Liberia Ebola-Impftests verlaufen vielversprechend

Erste Ergebnisse einer großen Impfstudie in Liberia wecken neue Hoffnungen im Kampf gegen Ebola. Die Tests seien gut verlaufen, heißt es. Derweil versucht Sierra Leona die Epidemie mit einer Ausgangssperre einzudämmen.

Kontrollen an der Grenze zwischen Liberia und Sierra Leone: Drei Tage Ausgangssperre
AFP

Kontrollen an der Grenze zwischen Liberia und Sierra Leone: Drei Tage Ausgangssperre


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Zwei große Studien zu Sicherheit und Wirksamkeit von Ebola-Impfstoffen haben in Liberia bislang positive Ergebnisse gezeigt. Das berichteten die Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) der USA unter Verweis auf Zwischenergebnisse. Die Studien mit bislang insgesamt 600 Teilnehmern waren Anfang Februar in der Hauptstadt Monrovia angelaufen, nachdem die Impfstoffe in kleineren Studien auf ihre Sicherheit für Menschen überprüft worden waren.

Nun könne man die dritte Phase der Tests planen, die zur Zulassung der Wirkstoffe führen soll, erklärten die NIH, die das Projekt unterstützen. Daran sollen in Westafrika Zehntausende Menschen teilnehmen. Zunächst muss jedoch die aktuell laufende Phase-zwei-Studie abgeschlossen werden.

Die Forscher wollen die Untersuchung in den kommenden Wochen auf 1500 Freiwillige ausweiten. Unter anderem soll der Frauenanteil von derzeit nur 16 Prozent erhöht werden, um sicherzustellen, dass das Immunsystem bei beiden Geschlechtern ähnlich auf die Impfstoffe reagiert.

Ermutigende Ergebnisse

Eines der Seren mit dem Namen cAd3-EBOZ war von der britischen Firma GlaxoSmithKline (GSK) in Zusammenarbeit mit dem US-Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) entwickelt worden, das andere, VSV-ZEBOV, von der kanadischen Gesundheitsbehörde.

In den Tests bekommen die Teilnehmer entweder einen der Wirkstoffe injiziert oder ein wirkungsloses Scheinpräparat. Weder die Ärzte noch die Patienten wissen, wer den wirksamen Arzneistoff bekommen hat. Um festzustellen, ob die Impfung wirkt, prüfen die Forscher, ob die Patienten Antikörper gegen das Ebolavirus ausgebildet haben.

Die Ergebnisse der Impftests seien ermutigend, erklärte NIAID-Direktor Anthony Fauci. "Jetzt müssen wir die Studie weiterführen und ausweiten, um letztlich festzustellen, ob diese experimentellen Impfstoffe vor dem Ebolavirus schützen und somit bei künftigen Epidemien eingesetzt werden können", so Fauci.

Ebola-Patientin aus Großbritannien wieder gesund

Erst am Donnerstag hatten Forscher im Fachmagazin "Science" berichtet, dass sich das Ebolavirus, entgegen erster Befürchtungen, relativ langsam verändert. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die derzeit entwickelten Impfstoffe längerfristig anschlagen, falls sie es bis zur Zulassung schaffen. Auch Guinea hat vor wenigen Tagen einen Test mit einem ebenfalls aus Kanada stammenden Impfstoff gestartet.

Aus Großbritannien wurde am Samstag berichtet, eine Ebola-Patientin, die sich bei einem Hilfseinsatz in Sierra Leone angesteckt hatte, sei nach der Behandlung mit einem experimentellen Medikament gesund aus dem Krankenhaus entlassen worden. Allerdings ist unklar, ob das Medikament MIL 77 die Heilung herbeigeführt hat, oder ob die Patientin auch ohne das Mittel wieder gesund geworden wäre.

Ebola-Patient in Liberia gestorben

Insgesamt sind weltweit mehr als 10.300 Todesfälle durch Ebola registriert, die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher. In Liberia sind die Hoffnungen derzeit groß, dass das Land bald als Ebola-frei erklärt werden könnte. Hier hatte es wochenlang keinen neuen Ebola-Fall gegeben, bis vor gut einer Woche eine Frau in der Hauptstadt Monrovia positiv auf das Virus getestet wurde.

Wie nun bekannt wurde, starb die Infizierte am Freitag in einem Behandlungszentrum. Als Ebola-frei gilt ein Land erst, wenn innerhalb von 42 Tagen kein neuer Fall gemeldet wird.

Ausgangssperre in Sierra Leone

Am schlimmsten von der Epidemie betroffen ist Sierra Leone. Bisher wurden hier über 11.888 Fälle gemeldet, fast 3800 Menschen sind gestorben. Um das Virus zu stoppen wurde am Freitag eine dreitägige landesweite Ausgangssperre für die sechs Millionen Einwohner verhängt. Seit der vergangenen Woche waren in dem Land 33 neue Fälle gemeldet worden.

In der Zeit der Ausgangssperre sollen 26.000 Freiwillige von Tür zu Tür gehen, um mögliche noch unerkannte Ebola-Fälle aufzuspüren und die Bevölkerung über Schutzmaßnahmen zu informieren. Im Mittelpunkt stünden dabei die Hauptstadt Freetown und der Norden des Landes, wo die Epidemie besonders heftig wüte, sagte der Chef des nationalen Ebola-Zentrums, Alfred Palo Conteh. Bisher hielten sich die meisten Einwohner an die Vorgaben, teilten die Behörden mit.

Die Regierung hatte im vergangenen September erstmals eine Ausgangssperre verhängt. Die Maßnahme habe dabei geholfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, hieß es anschließend. Nun soll die Aufklärungskampagne auch an den ersten drei Samstagen im April fortgesetzt werden.

Während Sierra Leone mit aller Macht versucht, die Epidemie durch Aufklärung einzudämmen, kommt Guinea nach wie vor schlecht mit der Situation zurecht. Kranke werden hier immer noch häufig versteckt, so dass sich das Virus leicht ausbreiten kann.

Zusammengefasst: In Liberia werden derzeit in großen Studien mit 600 Menschen zwei Impfstoffe gegen das Ebolavirus getestet. Bislang laufen die Versuche vielversprechend, berichten die Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) der USA. Sie wollen schon bald die dritte Phase der Tests planen, die zur Zulassung der Wirkstoffe führen soll. Derweil ist die letzte bekannte Ebola-Patientin aus Liberia gestorben. Als Ebola-frei gilt das Land aber erst, wenn in den nächsten 42 Tagen keine Neuerkrankungen registriert werden. Sierra Leone versucht die Ausbreitung des Virus derzeit durch eine dreitägige Ausgangssperre einzudämmen.

jme/dpa/Reuters/AFP

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JaguarCat 30.03.2015
1. Zum Glück keine endlose Katastrophe
Zum Glück wird das Virus nach und nach unter Kontrolle gebracht. Von den 1000 neuen Fällen pro Woche, die es zeitweise gab, sind die betroffenen Länder schon wieder weit entfernt. Und mit Sicherheit hat das Gesundheitssystem in allen betroffenen Ländern in dem Sinne profitiert, dass jede Menge Wissen transferiert wurde, und künftig auch mit anderen Infektionskrankheiten hoffentlich besser umgegangen werden kann.
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