Westafrika Ebola-Länder wollen Epidemie bis Mitte April besiegen

In Guinea und Sierra Leone steigt die Zahl der neuen Ebola-Fälle wieder. Dennoch wollen die westafrikanischen Staaten die Epidemie bis Mitte April völlig eindämmen.

Hilfskräfte in Monrovia, Liberia: In dem Land werden nur noch vereinzelte Neuinfektionen gemeldet
AP/dpa

Hilfskräfte in Monrovia, Liberia: In dem Land werden nur noch vereinzelte Neuinfektionen gemeldet


Die drei von der Ebola-Epidemie am stärksten betroffenen Guinea, Sierra Leone und Liberia wollen die Zahl der Neuinfektionen binnen 60 Tagen auf null bringen. Dies hätten die Staats- und Regierungschefs der westafrikanischen Länder vereinbart, teilte das Präsidialamt von Guinea am Montag mit. Einzelheiten, wie das Ziel bis Mitte April erreicht werden soll, wurden nicht genannt. Die Politiker forderten die internationale Gemeinschaft auf, ihnen die notwendige Unterstützung zu gewährleisten.

Experten auf einer Diskussionsrunde bei der Konferenz des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS wollten dagegen keine Prognose abgeben, bis wann die Epidemie gestoppt werden könnte.

Der Ebola-Ausbruch begann Ende 2013 in Guinea. Fast 23.000 Menschen sind seitdem erkrankt, 9000 von ihnen sind an den Folgen der Infektion gestorben. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch. Während die Zahl der Neuerkrankungen bis Ende Januar stetig gesunken war, stieg sie nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seither wieder an. Allein in der vergangenen Woche seien 144 neue Infektionen bestätigt worden. Vor allem in Guinea und Sierra Leone wurden mehr Neuerkrankungen registriert. Aus Liberia hingegen werden nur noch vereinzelte Neuinfektionen gemeldet.

Wie konnte es zu dieser Epidemie kommen? Welche Zeichen wurden übersehen? Was kann man künftig besser machen? Diesen Fragen gingen Experten bei einer Diskussion auf der AAAS-Konferenz ("American Association for the Advancement of Science") in San José nach.

"Das war die bei Weitem größte und schwierigste Ebola-Epidemie, die wir je beobachtet haben", sagt der stellvertretende WHO-Generalsekretär Keiji Fukuda. Die betroffenen Länder waren geschwächt von jahrzehntelangen Konflikten und nicht angemessen vorbereitet. Der Ausbruch blieb mehrere Monate unentdeckt. Unter anderem aufgrund der lokalen Begräbniskultur, bei der viele Menschen in Kontakt mit dem Verstorbenen kommen, und weil viele Menschen die Grenzen zwischen den betroffenen Ländern ständig überqueren, konnte sich die Krankheit rasch ausbreiten. Als sie einmal da war, kam eine extrem hohe Furcht auf allen Seiten dazu.

"Wir waren nicht angemessen vorbereitet", gibt Fukuda zu und seine Kollegen von anderen Organisationen sehen das ähnlich. "Die internationale Hilfe ist sehr spät angelaufen", sagt Iza Ciglenecki von Ärzte ohne Grenzen. Aber die Epidemie sei sehr speziell gewesen, betont der US-Immunbiologe Anthony Fauci. "Die meisten Ausbrüche vorher waren sehr stark isoliert. Bevor klar war, dass es sich bei diesem um einen weitreichenden Ausbruch handelt, war er schon sehr weit vorangeschritten. Es war alles sehr ungewöhnlich."

Ein weitere große Sorge: Langzeitfolgen

Eine umfassende Fehleranalyse stehe noch aus, sagt Fukuda. Aber eines sei klar geworden: "Die wichtigste Rolle spielen die Länder. Sie müssen die Fähigkeit haben, die Krankheit früh zu entdecken, und diese Information weiterzugeben. Derzeit besuchen wir alle Länder in Afrika, um ihre Fähigkeiten in dieser Hinsicht zu überprüfen, und stellen fest, dass sie vielerorts nicht so robust sind, wie wir gedacht hatten." Fauci fordert, die Ebola-Helfer dürften Afrika nicht verlassen, ohne eine solide Infrastruktur vor Ort zu hinterlassen. Auch an Impfstoffen müsse weiter gearbeitet werden.

Ciglenecki hat noch eine weitere große Sorge: Langzeitfolgen. "Bislang haben wir denen nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt, weil wir zu überwältigt waren von den akuten Fällen. Aber frühere Ebola-Fälle haben gezeigt, dass zu den Langzeitfolgen unter anderem Gewichtsverlust, Schmerzen, Erblindung, Müdigkeit, Stigmatisierung und psychische Probleme gehören können."

wbr/dpa/rtr

insgesamt 6 Beiträge
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firenafirena 17.02.2015
1. An die Hysteriker
die nicht müde wurden, noch vor Kurzem das Ende der Welt vorauszusehen, inkl. Bergen von Opfern in Europa, überfüllten Kliniken und natürlich permanent überforderten Medizinern: Was habt ihr darüber hinaus getan? Seid dankbar, dass eure teils unerträglichen Verschwörungstheorien und erfundenen Geschichten auch dieses Mal falsch waren! Seid dankbar, dass die Menschen und Helfer vor Ort, die ihr aus Angst und Dummheit so verachtet und beschimpft habt ihren Teil leisten, damit ihr nicht morgen aufwacht und krank seid. Und dann überlegt, ob nicht jeder einen Beitrag leisten kann, egal wie gering, um den Kampf gegen Armut und Krankheiten zu unterstützen.
Flying Rain 17.02.2015
2. Man muss
Man muss sagen das die leichte Panik und Angst in der westlichen Welt den Betroffenen in Afrika doch sehr geholfen hatt insofern deutlich härter daran gearbeitet und geforscht wurde Ebola aufzuhalten weil man Angst hatte es würde zu uns kommen, wäre diese Angst nicht gegewesen (wie z.B. bei Malaria) könnte auch der halbe Afrikanische Kontinent freundlich gesagt "verrecken" und es würde uns nur...ähm wie sagt man auf klugscheiß? Ja...es würde uns nur peripher tangieren....
karlsiegfried 17.02.2015
3. Die Betonung liegt auf 'wollen'
Ich glaube nicht, dass Ebola und andere wie Krebs, Alzheimer und so weiter jemals auszurotten sind. Die Natur hat uns geschaffen und sie wird uns auch vernichten. Der Mensch ist fähig, die Natur ist noch fähiger. Sie ist zu allem fähig.
kraichgau12 17.02.2015
4. @firenafirena
mal ganz ruhig bleiben,es war auschliesslich einer! Ärztin zu verdanken, das der Supergau, naemlich der Ausbruch der Seuche in Nigeria/Lagos ausblieb. diese hat auf eigene Veranwortung und GEGEN den Willen des Betroffenen diesen unter Quarantäne gestellt und ist selbst,glaube ich,später an der Krankheit verstorben. waere DAS Ereigniss passiert,würde heute keiner wie Sie dahin reden, denn den Ausbruch hätte man dann kaum noch abfangen können. Sicher,die Helfer haben Ihr Möglichstes getan, dieses wurde auch durchaus anerkannt. Disskussionen gab es nur über die Art der Rückkehr, bzw,ob eine Selbstquarantäne ausreicht(was zb das US-Militär nicht für ausreichend befand und ihre Soldaten zwangs-quarantänisierte) Ob man ausgewählte Patienten nun wirklich rund um den Globus fliegen muss, während auch dort nur erhaltende,aber keine heilenden mittel zur Verfügung stehen,ist der zweite punkt, um den es Diskussionen gab und weiterhin geben wird. Besser waeren die enormen Kosten wohl vor Ort eingesetzt worden. Ich denke, an der Absicherung gegen PÖandämien gibt es,wie viele jetzt erst wirklich verstanden haben,noch durchaus eine Menge zu verbessern. FFM zb hat keine Temperaturkontrollen bei Ankömmlingen aus Africa durch geführt,und auch in Africa kann man erst cross country flights nehmen, bevor man den Kontinent wechselt.
firenafirena 17.02.2015
5.
Zitat von kraichgau12mal ganz ruhig bleiben,es war auschliesslich einer! Ärztin zu verdanken, das der Supergau, naemlich der Ausbruch der Seuche in Nigeria/Lagos ausblieb. diese hat auf eigene Veranwortung und GEGEN den Willen des Betroffenen diesen unter Quarantäne gestellt und ist selbst,glaube ich,später an der Krankheit verstorben. waere DAS Ereigniss passiert,würde heute keiner wie Sie dahin reden, denn den Ausbruch hätte man dann kaum noch abfangen können. Sicher,die Helfer haben Ihr Möglichstes getan, dieses wurde auch durchaus anerkannt. Disskussionen gab es nur über die Art der Rückkehr, bzw,ob eine Selbstquarantäne ausreicht(was zb das US-Militär nicht für ausreichend befand und ihre Soldaten zwangs-quarantänisierte) Ob man ausgewählte Patienten nun wirklich rund um den Globus fliegen muss, während auch dort nur erhaltende,aber keine heilenden mittel zur Verfügung stehen,ist der zweite punkt, um den es Diskussionen gab und weiterhin geben wird. Besser waeren die enormen Kosten wohl vor Ort eingesetzt worden. Ich denke, an der Absicherung gegen PÖandämien gibt es,wie viele jetzt erst wirklich verstanden haben,noch durchaus eine Menge zu verbessern. FFM zb hat keine Temperaturkontrollen bei Ankömmlingen aus Africa durch geführt,und auch in Africa kann man erst cross country flights nehmen, bevor man den Kontinent wechselt.
Ja, sowas in der Art hatte ich erwartet. "Die Katastrophe ist ausgeblieben, aber nur gaaanz knapp, also hatten wir ja eigentlich trotzdem recht". Glauben Sie wirklich, dass die ausgebliebene Katastrophe nur durch einen einzigen Zufall verhindert wurde? Ich bin der letzte Mensch, der ernsthaft daran zweifelt, dass es eines Tages zu einer dramatischen Pandemie kommen wird. Jedoch kaum durch Ebola. Patienten in Europa oder USA zu behandeln, dient auch dem Erkenntnisgewinn und somit allen Betroffenen. Und auch nur durch solche Maßnahmen werden die tatsächlich vorhandenen Schwächen im System deutlich, da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Temperaturkontrollen sind ziemlich sinnlos, da es zu viele Ursachen von Fieber geben kann und ausbleibendes Fieber hingegen noch kein Beweis für Gesundheit ist. Doch trotz der so zahlreichen Möglichkeiten ist das Virus eben NICHT massiv eingeschleppt worden. Was mich extrem gestört hat waren die mehr als zahlreichen Kommentare, in denen die Helfer fast schon als Verbrecher an ihrem eigenen Herkunftsland beschimpft wurden, Hollywood-Streifen mit der Realität verwechselt wurden und vom Sofa aus oberschlaue Kommentare abgelassen wurden, da man selbst es ja besser weiß als jeder Arzt oder Wissenschaftler. Da wurden die wildesten Verschwörungen formuliert, ohne jede Grundlage. Genau diese Personengruppe frage ich, was sie denn getan hat, um die Situation zu verbessern. Motzen ist einfach. Dass meine "Frage" in den luftleeren Raum ziemlich sinnlos ist, ist mir aber auch klar.
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