium hatte unter anderem damit argumentiert, man müsse den Nachwuchs vor schädlichen Stoffen schützen.

In klassischen Zigaretten sind es vor allem die Verbrennungsprozesse, die mindestens 250 giftige oder krebserregende Stoffe freisetzen. Dazu zählen auch bekanntere Stoffe wie Blei, Arsen, Kohlenmonoxid und Blausäure. Schon 1976 hatte der Mediziner Mike Rassel konstatiert: "Die Leute rauchen wegen des Nikotins, und sie sterben wegen des Teers."

Auch für Deutschland gibt es Berechnungen, wie gefährlich Rauchen ist. Dem DKFZ zufolge verlieren Frauen, die täglich zehn Zigaretten und mehr rauchen, rund sieben Lebensjahre und Männer gut neun. Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Schlaganfälle oder chronische Bronchitis lassen sich häufig auf das Rauchen zurückführen, Tabakkonsum ist für 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle verantwortlich.

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