Ebola-Ausbreitung USA verschärfen Kontrollen an fünf Flughäfen

Der Fall des Ebola-Patienten in Dallas zeigt: Das Virus kann andere Länder erreichen. Die USA planen nun an fünf Flughäfen Fieberkontrollen für Flugreisende aus Westafrika einzuführen. Wäre eine solche Maßnahme auch in Deutschland sinnvoll?

Mitarbeiter des Seuchenkontrollteams in Dallas: Flugreisende können das Ebolavirus in andere Länder bringen
DPA

Mitarbeiter des Seuchenkontrollteams in Dallas: Flugreisende können das Ebolavirus in andere Länder bringen


Washington/Madrid - Mehr als 7400 Menschen haben sich in Westafrika seit Ausbruch der Ebola-Epidemie mit dem lebensgefährlichen Virus infiziert. Inzwischen ist das Szenario eingetreten, das viele Seuchenexperten vorhergesehen haben: Das Ebolavirus ist auch jenseits des afrikanischen Kontinents aufgetaucht. Die USA wollen nun mit Sondermaßnahmen eine Epidemie in ihrem Land verhindern: An fünf Flughäfen sollen Flugreisende aus Westafrika auf Anzeichen von Fieber kontrolliert werden.

Unterdessen ist der Ebola-Patient in Dallas den Folgen seiner Erkrankung erlegen. Der aus Liberia stammende 42-Jährige war am Mittwochmorgen im US-Bundesstaat Texas gestorben, teilte das Krankenhaus Texas Health Presbyterian mit.

Bisher ist dieser Ebola-Fall der erste offizielle jenseits des afrikanischen Kontinents, bei dem ein privat Flugreisender das Ebolavirus in ein anderes Land brachte. Weitere Verdachtsfälle weltweit haben sich bisher nicht bestätigt. Aber Experten halten es für eine Frage der Zeit, bis weitere Infizierte trotz Kontrollen an den westafrikanischen Flughäfen in andere Länder fliegen.

Die US-Regierung plant deshalb, die Kontrollen im internationalen Reiseverkehr zu verstärken. An fünf Flughäfen würden spezielle Untersuchungen eingeführt, um eine Ansteckungsgefahr in den USA zu verhindern, teilten US-Behörden mit. Die Maßnahmen beginnen demnach zunächst am Samstag am John-F.-Kennedy Flughafen in New York. In der nächsten Woche ziehen die Flughäfen in Newark (New Jersey), Dallas (Texas), Chicago (Illiois) und Atlanta (Georgia) nach.

94 Prozent des Reiseverkehrs aus den besonders von Ebola betroffenen Gebieten in Liberia, Sierra Leone und Guinea würde mit den Kontrollen erreicht, teilte das Weiße Haus mit. Nach Angaben der US-Regierung sollen Flugreisenden bei den Untersuchungen die Körpertemperatur gemessen und sie detailliert über ihr Reiseverhalten in West Afrika befragt werden.

Zudem sei nach Angaben des US-Senats im Gespräch, eine Datenbank mit den Namen der ankommenden Reisenden einzurichten. Weitere Details zu den möglichen Maßnahmen gab die US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control (CDC) aber zunächst nicht bekannt.

Bisher lehnen es die meisten Seuchenexperten ab, Flüge aus und nach Westafrika grundsätzlich zu verbieten - aus verschiedenen Gründen:

  • Möglichkeiten für Hilfsmaßnahmen und Reisen von Hilfsarbeitern würden dadurch eingeschränkt.
  • Reisende aus Westafrika könnten Umwege über die Nachbarländer nehmen - und so das Ebolavirus auch innerhalb des afrikanischen Kontinents weiter verbreiten. Das würde die Eindämmung der Epidemie weiter erschweren.
  • Reisende, die nur zu Besuch in Westafrika sind, darf es nicht verboten werden, wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren.

"Ganz gleich welche Maßnahmen wir ergreifen - solange wir den Ausbruch in Westafrika nicht unter Kontrolle bringen, werden wir das Risiko einer Ausbreitung in andere Länder nicht auf Null bringen", sagte Thomas Frieden, Direktor der CDC. Auch Barry Bloom, Infektiologe der Harvard University sagte, Flugverbote seien wahrscheinlich kontraproduktiv. Die Gesundheitsversorgung in den betroffenen Ländern sei marode. Um die Erkrankungswelle zu kontrollieren, "müssen wir Leute aus dem Ausland in die Länder rein und wieder rausbringen".

Die CDC hat für die Flughäfen in Sierra Leone, Guinea und Liberia Protokolle erstellt, wie Passagiere dort vor Abflug auf mögliche Symptome für Ebola untersucht und nach Kontakt zu Ebola-Kranken befragt werden sollten. Laut der CDC hätten die örtlichen Mitarbeiter in den vergangenen zwei Monaten mehr als 36.000 Passagiere kontrolliert. Bei nur 77 seien Fieber oder andere Symptome festgestellt worden. Ihnen wurde die Ausreise untersagt. Keiner von ihnen war demnach aber mit Ebola infiziert.

Das Problem: Die Symptome bei Ebola können erst bis zu 21 Tage nach der Infektion ausbrechen. Infizierte ohne Beschwerden fallen also durch die Kontrollen - so wie der Ebola-Patient, der jetzt in Dallas um sein Leben kämpft. Dieser hatte bei der Ausreise nicht angegeben, dass er Kontakt zu einer Ebola-Kranken gehabt hatte.

In Deutschland dürften Kontrollmaßnahmen an Flughäfen, wie die USA sie jetzt planen, kaum einen Sinn machen: Es landen nur Flugzeuge aus Nigeria direkt in Frankfurt. Dort hat es aber seit Mitte September keinen Ebola-Fall mehr gegeben. Sämtliche Reisende, die über andere Routen oder Wege nach Deutschland kommen, abzufangen, ist dagegen ein nahezu unmögliches Unterfangen. Experten zufolge ist es wichtiger, dass die örtlichen Gesundheitsbehörden im Falle eines begründeten Ebola-Verdachts entsprechend schnell reagieren und die betroffene Person isolieren.

Die WHO erklärt in einer Mitteilung, aufgrund von Flugreisen zwischen den betroffenen Ländern und Europa ließen sich sporadische Ebola-Fälle in Europa nicht vermeiden. "Das Risiko einer Ausbreitung ist aber vermeidbar und sehr gering." Die europäischen Länder zählten weltweit zu den am besten vorbereiteten im Kampf gegen Erkrankungen wie Ebola.

EBOLA-VERDACHT - DAS PASSIERT IN DEUTSCHLAND
  • dpa
     
  • Wann ist ein Ebola-Verdacht begründet?
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  • Lesen Sie hier die Antworten.

cib/daf/AFP/Reuters/AP

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
eikone 08.10.2014
1. Hallo??
Es wird noch nicht einmal in Betracht gezogen Sierra Leone usw. zu isolieren?? Vielleicht kann man ja auch noch günstig Urlaub in einem Resort dort machen... Die Verantwortlichen bei der WHO usw. scheinen echt ein bißchen BALLABALLA zu sein.
European 08.10.2014
2. Ebola ist eine ernste Bedrohung für die USA
insofern ist es durchaus gerechtfertigt erhebliche Mittel in die Prävention, Behandlung und Überwachung zu stecken. Wenn die USA, bzw in dem Fall eigentlich wir alle, Pech haben, eifert die IS den Islamisten der Kreuzüge nach. Diese hatten damals die Pest als Waffe eingesetzt. Vermutlich ist jeder $ / Euro der bezüglich einer Gefahrenabwehr ausgeben wird, sehr gut investiertes Geld.
Pfaffenwinkel 08.10.2014
3. Den Amerikanern
kommt es auf die Daten der Reisenden an. Ebola verhindert das zwar nicht, aber es befriedigt den Kontrollwahn der Amis.
kraichgau12 08.10.2014
4. unmöglich abzufangen...
also ist es unmöglich,in der EU flugrouten zu dokumentieren und zb von brüssel an Frankfurt zu melden,wenn ein liberianer umsteigt? im endeffekt bleibt dann nur noch die so kontraproduktive gegenquarantäne,europaweit flüge aus den drei laendern abzuweisen und bei den nachbarlaendern zu veranlassen, das bürger der drei staaten nur nach 21 tagsquarantäne befördert werden dürfen... alles andere ist augenwischerei,vor allem der gedanke,eine einmal unbemerkt eingereiste infektionskette inklusive aller kontakte in D zb in den paar betten, die dafür vorhanden sind,unter zu bringen
salmo-nelli 08.10.2014
5. Was helfen würde....
Sinnvoll wäre es als erste Maßnahme sicherlich, alle im Gesundheitswesen Tätigen entsprechend einzunorden, Ebola auf ihren Schirm zu nehmen und als ernste gesundheitliche Bedrohung wahrzunehmen, damit nicht das geschieht, was sowohl in den USA als auch in Spanien geschehen ist: Patienten, die eine Ansteckung befürchten UND auch noch über Symptome klagen UND auch noch Kontakt zu Erkrankten hatten, werden einfach wieder nach Hause geschickt. Diese Inkompetenz macht fassungslos. Auch muss man Druck machen, dass der offenbar inzwischen entwickelte Schnelltestzur Marktreife gelangt und überall verfügbar ist. Dann wäre schon Einiges gewonnen.
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