Verdachtsfall in Berlin Ärzte rechnen nicht mit Ebola-Infektion

Mit Verdacht auf Ebola ist eine Frau in die Seuchenstation der Berliner Charité eingeliefert worden. Zuvor war sie mit Fieber in einem Jobcenter kollabiert. Mediziner glauben nicht an eine Infektion mit dem lebensgefährlichen Virus.
Notarztwagen vor Berliner Jobcenter: Eine 30-Jährige war mit Fieber kollabiert

Notarztwagen vor Berliner Jobcenter: Eine 30-Jährige war mit Fieber kollabiert

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Berlin - Erstmals hat es in Berlin einen Verdachtsfall auf Ebola gegeben: Am Dienstagvormittag traten bei einer Frau, die sich in einem Jobcenter aufhielt, erhebliche Gesundheitsbeschwerden auf. Die 30-Jährige hatte Fieber und erlitt einen Schwächeanfall. Weil sie sich vor acht Tagen in Afrika aufgehalten hatte, kam der Verdacht auf, dass sie sich mit einer hochinfektiösen Krankheit infiziert haben könnte - möglicherweise sogar mit Ebola.

Wie die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales am Dienstagnachmittag mitteilte, ist der Ebola-Verdachtsfall aber vermutlich unbegründet. Die Frau wurde demnach um 13.30 Uhr auf die Station für hochinfektiöse Erkrankungen der Berliner Charité eingeliefert. Die Experten der Klinik "gehen mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich bei der Infektion der Patientin nicht um Ebola handelt", heißt es in einer Presseerklärung der Senatsverwaltung. Die Frau habe sich in Afrika nicht in einem Gebiet aufgehalten, in dem Ebola aufgetreten ist. Genauere Angaben zu ihrer Herkunft machten die Behörden nicht.

Zuvor hatte die "Berliner Zeitung" berichtet, dass sie Kontakt zu Ebola-Patienten gehabt haben soll. Nachdem der Verdacht gemeldet wurde, hatte die Berliner Polizei das Gelände des Jobcenters großräumig abgesperrt. Die Frau wurde zuerst in einem Notarztwagen isoliert und dann in das Krankenhaus gebraucht.

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In einer Pressemitteilung erklärte die Berliner Charité: "Die Mediziner gehen vielmehr von einer infektiösen Magen-Darm-Erkrankung aus. Zum formalen Ausschluss einer Ebola-Erkrankung wird selbstverständlich eine Blutanalyse durchgeführt."

Entsprechend dem Infektionsschutzgesetz sei in dem Fall zunächst der zuständige Amtsarzt des Bezirks Pankow tätig gewesen, so die Senatsverwaltung. Er habe die in solchen Fällen festgelegten Maßnahmen eingeleitet. Dazu gehöre es, die Kontaktpersonen zu ermitteln und ihnen entsprechende Verhaltensmaßnahmen aufzuerlegen.

Auch mehrere Menschen, mit denen die Frau direkten Kontakt hatte, kamen vorsichtshalber ins Krankenhaus, um Ansteckungen auszuschließen. Alle anderen Besucher der Jobcenters, die zunächst im Haus bleiben mussten, durften das Gebäude nach rund zwei Stunden wieder verlassen, berichtete ein Feuerwehrsprecher.

EBOLA-VERDACHT - DAS PASSIERT IN DEUTSCHLAND

Wann ist ein Ebola-Verdacht begründet?Wie wird eine Infektion diagnostiziert?Wie groß ist die Gefahr, dass sich das Virus ausbreitet?

Die Berliner Feuerwehr habe den Einsatz bei Ebola-Verdachtfällen seit Beginn der Epidemie in Westafrika geübt, sagte ein leitender Notarzt. Die Information Fieber in Kombination mit Afrika reiche im Moment schon für einen Einsatz aus. "Das heißt dann aber erst einmal, dass der Verdacht auf einen Verdacht besteht", so der Arzt.

Viele Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Malaria beginnen mit den gleichen unspezifischen Symptomen wie die Ebola-Krankheit: mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Erbrechen und Durchfall. Um eine Infektion mit dem Ebolavirus zu bestätigen, sind Laboranalysen notwendig. Ebola lässt sich nur über einen Bluttest nachweisen.

In Westafrika steigen die Zahlen der Ebola-Opfer weiter an. Allein zwischen dem 14. und 16. August sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 113 neue bestätigte Fälle und Verdachtsfälle gemeldet worden. Demnach sind innerhalb dieser drei Tage insgesamt 84 dieser Patienten gestorben.

Damit sind den offiziellen Angaben zufolge inzwischen 1229 Menschen an Ebola gestorben. Doch die Gesundheitsbehörde befürchtet, dass die Fallzahlen in Wahrheit noch viel höher sein könnten: Vor allem in ländlichen Gebieten werden längst nicht alle Erkrankungen und Sterbefälle von den nationalen Behörden registriert.

Von den 1229 registrierten Todesfällen seien 760 eindeutig als Folge einer Infektion mit dem Ebolavirus bestätigt, teilte die WHO am Dienstag mit. Bei den anderen Todesfällen bestehe ein begründeter Verdacht auf Ebola. Der Grund für diese Differenz: Tote, bei denen eine Ebola-Infektion nicht zu Lebzeiten festgestellt worden war, werden im Nachhinein aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf Ebola getestet.

Die Bemühungen um die Eindämmung der Epidemie seien weiter verstärkt worden, berichtete die WHO: Die Regierungen der betroffenen Länder haben demnach inzwischen mehrere Quarantänezonen eingerichtet. Dazu gehören auch ganze Städte - unter anderem Guéckédou in Guinea, Kenema und Kailahun in Sierra Leone sowie Foya in Liberia.

Unterdessen sind drei Tage nach der Erstürmung und Plünderung einer Isolierstation für Ebola-Krankein Liberias Hauptstadt Monrovia die 17 geflohenen Patienten wieder aufgetaucht. Die Vermissten hätten sich selbst in einem Krankenhaus der Hauptstadt gemeldet, sagte Informationsminister Lewis Brown am Dienstag. In der Nacht zu Sonntag hatte eine Menge überwiegend junger Leute im Armenviertel West Point die kürzlich in einer Schule eingerichtete Krankenstation gestürmt, geplündert und die dort untergebrachten Patienten freigelassen.

cib/dpa/AFP
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