Gefahr für andere Kontinente Ebola-Entdecker befürchtet Ausweitung der Seuche

Greift die Ebola-Seuche von Afrika auf andere Kontinente über? Der belgische Entdecker des Virus befürchtet das. Dem SPIEGEL sagte Peter Piot: "Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass es so schlimm kommen könnte."
Einsatz gegen Ebola in Liberia: "Dies ist nicht mehr nur eine Epidemie"

Einsatz gegen Ebola in Liberia: "Dies ist nicht mehr nur eine Epidemie"

Foto: STRINGER/ REUTERS

Hamburg - Der Entdecker des Ebola-Virus, der belgische Infektionsmediziner Peter Piot, befürchtet, dass sich die in Westafrika wütende Ebola-Epidemie auf weitere Kontinente ausdehnen könnte. Es müsse sich nur einer der vielen Inder, die in Westafrika leben, infizieren, während der Inkubationszeit Verwandte in Indien besuchen und diese dann anstecken. "Auch in Indien tragen Ärzte und Krankenschwestern oft keine Schutzhandschuhe. Sie würden sich sofort anstecken und das Virus verbreiten", warnt Piot im SPIEGEL-Gespräch.

(Das ganze Interview lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.)

Auch nach Europa kämen mit Sicherheit Ebola-Kranke aus Afrika, die auf Behandlung hofften. Möglicherweise würden sich dadurch auch einige Europäer mit Ebola infizieren und sterben. Doch in Europa und Nordamerika könne ein solcher Ausbruch schnell wieder eingedämmt werden, ist Piot überzeugt. In Afrika hingegen könne die Epidemie eine ganze Region destabilisieren.

"Und uns allen muss klar werden: Dies ist nicht mehr nur eine Epidemie, sondern eine humanitäre Katastrophe", so Piot im SPIEGEL-Gespräch. "Ich kann nur hoffen, dass wir es schaffen werden, sie in den Griff zu bekommen. Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass es so schlimm kommen könnte."

Die Bundesregierung gab mittlerweile Details zu einer gemeinsam mit Frankreich geplanten Luftbrücke in Westafrika bekannt. Demnach soll die Bundeswehr in den nächsten Tagen mit zwei Transall-Maschinen vom Senegal aus Versorgungsflüge in die drei besonders betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone starten.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind bis zu hundert Soldatinnen und Soldaten für den Aufbau der Luftbrücke und den Betrieb eines Stützpunktes in der Region vorgesehen. Die Bundesregierung wolle außerdem das Deutsche Rote Kreuz finanziell und logistisch dabei unterstützen, ein mobiles Krankenhaus mit mehr als 200 Betten aufzubauen und zu betreiben. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Bundeswehr eine Krankenstation für mehr als 50 stationäre Patienten liefern soll.

Über die Luftbrücke hinaus soll die Finanzhilfe aus Deutschland um mehr als 15 Millionen Euro aufgestockt werden. Die Bundesregierung hatte bislang etwa 17 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind derzeit sieben deutsche Labor-Experten vom Robert Koch-Institut und dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in den besonders betroffenen Staaten Liberia und Guinea.


"Ärzte ohne Grenzen" ist seit März im Ebola-Gebiet im Einsatz: Unterstützen Sie hier die Arbeit der weltweiten Hilfsorganisation .

dab/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.