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02. Januar 2015, 17:12 Uhr

Ebola in Großbritannien

Krankenschwester erhält Blutplasma eines Überlebenden

Sie kann sprechen und essen: Der an Ebola erkrankten Britin geht es den Umständen entsprechend gut - derzeit wird sie mit einem experimentellen Medikament und Blutplasma behandelt. Aber ihr Fall wirft Fragen zur Seuchenkontrolle auf.

London - Sie wollte helfen und liegt nun selbst im Krankenhaus. Dennoch geht es der mit Ebola infizierten britischen Krankenschwester den Umständen entsprechend gut. Sie könne mit ihrer Familie sprechen, aufrecht sitzen, lesen und Nahrung zu sich nehmen, sagte ihr Arzt Michael Jacobs in London. Eine Prognose für die nächsten Tage wage er nicht, da die Krankheit unberechenbar sei.

Die Frau hatte sich bei einem Ebola-Hilfseinsatz für die Organisation Save the Children in Sierra Leone angesteckt und war nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien am Sonntagabend krank geworden. Sie wird auf einer speziellen Ebola-Isolierstation im Royal Free Hospital in London behandelt. Dort war bereits im Oktober ein britischer Pfleger therapiert worden, der sich in Sierra Leone infiziert hatte. Nach seiner erfolgreichen Behandlung kehrte er nach Westafrika zurück.

Laut den Ärzten erhält die Patientin derzeit ein experimentelles Medikament, den Namen nannten sie nicht. Es handele sich aber nicht um das bereits mehrfach bei Ebola-Patienten angewandte "ZMapp". Außerdem wird der Frau das Blutplasma eines Überlebenden der Krankheit verabreicht. Wer die Krankheit überstanden hat, gilt als lebenslang immun. Forscher hoffen, mit den Antikörpern aus dem Blut Überlebender Erkrankte therapieren zu können - noch immer fehlt ein geprüftes, heilendes Medikament.

Britische Ebola-Kontrollen ausreichend?

Der Fall hat in Großbritannien Zweifel an der Wirksamkeit von Kontrollen für Reisende mit Ebola-Risiko hervorgerufen. Seit Oktober sind an vier Flughäfen und einem internationalen Bahnhof mehr als 1700 Menschen untersucht worden, die aus Westafrika gekommen sind. Auch die Krankenschwester war kontrolliert worden, durfte aber vom Londoner Flughafen Heathrow weiter nach Glasgow fliegen. Sie habe keinerlei Symptome gezeigt, sagte die höchstrangige Ratgeberin der Regierung in Gesundheitsfragen, Sally Davies, dem Sender ITV.

Ebola-Infizierte sind erst ansteckend, wenn die Krankheit ausbricht. Zwischen der Infektion und den ersten Symptomen können um die drei Wochen vergehen. Das Virus wird übertragen, wenn Körperflüssigkeiten eines Erkrankten - etwa Blut oder Erbrochenes - auf Schleimhäute gelangen, auch eine Infektion über kontaminierte Oberflächen ist möglich.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bis Jahresende 20.206 Ebola-Fälle registriert. Über 7900 Menschen seien an den Folgen einer Infektion mit dem Virus gestorben, teilte die UN-Behörde mit. Es dürfte aber nach Einschätzung von Experten eine hohe Dunkelziffer geben. Betroffen von der Epidemie sind vor allem die westafrikanischen Länder Sierra Leone, Guinea und Liberia.

joe/dpa

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