Texas Familie des toten Ebola-Patienten aus Quarantäne entlassen

Die Verwandten des in den USA verstorbenen Ebola-Patienten Duncan können aufatmen. Sie sind gesund und wurden aus der Quarantäne entlassen. Derweil wird in Deutschland ein Spezialflugzeug für Ebola-Patienten gebaut.

Ebola-Schutzmaßnahmen im texanischen Dallas: Viele bleiben in Quarantäne
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Ebola-Schutzmaßnahmen im texanischen Dallas: Viele bleiben in Quarantäne


Dallas - Nach 21 Tagen ohne Symptome sind die Angehörigen des verstorbenen Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan im US-Bundesstaat Texas aus der Quarantäne entlassen worden. Duncans Verlobte, ihr 13-jähriger Sohn und zwei Neffen dürfen seit Montag wieder am Alltagsleben teilhaben. Gut drei Dutzend weitere Menschen, die mit Duncan vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus in Dallas möglicherweise in Kontakt geraten waren, wurden ebenfalls aus der Quarantäne entlassen.

Nach Angaben der texanischen Gesundheitsbehörde stehen aber rund 120 Menschen weiter unter Beobachtung, weil sie möglicherweise dem Ebola-Virus ausgesetzt waren. Viele von ihnen sind Mitarbeiter der Klinik in Dallas. "Epidemiologen haben rund um die Uhr gearbeitet, um womöglich betroffene Leute anzurufen und zu besuchen, um sicherzustellen, dass sie keine Symptome zeigen und es ihnen gut geht", sagte der Leiter der Behörde, David Lakey.

Die Verlobte des verstorbenen Ebola-Patienten zeigte sich nach ihrer Entlassung aus der Quarantäne erleichtert: "Wir sind so froh, dass dies ein Ende nimmt, und wir sind so dankbar, dass bei niemandem von uns irgendwelche Zeichen der Krankheit aufgetreten sind", erklärte sie. Jedoch sei die Freude mit Traurigkeit gemischt. Ihre Familie trauere um den Tod von Duncan "zu einer Zeit, zu der wir dachten, dass wir gemeinsam vor einer glücklichen Zukunft stehen".

Ebola-Infektion nicht sofort erkannt

Der Liberianer hatte sich in seinem Heimatland mit Ebola infiziert. Diagnostiziert wurde der Erreger bei Duncan erst, nachdem er Ende September zu einem Familienbesuch nach Texas gereist war. Nach einer Ansteckung vergehen bis zu 21 Tage, bis erste Zeichen der Krankheit wie Fieber und Übelkeit auftreten. Das Virus wird über Körperflüssigkeiten übertragen.

Duncan hatte in der Nacht zum 26. September mit Beschwerden eine Klinik in Dallas aufgesucht. Obwohl er das Klinikpersonal über seinen Aufenthalt in Westafrika informierte, schickten ihn die Ärzte zunächst wieder nach Hause. Zwei Tage später wurde der Liberianer erneut ins Krankenhaus eingeliefert, am 30. September bestätigte die Klinik den Ebola-Fall. Am 8. Oktober erlag er der Krankheit.

Trotz Schutzanzügen und strenger Sicherheitsvorkehrungen infizierten sich zwei Krankenschwestern der Klinik Texas Health Presbyterian, die Duncan gepflegt hatten. Eine 29-jährige Schwester wird derzeit in einem auf Ebola spezialisierten Krankenhaus in Atlanta im Bundesstaat Georgia behandelt, eine 26-jährige Schwester in den Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) in einem Vorort der Hauptstadt Washington.

Bundesregierung bestätigt Bau von Spezialflugzeugen

Die Fälle aus den USA zeigen, wie schnell sich Helfer mit dem tödlichen Virus infizieren können. Darauf reagiert auch die deutsche Bundesregierung. Sie hat nun bestätigt, dass sie für den Transport von Ebola-Patienten ein Flugzeug umbauen lässt. Gemeinsam mit der Lufthansa sei ein entsprechendes Projekt in Auftrag gegeben worden, erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Montag am Rande eines Treffens mit EU-Amtskollegen in Luxemburg. Zudem wurden 20 Isolierzellen bestellt, in denen während des Flugs allerdings keine intensivmedizinische Betreuung möglich sei.

Als einen Grund für die Bestellungen nannte Steinmeier die begrenzten Kapazitäten der bislang mit dem Krankentransport beauftragten Chartergesellschaft Phoenix Air aus den USA. "Mit Blick auf die Dynamik der Krise wird das langfristig nicht ausreichen", erklärte er. Zuerst hatte am Wochenende die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" über die Flugzeugpläne der Regierung berichtet. Die Airbus-Maschine soll im Laufe des Novembers einsatzbereit sein.

Dann sollen auch die ersten freiwilligen Helfer aus Deutschland in die betroffenen Länder in Westafrika aufbrechen. Sie werden derzeit auf den Kriseneinsatz vorbereitet. An Ebola starben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit bereits mehr als 4550 Menschen. Besonders betroffen sind die westafrikanischen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone. Insgesamt wurden laut WHO bislang mehr als 9200 Fälle festgestellt.

EBOLA-VERDACHT - DAS PASSIERT IN DEUTSCHLAND
  • dpa
     
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jbe/AFP/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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vanselow 20.10.2014
1. Glück gehabt
Die Angehörigen haben Glück gehabt, sich ohne Schutzanzüge nicht angesteckt zu haben, wogegen zwei Krankenschwestern mit Schutzanzügen sich nicht vor der Ansteckung schützen konnten. Dabei hatte der Ebolapatient noch darauf hingewiesen, dass er aus Liberia kommt und dass es möglicherweise Ebola sein könnte. Beim nächsten eingeschleppten Ebolafall in den USA vermutet der Patient eventuell nicht, dass es Ebola ist. Ob es dann wieder so glücklich enden wird? In jedem Fall hat dieser eine Ebolapatient zwei weitere Menschen angesteckt. Das ist auch die Infektionsrate, die man in Afrika hat. Die Epidemie wird in Afrika mit internationaler Hilfe nun hoffentlich bald eingedämmt. Man muss die Quelle versiegen.
karend 20.10.2014
2.
Zitat von vanselowDie Angehörigen haben Glück gehabt, sich ohne Schutzanzüge nicht angesteckt zu haben, wogegen zwei Krankenschwestern mit Schutzanzügen sich nicht vor der Ansteckung schützen konnten. Dabei hatte der Ebolapatient noch darauf hingewiesen, dass er aus Liberia kommt und dass es möglicherweise Ebola sein könnte. Beim nächsten eingeschleppten Ebolafall in den USA vermutet der Patient eventuell nicht, dass es Ebola ist. Ob es dann wieder so glücklich enden wird? In jedem Fall hat dieser eine Ebolapatient zwei weitere Menschen angesteckt. Das ist auch die Infektionsrate, die man in Afrika hat. Die Epidemie wird in Afrika mit internationaler Hilfe nun hoffentlich bald eingedämmt. Man muss die Quelle versiegen.
Wie's aussieht, hatten sie eben keine wirkliche Schutzkleidung: "Nurses were forced to use medical tape to secure openings in their flimsy garments, worried that their necks and heads were exposed as they cared for a patient (…)." http://www.theguardian.com/world/2014/oct/15/dallas-nurses-accuse-hospital-sloppy-safety-ebola
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