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07. Oktober 2014, 18:09 Uhr

Behandlung von Ebola-Patienten

Das deutsche Risiko

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Trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen hat sich in Madrid eine Pflegerin mit Ebola infiziert. Auch in Frankfurt wird ein Ebola-Patient behandelt. Wie gut ist Deutschland auf das Virus vorbereitet?

Die spanischen Bürger verlangten, dass ihre Regierung hilft: In Unterschriftenaktionen forderten sie, einen in Westafrika an Ebola erkrankten spanischen Missionar auszufliegen und in ihrem Heimatland zu behandeln. Ihm folgte noch ein zweiter Patient. Bei den Transporten wurden höchste Sicherheitsvorkehrungen eingehalten, und auch bei der Versorgung der Patienten sollte mit größter Sorgfalt gearbeitet werden.

Dennoch ist etwas sehr Unwahrscheinliches passiert: Eine der spanischen Krankenschwester hat sich bei der Behandlung mit dem Virus infiziert. Wie genau es dazu kommen konnte, ist noch unklar. Der Fall zeigt, dass selbst auf modernen Isolierstationen Fehler passieren können. Er zeigt, dass das Virus auch in Europa weitere Menschen infizieren kann. Und er zeigt, wie nah das Virus Deutschland mittlerweile ist.

In Frankfurt wird derzeit ein eingeflogener Ebola-Patient behandelt. Und auch in Deutschland ist es durchaus möglich, dass ein Reisender das Virus ins Land einschleppt und hier an Ebola erkrankt, so wie es in den USA passiert ist.

Wie groß ist das Risiko? Wie gut ist Deutschland auf den Extremfall vorbereitet?

"Ansteckungsrisiko im engsten Umfeld"

In einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es: "Das Risiko, dass Reisende die Krankheit nach Deutschland oder Europa mitbringen, ist gering, aber nicht auszuschließen." Das Papier wurde verfasst, als der Ebola-Fall in Spanien noch nicht öffentlich bekannt war. "Personen im engsten Umfeld der Erkrankten haben aufgrund der Mensch-zu-Mensch-Übertragung ein Ansteckungsrisiko."

Eine Weiterverbreitung des Virus und damit eine Gefährdung der Bevölkerung seien jedoch praktisch auszuschließen, heißt es weiter, weil Deutschland auf die Behandlung von Ebola-Patienten gut vorbereitet sei. Erkranke hierzulande ein Mensch an Ebola oder werde ein Infizierter ins Land gebracht, werde er auf einer speziellen Station isoliert. Aktuell existieren derartige Sonderisolierstationen neben Frankfurt am Main in Berlin, Düsseldorf, Leipzig, München, Stuttgart und Hamburg. Insgesamt könnten in Deutschland 50 Ebola-Patienten unter hohen Sicherheitsvorkehrungen betreut werden.

Trotz der Epidemie in Westafrika plant die Bundesregierung momentan nicht, die Zahl der Isolierstationen zu erhöhen. Die Gefahr, dass Personen in Deutschland an Ebola erkranken, sei aktuell nur sehr gering, heißt es in der Reaktion auf die Kleine Anfrage. Der Linken geht dies nicht weit genug: Der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat fordert, die Zahl der Quarantänestationen zu erhöhen. "Die neuesten Warnungen, dass das Ebolavirus auch in Deutschland eingeschleppt werden könnte, sollte die Regierung ernst nehmen", schreibt er in einem Statement.

Ebola-Patient in Frankfurt: Personal beunruhigt

Aktuell ist von den 50 Betten in Deutschland nur eines von einem Ebola-Patienten besetzt: Ende vergangener Woche wurde ein Arzt aus Uganda nach Frankfurt geflogen, er hatte sich bei seiner Arbeit in Sierra Leone mit dem Ebolavirus infiziert. Jetzt liegt er im Uni-Klinikum Frankfurt in einem von den normalen Stationen abgeschnittenen Gebäude, in einem luftdicht abgeschotteten Zimmer. Behandelt wird er ausschließlich von speziell geschulten Ärzten und Pflegern.

"Um eine Infektion über Blut- und andere Körperflüssigkeiten zu verhindern, tragen Ärzte und Pfleger Ganzkörperschutzanzüge mit gesicherter Atemluftzufuhr, in denen durchgehend Überdruck herrscht, sodass keine Erreger in die Anzüge gelangen können", schreibt der Pressesprecher der Klinik auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Verlassen die Mitarbeiter das Isolierzimmer, werden sie mit Desinfektionsmittel abgeduscht und ziehen die Schutzausrüstung in einer genau vorgegebenen Reihenfolge aus - ebenfalls mithilfe speziell geschulter Kollegen.

"Diese aufwendigen technischen Maßnahmen und klar festgelegten Verfahrensabläufe ermöglichen ein Höchstmaß an Sicherheit für die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte bei der Versorgung der Patienten", heißt es in einem Statement der Klinik.

Trotz des Vorfalls in Spanien will die Klinik ihre Sicherheitsvorkehrungen erst einmal nicht erhöhen - auch, weil unklar ist, wie es in Spanien zu der Ansteckung kommen konnte. "Wir wissen noch nicht, ob es ein Systemfehler war oder nicht", sagte Hans-Reinhard Brodt, Leiter der Infektiologie. Der Fall beunruhige aber das Personal. Eine Gefährdung anderer Patienten oder von Besuchern zumindest kann die Klinik aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen ausschließen.

Mit Material von dpa

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