Epidemie in Zentralafrika Ebolavirus breitet sich nach Uganda aus

Bei einem fünfjährigen Jungen wurde in Uganda Ebola entdeckt, er kam blutspuckend in ein Krankenhaus und ist inzwischen gestorben. Die Familie hatte zuvor den an Ebola erkrankten Großvater im Kongo gepflegt.

Schild im Fenster eines neu eingerichteten Ebola-Behandlungszentrums in Westuganda, nahe der kongolesischen Grenze
Ben Wise/ International Rescue Committee via AP

Schild im Fenster eines neu eingerichteten Ebola-Behandlungszentrums in Westuganda, nahe der kongolesischen Grenze


Die aktuelle Ebola-Epidemie im Ostkongo hat erstmals ein Nachbarland erreicht. Bei einem fünfjährigen Jungen, der aus dem Ebola-Gebiet nach Uganda gereist war, sei die lebensgefährliche Viruserkrankung nachgewiesen worden, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Kind ist inzwischen auf einer Quarantäne-Station im ugandischen Kasese gestorben.

Daneben bestätigte die WHO zwei weitere Ebola-Fälle, betroffen sind die 50-jährige Großmutter und der dreijährige Bruder des Gestorbenen. Die beiden befinden sich in einem speziellen Behandlungszentrum, mehrere weitere Kontaktpersonen wurden unter Quarantäne gestellt. Nach einer Infektion können bis zu 21 Tage vergehen, ehe die Krankheit ausbricht. Das hämorrhagische - also mit Blutungen einhergehende - Ebolafieber endet für die meisten Infizierten mit dem Tod.

Die WHO hatte seit Monaten vor einer Ausbreitung der Ebola-Epidemie auf Nachbarländer gewarnt. Der Ausbruch betrifft eine Region im Kongo, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Ruanda, Uganda und dem Südsudan liegt. Um zu verhindern, dass sich das Virus ausbreitet, hat Uganda an der Grenze routinemäßige Fieberkontrollen eingerichtet. Allein im Ort Kasindi überqueren täglich bis zu 25.000 Menschen die Grenze.

Familie hatte erkrankten Großvater gepflegt

Die Familie des verstorbenen Jungen lebt im westugandischen Bezirk Kasese. Sie war im Mai in den Kongo gereist, um den an Ebola erkrankten Großvater des Kindes zu versorgen, wie das kongolesische Gesundheitsministerium mitteilte. Dieser erlag der Krankheit Ende Mai.

Als die 14-köpfige Großfamilie in Kasindi die Grenze nach Uganda überqueren wollte, zeigten mehrere Familienmitglieder bereits mögliche Ebola-Symptome, wie das Ministerium weiter erklärte. Sie sollten zur Behandlung in ein Ebola-Zentrum geschickt werden, sechs Familienmitglieder flohen allerdings und überquerten die Grenze auf unüberwachten Schleichwegen. Die ugandischen Behörden seien umgehend verständigt worden.

Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Uganda: Alle Ankommenden müssen Füße und Hände mit einer Chlorlösung waschen, außerdem wird bei allen Fieber gemessen.
Ben Wise/ International Rescue Committee via AP

Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Uganda: Alle Ankommenden müssen Füße und Hände mit einer Chlorlösung waschen, außerdem wird bei allen Fieber gemessen.

Kurz darauf brachte die Familie den Jungen in ein ugandisches Krankenhaus. Bei seiner Ankunft hatte das Kind typische Ebola-Symptome: Es spuckte Blut, litt unter blutigem Durchfall, Muskelschmerzen, Kopfweh und Ermüdungserscheinungen, wie das ugandische Gesundheitsministerium mitteilte. Das Ebolavirus wird über Körperflüssigkeiten übertragen, unter anderem über Blut und Schweiß.

Die Behörden in Uganda kündigten an, am Freitag mit Ring-Impfungen zu beginnen. Dabei werden zuerst die Kontaktpersonen eines Infizierten immunisiert, und anschließend noch deren Kontaktpersonen.

Die Öffentlichkeit in Uganda wurde dazu aufgerufen, Körperkontakt wie Händeschütteln und Umarmungen zu meiden sowie regelmäßig mit Seife und sauberem Wasser die Hände zu waschen. Die Gemeinden in den Grenzregionen sollen bis auf weiteres auf Märkte und andere Menschenansammlungen verzichten, etwa auch auf Gottesdienste und Hochzeiten. Patienten, bei denen ein Ebola-Verdacht besteht, dürfen nicht berührt werden.

2100 Infizierte, 1400 Tote

Uganda hatte in den vergangenen Monaten bereits Vorkehrungen getroffen, falls das Virus eingeschleppt wird. Mitarbeiter des Gesundheitswesens wurden mit einem experimentellen Mittel geimpft, außerdem errichtete das Land Behandlungszentren. In Uganda hatte es in der Vergangenheit mehrfach Ebola-Ausbrüche gegeben, zuletzt 2012. Damals starben mehr als 200 Menschen an den Folgen der Krankheit.

Im Ostkongo haben sich seit Beginn der Epidemie im August fast 2100 Menschen mit dem Virus angesteckt, rund 1400 davon erlagen der Krankheit. Damit handelt es sich um den bislang zweitschwersten Ebola-Ausbruch der Geschichte. Aufgrund gewaltsamer Auseinandersetzungen in den betroffenen Provinzen haben Helfer extreme Probleme, die Epidemie unter Kontrolle zu bekommen. Bewaffnete Gruppen attackieren immer wieder Behandlungszentren und streuen Gerüchte - etwa, dass die Regierung mit dem Virus die Bevölkerung dezimieren wolle.

Hoffnung macht ein experimenteller Impfstoff, den rund 130.000 Menschen in der Region erhalten haben. Das Mittel wurde nach der bislang folgenschwersten Ebola-Epidemie 2014/2015 in Westafrika entwickelt. Damals kamen mehr als 11.000 Menschen ums Leben. Nach wie vor fehlt ein Medikament, mit dem sich die Krankheit heilen lässt. Stattdessen ist es bislang nur möglich, die Beschwerden zu behandeln.

irb/AFP/dpa/Reuters



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