Ebola "Die Epidemie war und ist nicht unter Kontrolle"

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist nicht vorbei. Guinea und Sierra Leone melden weiterhin neue Fälle. Experten erklären, weshalb es so schwer ist, den Ausbruch endgültig einzudämmen.
Ein Helfer misst die Temperatur von Schulkindern in Monrovia, Liberia: Noch ist die Ebola-Epidemie nicht vorbei

Ein Helfer misst die Temperatur von Schulkindern in Monrovia, Liberia: Noch ist die Ebola-Epidemie nicht vorbei

Foto: Ahmed Jallanzo/ dpa

Freetown/Monrovia - Mariatu Kargbo gehört zu den Freiwilligen, die in Sierra Leone sichere und würdige Beerdigungen für Ebola-Opfer organisieren. Denn immer wieder haben sich in Westafrika Menschen mit dem Virus infiziert, weil sie mit toten Familienangehörigen in Berührung gekommen waren. Einer der Schlüssel zum Sieg über die Seuche ist, die Beerdigungen der Opfer so auszurichten, dass keine Ansteckungsgefahr besteht. Das ist nicht leicht. Helfer wie Kargbo werden weiterhin stigmatisiert.

"Alle meine Freunde und die meisten Familienmitglieder wollen mir nicht mal mehr nah kommen, und sie weigern sich, etwas zu essen, was ich zubereitet habe", sagt sie. Die Helferinnen würden wie Kriminelle behandelt, klagt die 38-Jährige.

Es ist mehr als ein Jahr vergangen, seit in der Region die ersten Ebola-Fälle aufgetreten sind. "Die Epidemie war und ist nicht unter Kontrolle", sagt Brice de le Vingne, der Leiter der für die Ebola-Gebiete zuständigen Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen (MSF).

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind seit Beginn der Epidemie mehr als 25.500 Menschen am Ebola-Fieber erkrankt, über 10.500 von ihnen sind gestorben. In der Woche vom 30. März bis 5. April meldete Guinea 21 neue Fälle und Sierra Leone neun neue Ebola-Patienten. In Liberia hofft man nach einer Woche ohne einen neuen Fall, dass der Ausbruch dort tatsächlich vorüber ist.

Warum ist es so schwer, die Seuche in den Griff zu bekommen? Und weshalb hat etwa Liberia so große Fortschritte gemacht, während die Nachbarländer Guinea und Sierra Leone häufig Rückschläge zu verzeichnen haben?

Nach Meinung von De le Vingne liegt das vor allem an der unterschiedlichen Herangehensweise und der Reaktion der betroffenen Länder. "In Liberia hat sich die Regierung sehr transparent verhalten - es wurde sehr diszipliniert gehandelt und ein Überwachungssystem eingerichtet, um die Übertragung des Virus nachvollziehen zu können", sagt er. In Sierra Leone habe es zu Beginn des Ausbruchs hingegen viel mehr politischen Widerstand gegeben.

Die Sprecherin des Roten Kreuzes in Afrika, Katherine Mueller, sagt, eines der derzeit am schwersten betroffenen Gebiete sei der Westen von Sierra Leone, inklusive der dicht besiedelten Hauptstadt Freetown. "Wenn die Menschen in so stark bevölkerten Regionen unsere Botschaften nicht beachten - wie etwa Leichen nicht zu berühren - dann bleibt die Ansteckungsgefahr natürlich hoch." Deshalb seien die ausgebildeten Beerdigungsteams so wichtig.

Liberia, Sierra Leone und Guinea seien zudem sehr verschieden bezüglich ihrer Geschichte und ihrer Kultur. Viele Menschen seien misstrauisch gegenüber den Behörden. "Etwa in Teilen von Guinea haben die Leute ihre ganz eigene Art, mit Krankheiten umzugehen, darunter auch die Befragung traditioneller Heiler sowie der Einsatz von Hexerei und Voodoo", sagt Mueller.

Erst nachdem Mitarbeiter des Roten Kreuzes die Heiler und religiösen Führer in langen Gesprächen über die Gefahren von Ebola aufgeklärt hätten, habe die Bevölkerung damit begonnen, die Präventionsmaßnahmen zu befolgen.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bestätigte auf einer Reise nach Ghana und Liberia, dass bei der Ebola-Hilfe einiges schiefgelaufen sei. Mit Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ist Gröhe bis Freitag in Westafrika, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Als Konsequenz aus der Ebola-Krise müsse künftig die internationale Hilfe bei derartigen Krisen besser koordiniert werden, betonte Gröhe.

Wie lässt sich die Epidemie endgültig eindämmen?

Das Wichtigste sei jetzt die epidemiologische Überwachung, sagt De le Vingne. "Aber das ist keine einfache Aufgabe. Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit." Es gelte, eine vollständige Liste von Kontaktpersonen zu erstellen, mit denen jeder infizierte Patient in Berührung gekommen ist. Auch hier komme Ärzten und Helfern das Misstrauen der Menschen in die Quere, sagt der MSF-Experte: "Es kommt vor, dass die Kranken ihre Kontakte nicht preisgeben wollen. Es ist ihnen suspekt, weil sie nicht wissen, was wir mit den betreffenden Personen machen werden."

wbr/dpa
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