Ebola-Epidemie in Westafrika "Was jetzt passiert, ist entscheidend"

Die Infektionszahlen sinken, trotzdem wird in Westafrika gegen die Ebola-Epidemie noch immer mit ganzer Kraft gekämpft. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Länder der Welt zur Hilfe auf.
Helfer in Sierra Leone (Archivbild): So lange es noch einen Fall gibt, kann die Epidemie jederzeit wieder aufflammen

Helfer in Sierra Leone (Archivbild): So lange es noch einen Fall gibt, kann die Epidemie jederzeit wieder aufflammen

Foto: Michael Duff/ AP/dpa

Auch wenn sich immer weniger Menschen mit Ebola infizieren, bleibt die Lage in Westafrika angespannt. Solange es nur einen Fall gebe, seien alle Länder gefährdet, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon am Dienstag. "Wir sind auf der Zielgeraden, was jetzt passiert, ist entscheidend." Er rief die Welt dazu auf, die betroffenen Regionen so lange beim Kampf gegen die tödliche Krankheit zu unterstützen, bis diese besiegt sei.

Bei dem bislang größten Ebola-Ausbruch der Geschichte sind mehr als 11.100 Menschen gestorben; mehr als 27.000 Menschen haben sich infiziert. Liberia gilt zwar seit Anfang Mai als Ebola-frei, in den beiden anderen, am stärksten betroffenen Ländern sei der Kampf jedoch noch nicht gewonnen, warnte Ban.

In Guinea gab es in der Woche bis zum 24. Mai neun bestätigte Ebola-Fälle, in Sierra Leone drei. Jeder Fehler bei der Überwachung könne es dem Virus ermöglichen, sich erneut zu verbreiten, so Ban.

Gefährliche Traditionen

Bis der Ausbruch beendet ist, rechnen die Vereinten Nationen in Sierra Leone mit ein paar Wochen. Deutlich schwieriger sei die Situation in Guinea, erklärte der Ebola-Beauftragte der Vereinten Nationen David Nabarro. Demnach halten die Menschen dort in manchen Gegenden an gefährlichen Traditionen fest.

Dazu zählen vor allem Begräbnisse, bei denen die Angehörigen die Toten berühren. Durch den Kontakt solle der Geist der Gestorbenen auf anderen Personen der Gemeinschaft übergehen, erklärt Nabarro. Um das Vertrauen der Betroffenen zu bekommen, arbeiten die Helfer vor Ort mit Anthropologen, religiösen Führern und lokalen Politikern zusammen.

Auch treten in Guinea immer wieder Fälle auf, bei denen unklar ist, wie sich die Menschen angesteckt haben. In Sierra Leone sind die Helfer schon einen Schritt weiter. Dort gehe der Trend dahin, dass neue Infektionen auf bekannte Infektionen zurückgeführt werden könnten und Erkrankte schnell in die Behandlungszentren kämen, berichtet Nabarro.

Anfängliches Versagen

Nur wenn alle Erkrankten früh isoliert werden und alle ihre Kontakte beobachtet werden, ist es möglich, die Verbreitung des Virus endgültig zu stoppen. Dies zu erreichen, sei wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen, sagte Nabarro in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP.

Vermutlich hätten unzählige Menschenleben gerettet werden können, wenn Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie viel früher und effizienter ergriffen worden wären. Besonders die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte der Weltgemeinschaft vorgeworfen, zu spät auf die Ebola-Epidemie reagiert zu haben. Auch die Hilfseinsätze der Bundesregierung liefen erst nach einem drastischen Hilferuf der liberianischen Staatspräsidentin an.

irb/AP
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